Die Wildbienen Deutschlands_eucera dentata
Nur in trockenwarmen Sandgebieten Nordostdeutschland verbreitet ist die sehr selten gewordene Flockenblumen-Langhornbiene. © Paul Westrich aus «Die Wildbienen Deutschlands», via Verlag E. Ulmer.

Buch «Die Wildbienen Deutschlands» kämpft gegen Artenrückgang

  • Stefanie Wermelinger

Mit dem Buch «Die Wildbienen Deutschlands» schafft es der Autor Paul Westrich nicht nur Experten, sondern auch interessierte Laien anzusprechen. Er beschreibt die Lebensräume der Wildbienen, ihr Verhalten, ihre Gegenspieler und Nutzniesser, sowie ihre Abhängigkeit von unterschiedlichen Blüten.

Mit seinen rund 824 Seiten und 1700 Farbfotos ist das Buch von Paul Westrich ein imposantes Werk rund um die Wildbienen Deutschlands. Das Werk erscheint zu einer Zeit, wo der Begriff «Bienensterben» und «Insektensterben» immer mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt. Bestes Beispiel dafür ist die Rostrote Mauerbiene, die zum Insekt des Jahres 2019 gewählt worden ist, um auf den dringend notwendigen Schutz von Wildbienen aufmerksam zu machen, wie naturschutz.ch berichtete.

Ähnliche Ziele verfolgt auch der Autor Paul Westrich mit seinem Buch «Die Wildbienen Deutschlands». In der Einleitung schreibt der Autor, dass er aufzeigen will, welche Art von Umwelt, Landschaftsstrukturen und Pollenquellen die Wildbienen brauchen, damit der Artenrückgang aufgehalten werden kann. Dies gelingt ihm auf eindrucksvolle Art und Weise, indem er nicht nur auf die verschiedenen Wildbienenarten eingeht, sondern auch einen grossen Teil des Buches den Lebensräumen und der Lebensweise der Wildbienen widmet.

Diverse Lebensräume

Das erste Kapitel im Buch stellt die diversen Lebensräume der Wildbienen vor – von Äcker über Steinbrüche bis hin zum Siedlungsbereich. Westrich beschreibt mit Hilfe von Skizzen und Bildern, was die Anforderungen seitens der Wildbienen an die unterschiedlichen Lebensräume sind und was geändert werden müsste, damit die Wildbienen wieder in diese Räume zurückkehren.

Bunte Wiesen sind in vielen Landschaften durch die Industrialisierung der Landwirtschaft fast ganz verschwunden. Der Verlust einer der wichtigsten Nahrungsgrundlagen vieler Wildbienenarten ist ein Hauptgrund für den Rückgang und die Gefährdung. © Paul Westrich aus «Die Wildbienen Deutschlands», via Verlag E. Ulmer.
Bunte Wiesen sind in vielen Landschaften durch die Industrialisierung der Landwirtschaft fast ganz verschwunden. Der Verlust einer der wichtigsten Nahrungsgrundlagen vieler Wildbienenarten ist ein Hauptgrund für den Rückgang und die Gefährdung. © Paul Westrich aus «Die Wildbienen Deutschlands», via Verlag E. Ulmer.

Liste der Pollenquellen

Im Weiteren wird auf zahlreichen Seiten auf die Lebensweise der Bienen, das Verhalten von diversen mitteleuropäischer Arten, auf die Nutzniesser und Gegenspieler und auch auf das Zusammenspiel zwischen Blüten und Bienen eingegangen. Auch ein Liste der verschiedenen Pollenquellen, mit rund 511 unterschiedlichen Pflanzenarten ist in diesem Abschnitt zu finden. Hat man den Aufbau der Liste verstanden – sie ist nicht selbsterklärend, aber der Hilfetext dazu sehr verständlich formuliert – dann ist die Liste eine tolle Sache, um herauszufinden, welche Pflanzenart welchen Wildbienenarten als Pollenquelle dient.

Die Wildbienen Deutschlands_anthidium oblongatum arachnoideum
Die Spinnwebige Dachwurz ist bei der Spalten-Wollbiene als Pollenquelle sehr beliebt. Durch Kultur dieses Dickblattgewächses im Steingarten lässt sich diese Wildbienenart fördern. © Paul Westrich aus «Die Wildbienen Deutschlands», via Verlag E. Ulmer.

Steckbriefe geben Informationen über einzelne Arten

Der grösste Abschnitt des Buches wird den einzelnen Arten gewidmet. Über 560 Steckbriefe geben unter anderem Informationen zur Verbreitung, Biologie und Nistweise der einzelnen Arten. Von den meisten Arten ist auch ein Foto dabei und die typischen Merkmale sind beschrieben, um die Bienen auch selber im Feld bestimmen zu können.

Zu guter Letzt folgt noch eine Artenübersichtstabelle und ein Synonym Verzeichnis, welche wohl besonders für Spezialisten einen grossen Mehrwert bringt. Das lange Literaturverzeichnis zum Schluss zeigt, wie viel Akribie und Gründlichkeit in dem Buch steckt. Mehr als 3’000 wissenschaftliche Publikationen hat Paul Westrich für sein Buch ausgewertet und zitiert.

Mehr als ein Nachschlagewerk

Das Buch «Die Wildbienen Deutschlands» ist nicht nur für Experten eine wertvolle Bereicherung. Der Text ist so geschrieben, dass ihn nicht nur WissenschaftlerInnen verstehen, sondern auch interessierte Laien. Dank grossartigen Bildern ist bereits das durchblättern lohnenswert. Das Buch ist nicht nur ein Nachschlagewerk, sondern es liefert vielmehr eine Wissensgrundlage, um die Wildbienen nachhaltig zu schützen. Auch wenn sich das Buch im Titel auf die Wildbienen Deutschlands bezieht, kann es auch in der Schweiz sehr gut angewendet werden. Denn abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen, vor allem in den östlichen Randgebieten Deutschlands und in den Küstendünen, kommen alle Wildbienenarten auch in der Schweiz vor. Umgekehrt sind in der Schweiz nur wenige südliche Arten, die in den Hochalpen, im Wallis oder im Tessin verbreitet sind, in Deutschland nicht anzutreffen. Die Angaben zur Lebensweise der Bienen in den Steckbriefen gelten grundsätzlich auch für die Schweiz.

Die Wildbienen Deutschlands
Das Buch bietet wertvolle Informationen rund um die Wildbienen. © Paul Westrich aus «Die Wildbienen Deutschlands», via Verlag E. Ulmer.

Das Buch «Die Wildbienen Deutschlands» ist beim Ulmer Verlag erschienen und kann dort für 99 Euro gekauft werden. Auch im Schweizer Buchhandel ist es erhältlich, entweder in gedruckter Form oder auch als E-Book.