Spuren von Hirsch und Wolf © Fabien Bruggmann
Spuren von Hirsch und Wolf © Fabien Bruggmann

Ausstellung «Wolf – Wieder unter uns»

  • Julia Hatzl

Der Wolf polarisiert, früher wie jetzt. Für die einen ist er ein blutrünstiges Wesen, für die anderen ein schützenswertes Wildtier. Fakt ist: Für die meisten Bewohnerinnen und Bewohner unseres Landes bleibt er unsichtbar. Die neue Sonderausstellung «Wolf – Wieder unter uns» im Zoologischen Museum der UZH gibt jedem die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild vom Wolf zu machen.

Der Wolf ist zurück in der Schweiz und weckt viele Assoziationen – positive wie negative. Die neue Ausstellung «Wolf – Wieder unter uns» im Zoologischen Museum der UZH liefert ein detailliertes Portrait dieses Wildtiers. Sie widmet sich der Rückkehr der Wölfe und thematisiert historische Fakten genauso wie aktuelle Probleme. Vier künstlerisch gestaltete Dioramen führen Besucherinnen und Besucher in die Geschichte des Wolfs, seine Wiederkehr und Biologie sowie in sein Verhältnis mit uns Menschen ein. Die vom Naturhistorischen Museum Freiburg konzipierte Ausstellung richtet sich an Kinder, Erwachsene und Experten. Anhand von zahlreichen Interaktionen kann das Publikum das Thema Wolf auch tastend, schnüffelnd und experimentierend ergründen.

Blick in die Ausstellung © Zoologisches Museum der UZH
Blick in die Ausstellung © Zoologisches Museum der UZH

Letzter Urner Wolf

Mit dem Aufkommen der Viehzucht und den Übergriffen des Wolfs auf die Herden spitzte sich im 17. Jahrhundert das Verhältnis zwischen Mensch und Wolf zu. Der Wolf wurde als boshaftes, unersättliches und abscheuliches Wesen wahrgenommen. «Seinen schlechten Ruf hat er teilweise bis heute beibehalten», sagt Museumsleiterin Isabel Klusman. Die Ausstellung zeigt, wie man den Wolf seit dem Mittelalter mit ausgeklügelten Fallen, Gift oder mittels Treibjagd dezimiert hat. Dies führte bereits gegen Ende des 17. Jahrhunderts zu seinem Verschwinden aus weiten Teilen der Schweiz. 1684 wurde der letzte Zürcher Wolf geschossen. Museumsgängerinnen und -gänger entdecken den letzten Urner Wolf aus dem Jahre 1853. Bis weit ins 19. Jahrhundert organisierten Gemeinden grosse Treibjagden. Es waren bedeutende Anlässe, die mit einem Volksfest endeten und von den Gemeinden finanziert wurden. Seit 20 Jahren kommt er wieder langsam in die Schweiz zurück

Beinahe überall zu Hause

Dass der Wolf in die Schweiz zurückkehren konnte, hat auch mit seiner hohen Lernfähigkeit zu tun. Er findet sich schnell in einer neuen Umwelt zurecht und kann in fast jedem Habitat sein Territorium etablieren – Berge, Flachland, Wald oder besiedeltes Gebiet. Dank seiner belastbaren und leistungsfähigen Physis ist er ein vorzüglicher Jäger und legt beträchtliche Distanzen zurück, täglich durchschnittlich 25 Kilometer. Besucherinnen und Besucher können etwa den Weg von Wolf «Slavc» zurückverfolgen.

Wolf, Abruzzen © Fabien Bruggmann
Wolf, Abruzzen © Fabien Bruggmann

Mit einem GPS-Tracker ausgerüstet, überwand er während seiner 2’000 Kilometer langen Reise mehrere Autobahnen, einen Flughafen, einen 2’600 Meter hohen Pass sowie einen 200 Meter breiten Fluss.

Wieviel Raum gestehe ich dem Wolf zu?

Das persönliche Bild vom Wolf ist das Ergebnis von Darstellungen und Geschichten, die wir seit unserer Kindheit immer wieder gesehen und gehört haben. In jedem Ausstellungsbereich können die Besuchenden ihr je eigenes Bild kritisch hinterfragen. Zwei Installationen fordern sie auf, die Frage «Ist der Wolf ein Problem?» zu beantworten. «Am Ende entscheidet das Publikum, ob der Wolf in der Schweiz Platz zum Überleben hat», resümiert Isabel Klusman. Eine kürzlich von Forschenden des Instituts für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften der UZH durchgeführte Umfrage ergab: Ein Drittel der Schweizer Landesfläche, rund 13’800 km², eignet sich für den Wolf als Lebensraum, geduldet würde er jedoch nur auf rund 2’500 km².

Wölfe, Abruzzen © Fabien Bruggmann
Wölfe, Abruzzen © Fabien Bruggmann

Ausstellung «Wolf – Wieder unter uns»

12. Dezember 2017 bis 10. Juni 2018

Zoologisches Museum der Universität Zürich, Karl-Schmid-Strasse 4, 8006 Zürich

Öffnungszeiten: Di. bis Fr. 9–17 Uhr, Sa. und So. 10–17 Uhr

Sprache: Deutsch, Französisch, Englisch

Eintritt frei