© Henry J Fair / Papadakis Verlag
© Henry J Fair / Papadakis Verlag

Buch-Tipp: „Industrial Scars“ – Die Narben unserer Industrie

  • Mélanie Guillebeau

Egal ob Kohle, Öl, Kupfer oder Stahl: Die grossen Industrien, die hinter der Gewinnung dieser Ressourcen stecken, hinterlassen unübersehbare Spuren in unserer Umwelt. Diese Narben hat der Fotograf und Umweltschützer Henry J Fair auf seinen Bildern auf ungewohnt ästhetische Weise festgehalten. Erfahren Sie mehr über das eindrückliche Werk und versuchen Sie Ihr Glück bei der Verlosung von zwei Exemplaren.

Unsere Erde stellt uns zahlreiche Dienstleistungen wie saubere Luft, Trinkwasser und fossile Ressourcen zur Verfügung, die wir ohne Entgelt, jedoch nicht ohne Folgen, nutzen können. Und so haben es sich manche Firmen zum Geschäft gemacht, aus diesen „kostenlosen“ Ressourcen Profit zu schlagen. Doch hinter dem Abbau von nicht-erneuerbaren Ressourcen wie Metallen, Kohle oder Öl stehen „versteckte Kosten“ – die Verschmutzung von Luft und Wasser oder die Zerstörung von Lebensräumen -, die nicht sogleich beglichen werden müssen, aber letztendlich auf uns zurückfallen.

„Es sieht so aus, als stünden die weltgrössten Ölfirmen im Krieg gegen unsere Planeten – und sie scheinen zu gewinnen“, beschreibt Bill McKibben, Klimaaktivist und Verfasser des Vorwortes von „Industrial Scars“, seinen persönlichen Eindruck vom Abbau des Ölsands in Fort McMurray (Kanada).

Die „versteckten Kosten“ aufdecken

Der Fotograf und Umweltschützer Henry J Fair hat es sich zum Ziel gesetzt, diese „versteckten Kosten“ aufzudecken und wie eine „Überwachungskamera die grössten Verbrechen gegen unsere Natur“ auf Bild festzuhalten. Und so ist unter Mitwirkung des Papadakis Verlag ein Werk mit zahlreichen Aufnahmen entstanden, das dem Betrachter die weitreichenden Folgen der Grossindustrien vor Augen führt. Und in fast allen Fällen reicht erst ein Blick aus schwindelerregenden Höhen aus, um die weitreichenden Ausmasse verdeutlichen zu können.

Wir dürfen Ihnen hier eine Auswahl der imposanten Bilder präsentieren:

Energie, Rohstoffe und Landwirtschaft im Fokus

Das Buch ist in drei Abschnitte aufgeteilt: Im ersten Abschnitt „Energie“ wird die Förderung von Kohle und Öl, im Speziellen auch das Fracking, thematisiert; im zweiten Teil wird der Abbau von Aluminium, Kupfer und Stahl dokumentiert; und zuletzt werden die Auswirkungen der Landwirtschaft, vor allem aufgrund der Düngerproduktion, illustriert. Jeder Abschnitt des Buches enthält eine Einführung, die die jeweiligen Förder- oder Herstellungsmethoden erläutert und relevante Fakten zu den Umwelt-Auswirkungen nennt. Beispiele von vergangenen Umweltkatastrophen veranschaulichen zudem das gefährliche Potenzial der jeweiligen Industriezweige.

Der Schein trügt

Beim schnellen Durchblättern könnte man beinahe annehmen, dass man hier lediglich ein künstlerisches Bilderwerk in den Händen hält. Fair hat mit Absicht versucht, jeder Foto etwas Ästhetisches abzuverlangen. Und so kommt es, dass einem oft erst beim genaueren Betrachten des Bildes dessen Dimensionen und ökologischen Auswirkungen bewusst werden. So bildet der Rotschlamm, ein Abfallprodukt bei der Aluminiumgewinnung, zusammen mit der angrenzenden Vegetation ein farbenreiches Kunstwerk. Doch der ästhetisch anmassende Rotschlamm trägt zahlreiche toxische Stoffe in sich, die für die umliegende Flora und Fauna tödlich sind.

Ähnlich scheinen die Ölsandfelder auf den ersten Blick einen geringen Einfluss auf das Landschaftsbild zu haben. Doch findet man erst den winzig erscheinenden roten Seilbagger – der in Wirklichkeit mehrere Meter in die Höhe ragt – wird man sich der wirklichen Grössenordnung bewusst.

Kein leichtes Unterfangen

Man kann sich vorstellen, dass die Betreiber der in Szene gesetzten Industriegebiete sich kaum an den „schönen“ Bildern erfreuen. Und so ist es für Fair auch nicht immer ein leichtes Unterfangen seine Bilder zu schiessen. Bereits mehrere Male wurden ihm die Polizei oder gar das FBI auf den Hals gehetzt. Trotz solcher brenzliger Situationen sieht Fair die polizeilichen Begegnungen gelassen und bemerkt:

„Aber schlussendlich habe ich – abgesehen davon, dass ich die giftigen Stoffe dieser Orte inhaliere – nicht das Gefühl mich in wahre Gefahr zu begeben.“

Der Aufwand hat sich aber auf alle Fälle gelohnt. Das Werk vermag den Leser zum Nachdenken anzuregen und ist hoffentlich Anstoss für eine Änderung im Konsumverhalten – wie es auch die Absicht Fair’s ist. Sein nächstes Projekt steckt bereits in der Pipeline: Dieses Mal möchte er den Anstieg der Meere mit seinem Fotoapparat festhalten. Wir können also gespannt sein!

Zum Buch wurde ausserdem ein anschaulicher Trailer gedreht:

Weitere Informationen zum Buch finden Sie auf der offiziellen Websites des Verlegers Papadakis oder des Autors Henry J Fair.