© Peter Wohlleben / Ludwig Verlag
© Peter Wohlleben / Ludwig Verlag

Buch-Tipp: „Das Seelenleben der Tiere“ von Peter Wohlleben

  • Mélanie Guillebeau

In seinem Buch „Das Seelenleben der Tiere“ gibt Autor Peter Wohlleben einen erstaunlichen und oft rührenden Einblick in eine Welt, die vielen von uns leider verborgen bleibt: die Gefühlswelt der Tiere mit ihren zahlreichen, ungeahnten Facetten.

Wer denkt schon gerne daran, dass Schweine intelligente Wesen sind, welche auf dem Weg zum Schlachthof Angst verspüren? Oder, dass die zurückgebliebene Hirschkuh eines geschossenen Kalbes Trauer verspürt und über geraume Zeit zum Ort des Geschehens zurückkehrt?

Dies mag einer der Gründe sein, weshalb wir Menschen uns anmassen, dass Gefühle wie Trauer, Mitleid,  Liebe, Selbstlosigkeit und Angst uns „höheren“ Lebewesen vorenthalten sind. Und genau dieser Haltung steht das Buch „Das Seelenleben der Tiere“ entgegen. Wie der Name andeutet, soll das Buch einen Einblick in die Seele oder eben Gefühlswelt der Tiere gewähren, die entgegen der Erwartungen zu existieren scheint.

„Dabei sollen Tiere gar nicht vermenschlicht, sondern lediglich besser verstanden werden.“

Wenn man sich erst mal mit dem Gedanken anfreundet, dass Tiere durchaus zahlreicher Gefühle mächtig sind, rückt man dem besseren Verständnis unserer Mitlebewesen einen Schritt näher – so auch das Empfinden des Autors, Peter Wohlleben.

Peter Wohlleben: Förster und Autor des Buches. © www.peter-wohlleben.ch
Peter Wohlleben: Förster und Autor des Buches. | © www.peter-wohlleben.ch

Nach seinem Studium an der Fachhochschule für Forstwirtschaft, trachtete er zwanzig Jahre dem Beamtenleben in der Landesforstverwaltung Rheinland-Pfalz, bis sich sein lang gehegter Traum erfüllte: ein eigenes Waldrevier, welches er nach ökologischen Gesichtspunkten führen kann. Damit hat Peter Wohlleben ein urwaldähnliches und kaum beeinträchtigtes Gebiet geschaffen, in welchem er hautnah erlebt wie Kaninchen, Hirsche, Wildschweine oder Eichhörnchen durchs Leben gehen. Und in seinem Buch nutzt er diesen Erfahrungsschatz, um auch uns die Gefühlswelt der Tiere näher zu bringen.

Das Buch ist gespickt mit teils amüsanten, teils rührenden Anekdoten aus seinem Försterleben aber auch aus der Aufzucht seiner Pferde und Geissen. Wo möglich stützt er sich zudem auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse.

Auch Krähen packt manchmal der Spieltrieb. | © Alexas_Fotos [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com
Auch Krähen packt manchmal der Spieltrieb. | © Alexas_Fotos [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com

So erzählt er von einer Krähe, die sich einen Spass daraus macht, auf einem Dosendeckel das Hausdach herunterzurodeln. Oder dessen Artgenosse, welcher einen Hund neckisch in den Schwanz zwickt, nur um dann schadenfreudig davonzufliegen und das Spiel von Neuem beginnen zu lassen. Ja, Tiere scheinen also durchaus, wie wir, manchmal einfach nur auf Spass aus zu sein.

Das Erteilen von Namen kann das Durcheinander bei der Schweinefütterung vermindern. | © Ryan [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Das Erteilen von Namen kann das Durcheinander bei der Schweinefütterung vermindern. | © Ryan [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

An anderer Stelle verweist er auf die Intelligenz von Schweinen. Im Rahmen einer Studie hat man nach einer Lösung zum ungesitteten und rüpelhaften Vorgehen bei der Futtervergabe gesucht. Dazu wurde eine kleine Gruppe von Jährlingen aus der Gruppe ausgewählt und auf einen anderen Hof umplatziert. Den Versuchstieren wurden wohlklingende Namen wie „Brunhilde“ zugeordnet. Nach einer intensiven Lernphase kehrten sie zurück in ihre ursprüngliche Gruppe. Und siehe da: Bei der Futtervergabe konnten die Tiere einzeln mit ihrem Namen aufgerufen werden, woraufhin diese nach vorne spazierten, gemütlich frassen und nach Beendigung des Mahls zurückgingen. So konnte ein Schwein nach dem anderen verköstigt werden und der sonst übliche Tumult bei der Fütterung war passé.

Bienen können ganz schön aggressiv werden, auch ihren Artgenossen gegenüber. | © Jan Beck, [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Bienen können ganz schön aggressiv werden, auch ihren Artgenossen gegenüber. | © Jan Beck, [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Doch auch vor Grausamkeit sind Tiere nicht gefeit; „Krieg“ ist ihnen ein Begriff. Es wird beobachtet, dass Bienenvölker die Gunst der Stunde nutzen, wenn die Abwehr eines Nachbarvolkes zum Beispiel durch Parasitenbefall oder Insektizideinsatz geschwächt ist. Die Bienen stürmen den Stock des unterlegenen Volkes und schlagen sich den Magen mit Honig voll. Zurück bleiben tote Bienen inmitten eines verwüsteten Bienenstockes.

Natürlich können nicht für alle beobachteten Gefühlsempfindungen der Tiere Studien vorgelegt werden, die deren Existenz mit hundertprozentiger Sicherheit bestätigen. Aber selbst bei uns Menschen sind Gefühle wie Schmerz oder Angst kaum fassbar, geschweige denn genaustens messbar. Jeder empfindet anders.

„Wie sollen wir etwas bei Tieren nachvollziehen, was wir sogar bei uns nicht richtig greifen können?

Bei uns Menschen liegt der Unterschied aber darin, dass wir die Möglichkeit haben untereinander zu kommunizieren und damit unseren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Würden wir uns mehr mit der Sprache der Tiere beschäftigen, wären wir vielleicht in der Lage auch ihre Gefühlswelt genauer zu erfassen – oder wie Peter Wohlleben es treffend formuliert:

„Warum werden in jahrelanger Arbeit Versuchstiere mühsam Gebärden beigebracht, Tieren, deren Lernvermögen nach heutigem Stand der Forschung geringer als das unsere ist? Wäre es nicht viel einfacher, wir selbst würden endlich damit beginnen, die Tiersprache zu lernen?

Das Buch kann direkt auf der Website des Autors Peter Wohlleben bestellt werden oder steht in allen grösseren (Online-)Bücherläden der Schweiz in den Regalen.

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