@ Baudirektion Kanton Zürich
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Zürcher Abfallwirtschaft mit Urban Mining auf Erfolgskurs

  • Kathrin Ruprecht
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Was lange achtlos entsorgt wurde, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als kostbare Ressource. Das Umdenken hat einen Namen: Urban Mining. Es ist die konsequente Fortsetzung des mittlerweile fest verankerten Recyclinggedankens. Der Kanton Zürich ist führend, wenn es darum geht, die Hinterlassenschaften unserer Konsumgesellschaft als Rohstoffquellen zu erschliessen.

Durch den Bau von Infrastrukturanlagen und die Nutzung von Konsumgütern wurde die Schweiz in den letzten 100 Jahren zu einem rohstoffreichen Land. Urban Mining ist das Zauberwort, mit dem diese Rohstoffe für die Wiederverwendung zurückgewonnen und in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden. Die Baudirektion des Kantons Zürichs berichtet.

Wachstum dank Urban Mining

Regierungsrat Markus Kägi betonte, es sei für den Kanton Zürich nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch lohnend, Stoffkreisläufe möglichst konsequent zu schliessen. Denn nur ein nachhaltiger Umgang mit Abfall machen Konsum und Wachstum auf lange Sicht und hohem Niveau überhaupt erst möglich. So werden etwa erhebliche Sachwerte zurückgewonnen und in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt, die sonst immer teurer beschafft werden müssen. Und dies zu kontinuierlich sinkenden Kosten.

Doch im sorgfältigen Umgang mit Abfall liegen noch weitere Werte verborgen. So entsteht bei seiner Verbrennung Energie, die zurückgewonnen wird und heute schon rund 5 Prozent des Strom- und des Wärmebedarfs des Kantons Zürich deckt. Diese Energie möchte der Kanton künftig noch besser nutzen. Durch die Verringerung von nicht verwertetem Abfall reduziert sich aber auch das benötigte Deponievolumen – kostbares Land steht für sinnvollere Nutzungen zur Verfügung.

Abfall ist Gold wert

Regierungsrat Kägi veranschaulichte das in der KEZO (Kehrichtverwertung Zürcher Oberland) in Hinwil, wo im Sommer 2015 bei der ZAV Recycling AG eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb geht. Sie ist darauf ausgelegt, künftig aus den Rückständen der Kehrichtverwertungsanlagen praktisch alle Metalle zu entziehen, auch kleinste Partikel. So kann sie Eisen, Aluminium, Stahl, Kupfer, Messing, Zink und sogar Edelmetalle wie Silber und Gold zurückzugewinnen. Metalle also, die heute vermehrt in elektronischen Geräten verbaut und in Zukunft in Anbetracht des weltweit steigenden Bedarfs an Wert gewinnen werden. Das Verfahren wurde in den letzten Jahren in einer Pilotanlage in Hinwil entwickelt und verfeinert und ist heute bereit für den täglichen Einsatz.

Doch nicht nur beim Metallrecycling ist der Kanton Zürich führend. In weiteren Bereichen des Urban Mining setzt er Massstäbe. Zwei Beispiele:

Klärschlamm zentral verwerten Mitte 2015 wird die Klärschlammverwertungsanlage Werdhölzli in Zürich in Betrieb genommen. In dieser Anlage wird der gesamte im Kanton Zürich anfallende Klärschlamm zentral thermisch verwertet. Mit der Realisierung der Klärschlammverwertungsanlage können die Entsorgungskosten für den entwässerten Klärschlamm um mehr als die Hälfte reduziert und die anfallende Energie in einem Gesamtsystem mit der ARA Werdhölzli optimal genutzt werden. Zudem wird mit der Aufkonzentrierung des im Klärschlamm enthaltenen Phosphors die Voraussetzung geschaffen, den Phosphor aus der Asche zurückzugewinnen, wenn dies in einigen Jahren im grosstechnischen Massstab möglich wird.

Häuser rezyklieren Durch die hohe Bautätigkeit fallen im Kanton Zürich viele Reststoffe aus dem Abbruch von Gebäuden an. Mit dem von der Baudirektion initiierten Projekt «Kies für Generationen» soll ein grosser Teil der mineralischen Rückbaustoffe wieder in die Bauwerke zurückgeführt werden. An eigenen Bauten beweist die Baudirektion, dass die neu gewonnen Baumaterialien den heutigen, hohen Ansprüchen genügen.

Weiterhin: Trennen und Sammeln – und am besten vermeiden

Bei den täglichen Abfällen bleibt das bewährte Trennen und Sammeln trotz neuer Rückgewinnungsmethoden das A und O. Denn es ist stets am sinnvollsten, Rohstoffe separat zu sammeln und wieder zu verwerten. Der Kanton Zürich strebt an, die bereits sehr hohe Sammelquote zu halten und wenn möglich noch zu steigern. Einen weiteren Schwerpunkt legt der neue Massnahmenplan beim Vermeiden von Abfall – ganz besonders jenem Abfall, der aus weggeworfenen Lebensmitteln entsteht und als «Food Waste» bekannt ist. Denn der beste Abfall ist und bleibt jener, der gar nicht entsteht.

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