Falconia, Zoo, Greifvogel

Zoobericht 2012 – positiv trotz schwarzer Schafe

  • Nora Kieselbach
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In Schweizer Zoos und Tierparks werden die Tiere mehrheitlich artgerecht gehalten und die Anforderungen der Tierschutzverordnung teilweise deutlich mehr als erfüllt; dies zeigt der Zoobericht 2012 des Schweizer Tierschutz STS. Doch es gibt auch schwarze Schafe, und deren schlechte Tierhaltung ist durch ungenügende Gesetzesbestimmungen legalisiert und geschützt, bemängelt der STS in einer Medienmitteilung.

Seit sechs Jahren dokumentiert der Schweizer Tierschutz STS den Stand der Zootierhaltung in der Schweiz: im Zoobericht 2012 (pdf) wurden insgesamt 41 Zoos und Wildparks in allen Landesregionen beurteilt:

Besonders negativ aufgefallen ist dabei der kleine Berner Tierpark Gäbelbach:hier würden Hirsche in einem kleinen, allseitig zugänglichen Gehege von freilaufenden Hunden gejagt und Waschbären in einem dreckigen Zwinger vernachlässigt. Der STS kritisiert, dass auch diese skandalösen Zustände noch gesetzeskonform seien.

Aus Sicht des STS positiv aufgefallen sind hingegen der neu gestaltete Tier- und Erlebnispark Seeteufel im bernischen Studen, die erstmals beurteilte Falconeria Locarno sowie die neue „Pantanal“-Anlage im Zoo Zürich, ein weitläufiger, naturnaher Lebensraum für die vielfältige Tierwelt südamerikanischer Feucht- und Trockengebiete.

Auffällig ist, dass in den letzten Jahren in praktisch allen Zoos und Tierparks rege gebaut und erneuert wurde – erfreulicherweise mit einer Tendenz zu grosszügigeren und tiergerechteren Anlagen. Und dies nicht nur in den grossen, finanziell gut gestellten Zoos mit mehreren Millionen Besuchern jährlich, sondern auch bei den vielen kleineren Zoos und Tierparks, die oft mit sehr viel bescheideneren finanziellen und personellen Mitteln betrieben werden. Sehr viele der neuen Gehege sind auch aus Sicht des STS vertretbar und kommen den Vorstellungen einer artgerechten Tierhaltung nahe.

Erfreulich ist auch, dass gerade die Betreiber kleinerer Institutionen nicht selten von sich aus den Tierschutz kontaktieren, wenn es gilt, grössere Umbauten oder Neuplatzierungen von Tieren vorzunehmen. So konnte der Schweizer Tierschutz STS in den letzten Jahren auch bei der Erstellung verschiedener Geheges fachlich mitreden oder bei der Tiervermittlung zwischen den Zoos und Wildparks helfen.

Grundsätzlich beurteilt der STS die Entwicklung der Zootierhaltung in der Schweiz daher positiv: mehr Platz für weniger Tiere,  gut strukturierte Anlagen und ein zunehmendes Bewusstsein für Tierschutzanliegen – trotz ungenügender Gesetzesvorgaben. Weiterhin verbesserungswürdig wären in vielen Institutionen jedoch weiterhin mehr Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere.

Weitere Informationen

Schweizer Tierschutz STS

Bild: © Schweizer Tierschutz STS

2 Kommentare

  • Stefan Bachmann

    Lieber Herr Zweigl, wir haben wegen den Wölfen beim Zoo Zürich nachgefragt. Also: Das einzige was passiert ist, war, dass das Alpha-Männchen eingeschläfert werden musste. Dies, nachdem es angegriffen wurde (Kampf um Vorherrschaft) und verletzt war. Weiter gab es ein Weibchen, das drei Junge gebar, und bei dem nun nur noch ein Junges gesehen wird. Was genau geschah, ist unklar. Inwiefern dies mit dem Zoo zu tun hat oder ob das nicht auch in der Natur passieren könnte, kann ich nicht beurteilen.

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  • Stefan Zweigl

    Interessant, dass die Wolfshaltung im Zoo Zürich als gut beurteilt wird. Jetzt ist die Mehrzahl der Wölfe des Zoos Zürich tot. Nach dem Tod des Alphatiers haben sich die Tiere gegenseitig zerfleischt. Die schwächeren Tiere konnten aufgrund der Grösse des Geheges nicht fliehen. Das Zoomanagement hat es leider erst gemerkt, als die Tiere schon tot waren. Schade, dass die Öffentlichkeit darüber nicht informiert wird. Aber die Zoos berichten halt lieber von der Geburt süsser Babies als von Tierkadavern mit herausgerissenen Gedärmen.

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