Wenn es blüht und spriesst sollten auch die Zugvögel in den Brutgebieten eintreffen, doch manche verpassen den Frühlingsbeginn. | © Pavlina Jane [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Wenn es blüht und spriesst sollten auch die Zugvögel in den Brutgebieten eintreffen, doch manche verpassen den Frühlingsbeginn. | © Pavlina Jane [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Zugvögel hinken dem Frühlingsbeginn hinterher

  • Mélanie Guillebeau
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Der voranschreitende Klimawandel zieht ein verfrühtes Spriessen der Vegetation im Frühling mit sich. In der Folge verschiebt sich auch die Spitze im Nahrungsangebot der Vögel. Wie eine kürzlich veröffentlichte Studie belegt, vermögen nicht alle Zugvögel ihren „Migrationsplan“ den vegetativen Änderungen anzupassen – sie hinken dem Frühlingsbeginn und Nahrungsangebot hinterher.

Das Fortschreiten des Klimawandels ist eng verknüpft mit dem globalen Anstieg der Temperaturen. Bedenkt man, dass in der Natur zahlreiche Prozesse durch Temperaturveränderungen ausgelöst oder angetrieben werden, ist es nicht verwunderlich, dass sich das Timing dieser Vorgänge verändert. Zu diesen betroffenen Prozessen gehört auch das alljährliche Spriessen der Vegetation im Frühling.

Basis der Ernährungskette gibt den Ton an

Wie eine Studie der Universität in Florida zeigt, geht die „Ergrünung“ der Hügel und Täler mit jedem Jahr und Grad früher vonstatten. Da Pflanzen die Basis der Nahrungskette darstellen, werden die nachfolgenden Glieder – welche beinahe das gesamte Ökosystem umfassen -, quasi genötigt dieser Veränderung Folge zu leisten. Und so kommt es, dass sich auch die Spitzen der Insektenpopulationen entsprechend der früheren Frühlingsblüte nach vorne verschieben. Auf dieses hohe Angebot an Insekten sind Vögel während der Brutzeit zur Versorgung der Jungen stark angewiesen.

Auch die Raupen der einheimischen Schwalbenschwänze sind schön anzusehen. | © gbohne [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Raupen (hier eines Schwalbenschwanzes), Käfer und Schmetterlinge sind insbesondere für die Versorgung der Vogel-Nestlinge essenziell. Und mit dem früheren „Ergrünen“ der Landschaften ereignet sich auch die Spitze des Insektenbestandes eher. | © gbohne [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Wer zu spät kommt, dem fehlt es an Nahrung

Viele Vertreter aus der Klasse der Vögel zeichnen sich durch das Pendeln zwischen Brut- und Überwinterungsstätte aus – eine Anpassung an das schwankende Nahrungsangebot im Laufe des Jahres. Man könnte folglich annehmen, dass Vögel von Haus aus gut mit Veränderungen in der Umwelt umgehen können und dementsprechend die Anpassung an den verfrühten Frühlingsbeginn ein Leichtes ist. Ein früheres Losziehen aus dem Winterquartier würde die Diskrepanz beseitigen. Doch der Beginn des Vogelzugs wird durch Änderungen in der Tageslänge ausgelöst, welche vom Klimawandel unbeeinflusst bleiben und von Jahr zu Jahr konstant sind. In der Folge laufen Zugvögel Gefahr, den Frühlingsbeginn in den Brutgebieten zu „verpassen“ und bei ihrer verspäteten Ankunft ein vermindertes Nahrungs- und Nestangebot vorzufinden.

„Wenn sich jemand an den Klimawandel anpassen kann, dann Vögel, die Tausende Meilen ziehen – würde man denken. Für sie ist es viel einfacher, als zum Beispiel für Salamander oder Bäume, entsprechend der klimatischen Bedingungen den Standort zu wechseln. Doch da jede Art mit anderen in Wechselwirkung steht, befürchten wir, dass der Klimawandel diese Beziehungen zwischen Organismen stören kann – in solch einem Ausmass, dass die kritischen Lebensereignisse zeitlich nicht mehr optimal aufeinander abgestimmt sind, wodurch sie gefährdet werden“, erläutert Stephen Mayor, Post-Doc und Studienleiter von der Universität in Florida.

Jedes Jahr einen halben Tag eher im Brutgebiet

Dass dies durchaus zutrifft, wurde in einer kürzlich veröffentlichten Studie unter Federführung des Wissenschaftlers Stephen Mayor bestätigt. Im Zuge der Studie wurde das Eintreffen im Brutgebiet von 48 amerikanischen Zugvogelarten über den Zeitraum von 12 Jahren beobachtet und mit dem Einsetzen des Frühlingsbeginns verglichen. Die gute Nachricht vorweg: Ein Grossteil der untersuchten Vogelarten vermochte sich, an den vorgezogenen Frühling anzupassen. Sie sind im Durchschnitt mit jedem Jahr einen halben Tag früher – ähnlich zum Voranschreiten der Frühlingsblüte – im Brutgebiet angekommen.

Jede fünfte Art „verschläft“ Frühlingsbeginn

Doch leider konnten nicht alle Vögel mit dem Voranschreiten des Vegetationsausbruchs mithalten: Bei rund jeder fünften Vogelart (9 aus 48) hat man eine Verschiebung zwischen dem Spriessen der Vegetation und dem Ankommen im Brutgebiet festgestellt. Beunruhigend ist vor allem der kurze Zeithorizont von nur 12 Jahren, in welchem sich diese Verschiebung vollzogen hat. Da man erwartet, dass sich die Klimaerwärmung intensiviert, wird man folglich mit grösseren Verspätungen der Vögel im Frühling rechnen müssen.

Und diese Vogelarten haben gemäss der Studie den Frühlingsbeginn in den Brutgebieten verpasst:

Es bleibt zu hoffen, dass die Vögel es schaffen, mitzuhalten und ihre Verhaltensweisen wenn nötig anzupassen. Und dies scheint durchaus möglich zu sein, wie Beobachtungen aus Grossbritannien zeigen: Dort haben die Vögel die Eiablage vorgezogen und bringen somit ihren Zeitplan in Einklang mit dem verfrühten Beginn der Frühlingsblüte.

Die Studie Increasing phenological asynchrony between spring green-up and arrival of migratory birds von Mayor et al. wurde bei Scientific Reports veröffentlicht.

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