Zwei weitere Wolf-Abschüsse

  • Barbara Darani
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In dieser Woche wurden gleich drei Wölfe zum Abschuss freigegeben. Der Wolfsbestand in der Schweiz beträgt aber aktuell nur sieben bis zehn Tiere. Der Abschuss von drei Wölfen würde also die Vernichtung von über einem Drittel des Bestandes bedeuten. Beim Wolf handelt es sich um eine national wie auch international geschützte Art, die sich in der Schweiz noch nicht einmal selbst reproduziert. Die Wölfe haben in den vergangenen Wochen Dutzende von Schafen gerissen.

Der WWF Schweiz ist entsetzt. „Die Schweiz ist sowieso schon Europameister, wenn es um die Abschussrate von Wölfen geht,“ sagt Kurt Eichenberger vom WWF Schweiz. „Und das bei einem streng geschützten Tier und einem wirksamen Herdenschutz, der sogar im Ausland gerühmt wird!“ Was geht also schief? „Mit den derzeitigen Bestimmungen des Wolfskonzeptes und der heutigen Schafhaltung ist es nicht möglich, dem gesetzlichen Schutz des Wolfes nachzukommen,“ sagt Eichenberger. Werden die Kantone im Herdenschutz nicht aktiv, bevor der Wolf anwesend ist, versagt das ansonsten gute Wolfskonzept, wie diese Woche in Luzern. Im Wallis ist mit Sicherheit ein Wolf Opfer der 1. August-Aktivitäten geworden, da Schafe erschreckt aus der Umzäunung ausbrachen. Dafür muss jetzt der Wolf zahlen. Der WWF prüft in der kommenden Zeit die Fakten und wird daraufhin über allfällige Rekurse entscheiden. Ebenfalls sucht er das Gespräch mit den betroffenen Bundesstellen, um die Mängel in Konzepten und Schafhaltung zu besprechen.

Auch die Gruppe Wolf Schweiz (GWS) findet die Tötung der drei Wölfe völlig inakzeptabel. Sie zweifelt daran, ob sich die drei Abschussbewilligungen mit dem Wolfskonzept vereinbaren lässt, da die betroffenen Schafe zum Zeitpunkt der Attacke kaum als geschützt betrachtet werden können. Dies ist aber eine Vorraussetzung, um die Risse überhaupt für eine Abschussbewilligung zählen zu können. Die Abschussbewilligung muss deshalb ausser Kraft gesetzt werden. Die GWS fordert zudem eine Revision des Konzepts. Solange dieses den Schutz des Wolfs nicht sicherstellt, wird die GWS gegen weitere Wolfsabschüsse protestieren. Ein konsequenter Herdenschutz in allen Wolfsgebieten ist die wichtigste Voraussetzung für die Koexistenz von Wolf und Nutztierhalten.

Ebenfalls entsetzt ist Pro Natura. «Die Abschussbewilligungen der laufenden Woche lassen das Wolfkonzept zu einer Farce verkommen. Das Wolfkonzept ist in dieser Form eine Alibi-Übung, um eine offenbar unliebsame Tierart mit einem juristischen Deckmäntelchen zu dezimieren», sagt Mirjam Ballmer, Projektleiterin Naturschutzpolitik bei Pro Natura. «Wenn knapp die Hälfte der in der Schweiz nachgewiesenen und vom Gesetz geschützten Wölfe mit Legitimation durch das Schutzkonzept für den Wolf legal getötet werden darf, dann ist das Schutzkonzept unglaubwürdig.»

WWF-Medienmitteilung
WWF-Medienmitteilung vom 5. August
GWS-Medienmitteilung
Medienmitteilung Pro Natura
Medienmitteilung lid.ch

2 Kommentare

  • Wampfler Hans

    Ich konsumiere schon lange aus Protest kein Schafsfleisch mehr. Sollten eigentlich alle machen,dann wäre es mit dem Wolf in der egoistischen Schweiz besser bestellt.Nur so kann mann die Behörden und Schafhalter dazu zwingen sich mehr um den Schutz der Schafe und auch des Wolfes zu kümmern.

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  • Bettina Klinke

    In Deutschland werden mittlerweile mobile oder feste Elektrozäune eingesetzt. In der Oberlausitz hat sich eine Kombination aus Euronetzen und Breitbandlitze (Flatterband)bewährt.Die Litze wird ca: 30 cm über dem Netz gespannt und steht selbst nicht unter Spannung, sondern bietet einen zusätzlichen optischen Barriereeffekt. Diese Kombination hat sich bisher als sehr wirksam erwiesen.Allerdings müssen die Zäune täglich kontrolliert werden, weil im Wolfsgebiet können defekte Euronetze verheerende Folgen haben.Ich empfinde es als sehr traurig, jetzt machen Menschen schon wieder die gleichen Fehler wie früher und töten erneut die Wölfe. Ich hatte immer gedacht, die Schweizer seien besser wie die Deutschen!Außerdem ist die Haltung von Herdenschutzhunden auch sehr wirksam in der Lausitz.Ich dachte erst immer, dass in der Schweiz auch diese Zäune und Herdenschutzhunde eingesetzt werden, aber wie es sich so anhört, scheint dies nicht überall der Fall zu sein. Warum wird es nicht Pflicht, dass jeder Schäfer diese Zäune aufstellen muss? Aber stattdessen man tötet einfach wieder die Wölfe! (Das sind wieder Menschen, na, klar wie immer!)

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