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Ende einer Illusion – Warum ökologisch korrekter Konsum …

  • Stefan Bachmann

… die Umwelt nicht retten kann

Konsumieren wir uns zu Tode?, fragt Buchautor Armin Grundwald in seinem kleinformatigen Buch gleich als erstes. Die Frage ist berechtigt: Die Wachstumsspirale kann sich unmöglich ins Unendliche drehen, die Ressourcen sind begrenzt. Oder lässt sich das stete Konsumwachstum mit den Zielen der Nachhaltigkeit vereinbaren, wie es die Lohas und die Grünliberalen seit einigen Jahren predigen?

Die gegenwärtige Debatte zum nachhaltigen Konsum laufe in die falsche Richtung, ist der Autor überzeugt. „Sie schiebt den individuellen Konsumenten eine Verantwortung zu, die sie weder tragen wollen noch können.“ Sie blende die politische Dimension der Nachhaltigkeit aus. Und: Sie moralisiere und wecke falsche Erwartungen, sei also letztlich nur eine grosse Illusion.

Was dann folgt, ist eine Beweisführung zu dieser These, beginnend mit der Historie des Begriffs „Nachhaltigkeit“. Der Autor geht der  Frage nach, wie es dazu kam, dass die Verantwortung immer mehr auf die Konsumenten übertragen wurde. Und er erörtert, wie viel der Konsument wirklich erreichen kann und wieviel nicht. Das Hauptproblem: Bloss zehn bis 20 Prozent der Konsumenten beziehen die Nachhaltigkeit bei ihren Kaufentscheiden mit ein. Diese Quote scheint sich auch mit Weltuntergangs-Rhetorik und Öko-Modewellen nicht gross steigern zu lassen. Sie genügt freilich nicht, um die grossen ökologischen Probleme der Gegenwart zu lösen. Fragt sich daher, ob ein ökologisch korrekter Konsum nicht zur Hauptsache als Schmiermittel für das eigene Gewissen dient, bevor die Welt dann doch zugrunde geht. Eine bedenkenswerte Fragestellung an die Adresse der Politik, aber auch der Umweltverbände.

Fazit des Buches ist es, dass die Politik wieder mehr Verantwortung übernehmen müsste, statt alles dem Einzelnen zu überlassen. Und dass der Einzelne sich vermehrt politisch und zivilgesellschaftlich engagieren sollte, statt bloss das richtige Joghurt zu kaufen (was aber trotzdem wichtig bleibt). Armin Grunwald hat mit seinem Büchlein seinen Teil dazu beigetragen. Hoffen wir, dass es andere erhören.

Armin Grunwald: „Ende einer Illusion – Warum ökologisch korrekter Konsum die Umwelt nicht retten kann“, 2012, oekom Verlag München, 124 Seiten, Fr. 16.90