Markanter Rückgang der Igelpopulation in Zürich. © Fabio Bontadina / swild.ch
Markanter Rückgang der Igelpopulation in Zürich. © Fabio Bontadina / swild.ch

Zürichs stachelige Freunde verschwinden

  • Julia Hatzl
  • 1

Immer weniger Igel in Schweizer Städten? Noch in den 1990er Jahren galt der kleine Kulturfolger als weit verbreitet. Resultate eines laufenden Forschungsprojekts in der Stadt Zürich zeigen einen Arealverlust von mehr als einem Drittel innerhalb der letzten 25 Jahre.

Wie steht es um die Igel in unseren Siedlungsräumen? Dieser Frage stellten sich die Biologinnen und Biologen der Meldeplattform stadtwildtiere.ch in ihren Projekten «Igel gesucht» und «Aktion StadtIgel». Die Bevölkerung wurde aufgerufen, Igelbeobachtungen zu melden. Ausserdem kamen wildtierbiologische Methoden mit Spurentunnel und tatkräftiger Unterstützung von Freiwilligen zum Einsatz, mit welchen die Verbreitung der Igel in Zürich untersucht wurde.

Markierung der Igel im Rahmen der Fang-Wiederfang Aktion. © Lucas Mohn / stadtwildtiere.ch
Markierung der Igel im Rahmen der Fang-Wiederfang Aktion. © Lucas Mohn / stadtwildtiere.ch

Die Ergebnisse sind besorgniserregend: Der Verein Stadtnatur berichtet in einer Mitteilung, dass die Verbreitung der Igel stark abgenommen hat. Der Trend, der in Zürich zu spüren ist, kann auch in England beobachtet werden. Die Gründe für den Rückgang sind noch nicht vollends geklärt.

Weniger Igel in Zürich

Die Resultate des Igelprojekts zeigen, dass die Igeldichte zwischen den Stadtgebieten stark variiert und dass die Verbreitungskarte besorgniserregende Lücken aufweist. Der Vergleich des Igelvorkommens der 1990er Jahre in Zürich mit den aktuellen Untersuchungen zeigt einen Arealverlust der Igelpopulation von 39 %, also mehr als einem Drittel.
Noch liegen die Gründe für den Rückgang im Dunkeln. Macht den Igeln die immer dichter werdende Stadt zu schaffen, sterile Gärten oder der zunehmende Verkehr? Oder spielt der Einsatz von Pestiziden in den Grünräumen eine Rolle?

Das Projekt StadtWildTiere wird die Gründe für die Verbreitungslücken weiter untersuchen und ruft dazu auf, Beobachtungen von Igeln und anderen Wildtieren auf der Meldeplattform stadtwildtiere.ch zu melden.

Aktion Asthaufen & Co.: Für Igel und andere Wildtiere

Auch wenn die genauen Ursachen für den Populationsrückgang der Igel noch nicht bekannt sind, können wir bereits heute damit beginnen, Igel in den Grünräumen unserer Wohnquartiere zu fördern und damit auch andere Wildtiere zu unterstützen. So haben 2017 im Rahmen der „Aktion Asthaufen & Co.“ in Zürich Anwohner/innen und Schulklassen Asthaufen für Igel und andere Kleintiere gebaut. Diese Asthaufen wurden mit einer Infotafel versehen, um Passanten auf ihren ökologischen Wert hinzuweisen.

Asthaufen markiert mit einer Infotafel. © stadtwildtiere.ch
Asthaufen markiert mit einer Infotafel. © stadtwildtiere.ch

Meldeplattform stadtwildtiere.ch

Die Meldeplattform stadtwildtiere.ch wurde vom Verein StadtNatur entwickelt. In der Schweiz beteiligen sich bisher die Städte Bern, St.Gallen, Winterthur und Zürich am Citizen Science-Projekt, in Österreich ist Wien und in Deutschland Berlin beteiligt. Weitere Städte werden in Zukunft dazustossen. In Zürich wird das Projekt vom Verein StadtNatur Zürich durchgeführt und vom Zürcher Tierschutz, Grün Stadt Zürich und Vergabestiftungen unterstützt.

1 Kommentar

  • Susanne Gehri

    Ich denke, es ist alles von dem. Sterile, mit Steinplatten und kurzgeschorenem Rasen, sterile Lorbeerhecken herausgeputzte „Gärten“ sowie die omnipräsent auftretenden Mähroboter und auch Laubbläser dürften unseren stachligen Freunden so langsam aber sicher das Ende bereiten. Hören wir doch endlich auf, unsere Gärten wie unsere Stuben zu behandeln! Und bitte, lasst doch die ganzen chemischen Mittel wie Round up etc einfach weg, unsere Natur wird es euch danken!

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