| © Peter Nijenhuis [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
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Zivilgesellschaft setzt Massstäbe für die Biodiversität

  • Julia Hatzl
  • 2

Über fünf Jahre nach der Verabschiedung seiner „Strategie Biodiversität Schweiz“ ist der Bundesrat noch immer einen Aktionsplan zu deren Umsetzung schuldig. Nun soll dieser nächstens endlich kommen. Wichtige Stakeholder aus der Zivilgesellschaft fürchten jedoch, dass er dem dringenden Handlungsbedarf nicht gerecht werden könnte – und präsentieren selber einen Aktionsplan.

Die Wissenschaft ist sich einig: Die biologische Vielfalt der Schweiz ist in einem schlechten Zustand. Sie ist in vielen Bereichen sogar weiter rückläufig. Seit der Verabschiedung der Strategie Biodiversität Schweiz (SBS) durch den Bundesrat im Jahr 2012 warten die Umweltverbände sowie die Bevölkerung vergeblich auf einen griffigen Aktionsplan, um die Ziele der SBS umzusetzen (naturschutz.ch berichtete). Wie BirdLife Schweiz, Pro Natura, WWF Schweiz in einer gemeinsamen Medienmitteilung berichten, haben sie sich mit Verbänden der Zivilgesellschaft zusammengeschlossen und einen „Aktionsplan Biodiversität aus Sicht der Zivilgesellschaft“ erarbeitet.

Massnahmen für die Natur

Der ausgearbeitete „Aktionsplan Biodiversität aus Sicht der Zivilgesellschaft“ umfasst 26 Massnahmen, durch deren Umsetzung 90 Prozent der vom Bundesrat gesetzen Ziele der SBS ermöglicht werden sollen.

Als eine erforderliche Massnahme sieht der Aktionsplan der Zivilgesellschaft die Förderung der Biodiversität im Siedlungsraum. Der Siedlungsraum besteht aus einem Mosaik aus unterschiedlichen Lebensräumen. Durch seinen Strukturreichtum kann er wertvolle Lebensraumflächen und Korridore für Arten bieten, sofern er naturnah gestaltet und bewirtschaftet wird. Solch eine Gestaltung soll lanciert werden, damit mehr Grünflächen entstehen, die einen hohen ökologischen Wert haben. Natur im Siedlungsraum fördert nicht nur die biologische Vielfalt in Städten, sondern wirkt sich positiv auf das Mikroklima der Stadt, die Gesundheit und das Wohlbefinden von Menschen aus.

Als weitere Massnahme führt der Aktionsplan den Erhalt und die Förderung der Biodiversität im Boden an. Bodenorganismen sind essentiell für den Um- und Abbau von organischem Material, stellen Nährstoffe bereit, halten das Grundwasser sauber und sind für die Bodenstabilität mitverantwortlich. Die Bodenflora und -fauna ist untrennbar mit allen oberirdisch lebenden Organismen verbunden. Die ökologischen Funktionen des Bodens müssen erhalten oder wenn nötig wiederhergestellt werden, um gesunde Ökosysteme zu erhalten. Wie im Aktionsplan zu lesen, dient diese Massnahme der Erreichung des folgenden Ziels des Bundesrats aus der SBS:

«Die Nutzung von natürlichen Ressourcen und Eingriffe in diese erfolgen bis 2020 nachhaltig, sodass die Erhaltung der Ökosysteme und ihrer Leistungen sowie der Arten und der genetischen Vielfalt sichergestellt ist.»

Die Messlatte ist gesetzt

Die Zivilgesellschaft befürchtet, dass die Massnahmen im bundesrätlichen Aktionsplan nicht ausreichend sein werden, um wirkungsvoll dem Biodiversitätsverlust entgegen zu wirken. Zwar konnte durch das Verankern des Natur- und Heimatschutzgesetzes (NHG) und das Abschliessen internationaler Abkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt der Verlust von Arten teils verlangsamt werden, jedoch sind wir noch weit davon entfernt, das Artsterben in der Schweiz zu stoppen oder bedrohte Arten effektiv zu fördern.

In einem kürzlich veröffentlichen Bericht des Bundesamts für Umwelt BAFU ist ersichtlich, wie gravierend es um die biologische Vielfalt der Schweiz steht:

«Knapp die Hälfte aller Lebensraumtypen in der Schweiz gilt als bedroht. Von vielen wertvollen Lebensräumen sind nur noch Restflächen übrig; sie können, falls überhaupt, nur mit grossem Aufwand wiederhergestellt werden. Und der Druck auf die Lebensräume und ihre typischen Arten bleibt hoch.»

Die Zivilgesellschaft will durch die Erarbeitung eines eigenen Aktionsplans durch die darin erwähnten Massnahmen einen Vergleich und eine Messlatte für den bundesrätlichen Aktionsplan setzen. Werner Müller von BirdLife Schweiz und der Redaktionsgruppe des Aktionsplans der Zivilgesellschaft sichert dem Bundesrat in seiner Strategie weiterhin Unterstützung zu. Doch weist er nachdrücklich auf die Dringlichkeit jetzt zu handeln hin.

Weitere Informationen finden Sie im Dossier „Aktionsplan Biodiversität aus Sicht der Zivilgesellschaft“ von BirdLife Schweiz, Pro Natura und WWF Schweiz.

2 Kommentare

  • Dominik Scheibler

    Guter Text – schlechtes Bild
    Das ist irgendeine Blumensamenmischung, die herzlich wenig mit einer echten Blumenwiese zu tun hat…
    Vielleicht ist es aber exemplarisch: Wie natürlich ist den wiederhergestellte Natur überhaupt? Gerade in der Siedlung wo ein anderes Mikroklima vorhanden ist als in der Landschaft entstehen andere Lebensgemeinschaften. Novel-Ecosystems Ahoi! Das Tafelsilber ist wohl bereits verscherbelt…

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    • Mélanie Guillebeau

      Vielen Dank für Ihren Hinweis. Das Bild wahr lediglich als Symbolbild gedacht und sollte in erster Linie die Vielfalt, die schweizweit gewünscht ist, repräsentieren.


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