© Centaur / trigon-film
© Centaur / trigon-film

„Centaur“ verleiht dem Zuschauer Flügel

  • Mélanie Guillebeau

Pferde verleihen Zentaur, dem bescheidenen Protagonisten dieses Filmes, Flügel: Doch mit seiner Lebensfreude und ungebrochenem Willen die Pferde aus den Händen der Händler zu befreien, vermag der Kirgise auch den Zuschauer zu beflügeln.

Auf den ersten Blick mögen die karge, hügelige Landschaft im Norden Bischkeks, der Hauptstadt Kirgistan, und deren Bewohner äusserst fremd wirken. Doch je länger der Film läuft, desto mehr werden einem die Parallelen zu unserem westlichen Leben vor Augen geführt. Wir können Zeugen eines habgierigen und egozentrischen Geschäftsmanns werden: Mit kleinem Wohlstandsbäuchlein und gekleidet im Adidas-Trainer handelt er mit Rennpferden und träumt vom noch grösseren Geld – ungeachtet der Lebensumstände seiner Vierbeiner.

„In ruhigen Bildern und verschmitztem Spiel erzählt er [Regisseur Aktan Arym Kubat] seine allegorische Geschichte über das Zusammenleben von Mensch, Tier und Natur zwischen Glauben und Aberglauben, Moderne und Tradition“, so beschreibt trigon-film treffend den Inhalt des Filmes.

Und es scheint sich auch in dieser verlassen anmutenden Gegend, ein Wandel der Religion und Traditionen abzuspielen. So gehen muslimische Missionare von Tür zu Tür und versuchen die ansässigen Kirgisen von ihrer Sache zu überzeugen – was mehrheitlich mit Misstrauen beäugt wird. Man will sich nicht einer neuen Religion beugen, doch die eigenen lang gehegten Traditionen und Geschichten scheinen gleichzeitig dahinzuschwinden: Es wird kaum mehr vom kirgisischen Mythos gesprochen, dass die Vorfahren von Zentauren abstammen sollen, einem Mischwesen aus Pferd und Mensch.

Zentaur mit seiner Familie. | © Centaur / trigon-film
Zentaur mit seiner Familie. | © Centaur / trigon-film

Doch in einem Mann lebt der Mythos weiter: Zentaur, der zusammen mit seiner gehörlosen Frau und seinem kleinen Sohn – der (noch) kein Wort über die Lippen gebracht hat – in einem bescheidenen Häuschen wohnt. Mit Wehmut erzählt er seiner Familie von den Zeiten als Pferde nicht als Handelsobjekte galten, sondern von den Bewohnern geschätzt wurden und ihnen gar zu Unbesiegbarkeit verhalfen.

Zu Tag ist Zentaur als Arbeiter auf einer Baustelle tätig, doch nachts wird er zum Pferdedieb – offensichtlich aber nicht des Geldes wegen. Seine Absichten sind lauter: Er will mit den gestohlenen Pferden durch die Mondnacht reiten und den Schutzherrn der Pferde für die üblen Taten seiner Landsleute um Vergebung bitten. Und so hat er sich mehrere Male für eine Nacht auf die „Flügel des Menschen“ – wie Pferde nach einem kirgisischen Sprichwort genannt werden – begeben, und sie dann im Morgengrauen wieder in die Hände ihrer Besitzer übergeben.

Der „Pferdeleiher“ ist dem bereits erwähnten Geschäftsmann und Pferdebesitzer ein Dorn im Auge. Deshalb soll ihm das Handwerk gelegt und seine Übeltaten bestraft werden. Doch insbesondere die Ausführung des zweiten Teils gestaltet sich für den Pferdehändler schwieriger als gedacht…

Der letzte grosse Befreiungsakt von Zentaur. © Centaur / trigon-film
Der letzte grosse Befreiungsakt von Zentaur. | © Centaur / trigon-film

Ab dem 22. Juni in den Kinos

Der bereits zweifach prämierte Film wird durch trigon-film vertrieben und kommt hierzulande am 22. Juni in die Kinos. Auf der Website von trigon-film finden Sie weitere Informationen zum Film und den Aufführungsorten.