"Hipsterkuh" auf der Weide unterhalb des Monte Ferraro
"Hipsterkuh" auf der Weide unterhalb des Monte Ferraro

Hipsterkühe und Kastanien rund um den Monte Ferraro

  • Benjamin Kämpfen

Eine Frühlingswanderung im Malcantone entlang des Kastanienwegs war geplant. Herausgekommen ist – dank einigen verplauderten Minuten – eine Wanderung, die uns ziemlich weit weg von den Kastanienbäumen führte.

Zu viert sind wir an diesem sonnigen Frühlingstag unterwegs – Bettina, Eliane und Michi, alle bekannt aus früheren Umweltwisssenschaften-Studientagen, waren meine Wanderbegleitung. Geplant war eine gemütliche Rundwanderung entlang des Kastanienwegs (Sentiero del castagno) von Mugena über Vezio, Fescoggia und wieder zurück. Geplant waren auch Abstecher in die eine oder andere Osteria für ein Tessinerplättli mit einem Glas Wein…

Wir starten in Mugena und werden gleich von einem Gartenrotschwanzmännchen begrüsst, welches auf einer alten Kastanie singt. Auf einem leicht ansteigenden Weg geht es durch die stark eingewachsenen Kastanienselven. Überall sind Mauereidechsen zu sehen und das Leader-Duo sieht eine Schlange davonhuschen, ging aber zu schnell für eine genaue Bestimmung. Nach knapp einer Stunde ist eine Trinkpause und ein Kartencheck angesagt. Die Erkenntnis ist bitter: Den Kastanienweg haben wir bereits 50 Meter nach dem Start verlassen, als wir eine Abzweigung verpassten. Dabei waren auch bis dahin überall Kastanien zu sehen…

Wir ersparen uns die Schuldfrage und beschliessen einen neuen Plan, da ein Zurück sicher nicht in Frage kommt: Über Alpweiden soll es in Richtung Monte Ferraro gehen. Vor dem Aufstieg steht noch eine Bachüberquerung an – nicht ganz einfach, da die Schneeschmelze in vollem Gang ist. Dafür beobachten wir noch kurz eine Wasseramsel. Der folgende Aufstieg durch den Wald ist steil und beim ersten Platz mit Fernsicht (Mattarone) ist es Zeit für das Picknick mit Diskussionen über oligo- und eutrophe Gewässer und Grundsatzdiskussionen ob man Bananen- und Eierschalen wieder mitnehmen soll oder unter den nächsten Busch schmeisst. Auch unter Umweltwissenschaftern herrscht diesbezüglich keine Einigkeit…

Danach setzen wir den Aufstieg Richtung Alpe Gem fort. Der Wanderweg ist hier nicht klar markiert, so dass wir ihn bald verlieren. Zum Glück ist die Richtung klar und der Weg schnell wieder gefunden. Weiter oben erblicken wir rund zehn Gemsen, die auf den frisch ausgeaperten Flächen äsen. Unterwegs überqueren wir einige Bäche, die noch tief von Schnee bedeckt sind. Der Feldstecher lohnt sich hier: Zaunammer und Baumpieper sind immer wieder zu hören und zu sehen.

Beim Punkt La Bassa beginnen die grossen Diskussionen: Lohnt sich noch ein Abstecher auf den Monte Ferraro oder sollen wir links oder rechts um den Berg? Die einen dürstet es nach Aussicht, die anderen nach einem baldigen Feierabendbier… Nach längerem Abwägen und nachdem jeder den Entscheid mindestens einmal jemand anderem übertragen hat, setzt sich Eliane durch: Als Sportlichste in unserer Gruppe will sie natürlich noch auf den Berg rauf. Der Aufstieg zum Monte Ferraro verläuft ab La Bassa grösstenteils im Buchenwald. Die letzten Meter unter dem Gipfel sind baumlos und ein Steinschmätzerpaar lässt sich dort wunderbar beobachten. Nach einer kurzen Gipfelrast machen wir uns auf den Rückweg. Dieser ist sehr schlecht sichtbar, so dass etwas Orientierungssinn und eine gute Karte nötig sind – im Zweifelsfall folgt man den Markierungen an den Bäumen. Unterwegs begegnen wir Hochlandrindern, welche uns mit grossem Interesse anstarren.

«Voll die Hipsterkühe»,

meint Michi – Recht hat er. Die folgenden Waldabschnitte sind abwechslungsreich: Dunkle Buchenwälder wechseln sich mit lichten, zauberhaften Birkenwäldchen ab.

Der in der Karte eingezeichnete Fussweg runter nach Mugena ist schwierig zu begehen und stellenweise muss über umgestürzte Bäume geklettert werden. Am Ende kommen wir aus dem Wald raus und landen direkt vor der Betonmauer einer Villa… Kurz darauf taucht auch der Kastanienweg wieder auf – führt hier aber auf geteerten Strassen durch Einfamilienhausquartiere. Zum Schluss der Wanderung kommen wir noch an einer aufgewerteten Kastanienselve vorbei: Der Verein Hot Spots hat diese in den letzten Jahren entbuscht und wieder in den ursprünglichen Zustand gesetzt.

Fazit: Eine abwechslungsreiche Wanderung in die Höhe, die perfekt ist für die ersten Frühlingstage. Erkenntnis: Nur weil Kastanien zu sehen sind, muss man sich nicht auf dem Kastanienweg befinden. Für alle, die doch auf den Kastanienweg möchten (wie uns Insider verraten haben, ist das aber eher etwas für Senioren), finden die Route bei Schweizmobil. Auf der interaktiven Karte unten finden sich weitere Impressionen.

Informationen: Keine Einkehrmöglichkeit unterwegs. Während der Schneeschmelze können die Bäche viel Wasser führen. Gutes Schuhwerk und eine Wanderkarte werden empfohlen.

Wird die Karte nicht angezeigt? Klicken Sie hier!