Jungtier mit Sender, Foto: © Zoo Zürich, Samuel Furrer
Jungtier mit Sender, Foto: © Zoo Zürich, Samuel Furrer

Zugverhalten von Weissstörchen kann nun online verfolgt werden

  • Nicole Wabersky
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Am 20. Juni 2014 wurden im Zoo Zürich die zwei Jungstörche OSUNA und ORBIEUX mit einem GPS-Datenlogger versehen.

Seit heute sind die Bewegungen der beiden Weissstörche im Internet metergenau zu verfolgen. OSUNA hat ihren Namen von einer Stadt in Spanien, ORBIEUX von einem Fluss in Südfrankreich. Die Stadt und der Fluss liegen auf der Zugroute der Störche. OBIEUX macht bereits erste Erkundungsflüge in die Nahe Umgebung, OSUNA hingegen verbleibt vorerst noch auf ihrem Nest.

Der Zoo Zürich ist Teil des Projekts «SOS Storch – Storchenzug im Wandel» der Gesellschaft Storch Schweiz. Ziel ist es, zu verstehen, wie sich das Zugverhalten der Störche verändert.

Im Spätsommer, bevor das Futterangebot knapp zu werden droht, löst die «innere Uhr» den Zugtrieb der Störche aus. Sie sind hervorragende Segelflieger und nutzen auf ihrer Reise die thermischen Aufwinde, die sich über den Landflächen bilden.

Vertreter der westlichen Population, zu der auch die Schweizer Störche gehören, überquerten bislang meistens die Meerenge bei Gibraltar und überwinterten in der westlichen Sahelzone. Auf dem afrikanischen Kontinent folgten die Storchenschwärme dem Futterangebot, hauptsächlich Wanderheuschrecken und Falterraupen.

Dieses «typische» Zugverhalten scheint sich aber zu verändern. Heute überquert nur noch jeder dritte bis vierte Jungstorch das Mittelmeer bei Gibraltar. Die meisten Störche überwintern im Süden Spaniens. Die Vögel halten sich dort vor allem auf den grossen, gut zugänglichen Mülldeponien auf.

Die Gründe für dieses veränderte Zugverhalten sind laut Mitteilung nicht bekannt. Vielleicht ist es die Klimaerwärmung, vielleicht spielen die «neuen» Gene der wiederangesiedelten Vögel eine Rolle, vielleicht sind die Störche auch einfach nur pragmatisch und nutzen die ergiebigen Nahrungsangebote.

Hier soll das Projekt «SOS Storch – Storchenzug im Wandel» klärende Hinweise liefern. Mittels besenderten Störchen (Satellitensender und GPS-Datenlogger) werden Daten zu den individuellen Wanderrouten gesammelt und können dann verglichen werden.

Die offenen Mülldeponien sollen übrigens aus hygienischen Gründen zukünftig geschlossen werden. Auf die Reaktion der Störche darf man gespannt sein.

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