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Bio ist nicht gleich Bio

  • Judith Schärer

Knospe, Demeter,  Naturaplan und wie sie alle heissen: Das Geschäft mit Bio-Produkten boomt und die Labelflut in den Nahrungsmittel-Regalen der Supermärkte nimmt ständig zu. Anstatt Klarheit zu verschaffen, führen die Markierungen jedoch oft zu Unsicherheit und Verwirrung. Wir bringen etwas Licht in den Bio-Labeldschungel.

Biobauern existieren weltweit, diese bewirtschaften ihr Land alle nach denselben Grundsätzen wie z.B. schonender Umgang mit Ressourcen, minimale Belastung von Boden, Luft und Wasser, Förderung der Biodiversität, artgerechte Tierhaltung, Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sowie gentechnisch veränderter Organismen etc. Diese grundsätzlichen Richtlinien werden in der Schweiz durch die Bio-Verordnung des Bundes gesetzlich geregelt. In unseren Läden gibt es zusätzlich Produkte, welche nach privatrechtlichen Standards wie beispielsweise Bio Suisse oder Demeter produziert werden. Dadurch ergibt sich eine Vielfalt an Labels und Kennzeichen. Für eine Übersicht werden hier die häufigsten davon kurz vorgestellt:

Knospe Bio Suisse

Das Knospe-Label steht für eine umfassend nachhaltige Produktion und schonende Verarbeitung. Sowohl iBildschirmfoto 2015-10-13 um 12.19.27n der Landwirtschaft wie auch in der Verarbeitung gelten höhere Anforderungen. Von den 6300 Biobetrieben in der Schweiz arbeiten 5880 nach den strengeren Richtlinien von Bio Suisse. Mindestens 90% der Rohstoffe müssen dabei aus der Schweiz stammen.
Die wichtigsten Unterschiede von Bio Suisse zur Schweizer Bioverordnung:

  • strengere Anforderungen bei Fruchtfolge, Düngung und Pflanzenschutz
  • Regelung zur Energieeffizienz der Gewächshäuser
  • Massnahmenkatalog zur Förderung der Biodiversität
  • Wiederkäuer erhalten mind. 90 % Rauhfutter (Bio­Verordnung 60%)
  • Alle Tiere erhalten mindestens 90 % Knospe­Futter
  • Richtlinien zu sozialen Anforderungen wie z.B. Sicherung von Gesundheit und Sicherheit der MitarbeiterInnen auf dem Betrieb, Vergütung von Überstunden etc.
  • Codex für faire Handelsbeziehungen

Knospe Bio

Bildschirmfoto 2015-10-16 um 10.57.48Gütesiegel der Bio-Suisse für Lebensmittel aus biologischer Landwirtschaft mit mehr als 10% Importanteil.
Für die importierten Bio Suisse Produkte gelten die Grundsätze:

  • Zusätzliche Richtlinien für nachhaltige Wassernutzung
  • Keine Rodung von Urwald
  • Einschränkungen von Import (z.B. kein Import von Frischprodukten aus Übersee)
  • Landwirtschaftliche Zutaten wenn möglich zu 100 % in Bio­Knospe­Qualität
  • Keine Flugtransporte
  • Weniger Zusatzstoffe (34 statt 47)
  • Ausschluss von Zusatzstoffen zum Zweck der Färbung und Aromatisierung
  • Vorschriften für das jeweils schonendste Verarbeitungsverfahren, keine unnötigen Verarbeitungsschritte (minimal processing)

Demeter

Demeter_LogoDemeter steht für biologisch-dynamische produzierte Lebensmittel und richtet sich nach antroposophischen Grundsätzen. So wird beispielsweise Wert gelegt auf irdische und kosmische Rhythmen. Es gelten die EG-Öko-Verordnung sowie die Richtlinien der BIO-Suisse. Es werden in allen Bewertungsbereichen überdurchschnittliche Resultate erzielt.

EU-Bio-Logo

Das sechseckige Bio-Siegel ist das staatliche deutsche Zeichen für biologische Lebensmittel, die nach der Bioverordnung der EU produziert wurden. Die EU-Bildschirmfoto 2015-10-15 um 15.04.02Bioverordnung schneidet schlechter ab als andere Bio-Labels, da sie in den Bereichen Bewässerung, Biodiversität, Klima und Soziales nur wenige oder gar keine Anforderungen stellt. Grosser Unterschied zwischen der EU-Bio-Verordnung und der CH-Bio-Verordnung ist auch die sektorielle bzw. die gesamtbetriebliche Produktion. In der EU ist sektorielle Bio-Produktion erlaubt, in der Schweiz hingegen nicht. Hier muss ein Hof also in jedem einzelnen Teil des Betriebes biologisch produzieren.

Bio-Siegel

Das Bio-Siegel kann in Deutschland zusätzlich zum EU-Bio-Logo verwendet werden. Es richtet sich nach denselben Kriterien wie die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau.

Naturaplan

Bildschirmfoto 2015-10-15 um 16.23.11

Coop bezeichnet die Bio-Produkte mit dem Label „Naturaplan“. Diese unterliegen den Richtlinien von Bio Suisse und werden konsequent danach überprüft. Nahezu alle Bioprodukte (auch Importe) sind nach dem Standard der Knospe-Richtlinien hergestellt. Weiter ist „Naturaplan“ in der Herkunft der Produkte sehr transparent.

Migros Bio

Bildschirmfoto 2015-10-15 um 16.23.21Migros Bio-Produkte aus dem Inland erfüllen die Richtlinien der Bio Suisse, für Importe stützt sich Migros auf die weniger strengen Anforderungen der EU-Bioverordnung mit Zusatzauflagen wie einem Verbot von Flugtransporten. Die Migros stellt weitere Zusatzanforderungen in den Bereichen Soziales, Verpackungen, Rückstandskontrollen etc. Bioprodukte aus dem Süden sind in der Regel zusätzlich Max Havelaar zertifiziert.

Bio Weide-Beef

MarkeBioWBDas Label der Migros bezieht sich lediglich auf das Fleischangebot und beinhaltet folgende Kriterien:

 

 

  • Der Betrieb muss mit dem Knospe Bio Suisse ausgezeichnet sein (Kriterien siehe Knospe Bio Suisse)
  • Die Rinder haben das ganze Jahr permanent Auslaufmöglichkeit und sind im Sommer täglich mindestens 8 Stunden auf der Weide
  • Die Tiere werden nach den Anforderungen von BTS (besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme) und RAUS (regelmässiger Auslauf im Freien) gehalten.
  • Die Tiere werden überwiegend mit Bio-Raufutter gefüttert. Zusätzliches Kraftfutter muss zu 100% aus biologischer Produktion stammen
  • Die von der Bio Suisse vorgeschlagenen Massnahmen zur Förderung der Biodiversität werden umgesetzt (siehe Links).
  • Es werden nur Tiere in das Programm aufgenommen, die mindestens zu 50% zu einer Mastrasse gehören und nicht älter als 27 Monate sind
  • Alpwirtschaft wird empfohlen

Als Entscheidungsgrundlage für den Kauf von Bio-Produkten gibt es verschiedene nützliche Helfer:

Die Stiftung Praktischer Umweltschutz (PUSCH) bietet eine genaue Beschreibung aller Schweizer Labels (Bio und auch konventionell) inklusive Bewertung. Hier geht es zu der Webseite labelinfo.ch >>

Auch sehr nützlich ist der Labelratgeber inklusive Bewertung des WWF, welchen Sie hier studieren können >>