mit MM pro Natura 11.1.17
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Für Wald und Wild: Keine wilden Tiere füttern!

  • Cécile Villiger

Nahrungssuchende Wildtiere im Hochwinter: Die scheinbar hungernden Tiere lösen bei vielen Menschen Mitleid aus. Mit Fütterung wollen sie etwas Gutes tun. Doch wer Schalenwild im Winter füttert, schadet Wild und Wald.

Ohne Winterfütterung geht es dem Wild und Wald besser

„Winterfütterung ist keine Lösung und sogar kontraproduktiv, weil das Schalenwild aus seinem natürlichen Wintersparmodus herausgerissen wird“, warnt Georg Brosi, Vorsteher Amt für Jagd und Fischerei. Das vermeintlich helfende Futter kann so zur tödlichen Falle für die Tiere werden. Aber auch der Wald leidet. „In der Umgebung von Futterstellen sind Schäl- und Verbissschäden an den Bäumen oft erheblich“, schildert Reto Hefti, Vorsteher Amt für Wald und Naturgefahren die Folgen der Fütterung. Zugeführtes Futter ist meist nährstoffreich, was nicht der natürlichen Winternahrung entspricht. Das Schalenwild sucht zum Ausgleich Rohfasern. Es schält Baumrinde, verbeisst Jungbäume und verursacht grosse Schäden an der Naturverjüngung sowie am Schutzwald.

© Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden
Durch Schalenwild entstandenen Verbissschäden. | © Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden

Die Wildtierfütterung erhöht die Seuchengefahr

Ein Anziehungspunkt für Schalenwild sind auch offene Komposte und defekte Siloballen in Siedlungsnähe. Daniel Albertin, Landwirt und Gemeindepräsident von Albula/Alvra zeigt auf seinem Hof in Mon, wie die Siloballen wildtiersicher gelagert und eingezäunt und Futterreste aufbewahrt werden. „In unseren Wäldern leben zahlreiche Hirsche. Auf dem Hof haben wir aber keine Probleme mit den Wildtieren“, schildert Albertin seinen Vorzeigebetrieb. Wildtiersichere Komposte und Siloballen sind wichtige Präventionsmassnahmen gegen die Seuchengefahr. Rolf Hanimann, Vorsteher Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit, warnt eingehend vor der Rindertuberkulose: „Die Gefahr, dass die Tuberkulose bei Futterstellen übertragen wird, von Wildtier zu Wildtier aber auch auf die Nutztiere, ist bei Futterstellen stark erhöht – mit fatalen Folgen.“ Zudem können Futterangebote in Siedlungsnähe zu Problemen mit dem Wolf führen, sagt Anita Mazzetta, Geschäftsleiterin WWF Graubünden: „Im Schlepptau mit dem Wild ziehen Futterstellen auch Wölfe an, die ihrer Beute bis in die Siedlungen hinein folgen.“ Entfernt man Futterquellen konsequent, sind meist auch die Wölfe weg.

Mithelfen, dem Schalenwild das Überleben im Winter zu erleichtern

Gartenbesitzer und Wirt, Gemeinde, Jäger, Forstpersonal, Landwirt und für Waldbesitzer können dazu beitragen, dass Gärten, Grüngutdeponien oder landwirtschaftliche Betriebe wildtiersicher werden. Wichtig ist, dass jegliche Nahrungsquellen im Siedlungsraum für Wildtiere unerreichbar gemacht werden. So werden Wildtiere gar nicht erst in Siedlungen gelockt. Siloballen müssen beim Betriebszentrum gelagert werden, Komposthaufen sollen wildtiersicher abgedeckt werden, Abfallsäcke erst am Morgen kurz dem Abholen auf die Strasse gestellt werden oder die öffentliche Grüngutdeponie muss bei hohem Wilddruck wildtiersicher eingezäunt werden. Keine Fütterung – weder an gezielten Futterstellen im Wald noch durch Unwissen in Siedlungen – damit unser Wild auch strenge Winter möglichst gesund übersteht.

Die Landwirtschaft ist gefordert: Siloballenlager müssen wildtiersicher eingezäunt werden. © Anita Mazzetta
Die Landwirtschaft ist gefordert: Siloballenlager müssen wildtiersicher eingezäunt werden. © Anita Mazzetta

Mehr Informationen finden Sie auf dieser Webseite: https://stop-fuetterung.ch.

In diesem Video sind die wichtigen Informationen zu „Stop Wildtierfütterung“ zusammengefasst.