Gashydrat_mit_Struktur

Zeitbombe oder Energie der Zukunft?

  • Monika Jung
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Gashydrat_mit_StrukturTief in den Meeren lagert ein mysteriöser und äusserst interessanter Stoff. Methanhydrat, das „feurige Eis aus der Tiefe“ wie es der Beobachter Natur nennt, könnte einerseits eine Zeitbombe für das Klima, anderseits die Energie der Zukunft sein.

Die Wissenschaftler erforschen das Material seit Jahren. Methanhydrat besteht zur Hauptsache aus stark verdichtetem, gefrorenem Methan, das in Eis eingelagert ist. In einem Kubikmeter Methanhydrat sind sagenhafte 164 Kubikmeter brennbares Methan gebunden, schreibt der Beobachter Natur. Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas. Klaus Wallmann, Professor am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel ist überzeugt: „Methanhydrat kann unsere Erdgasversorgung für viele Jahr­hunderte sicherstellen.“ Denn Methanhydrat kommt weltweit in gewaltigen Mengen vor, in Meeresböden und auch in den Permafrostböden der Arktis.

Wenn das Methanhydrat angebort wird, verflüchtigt sich unter dem Druckabfall Methan, das aufgefangen und abtransportiert wird. Gleichzeitig wird CO2 hinuntergepresst. So könnte man eine beinahe unerschöpfliche Energiequelle nutzen und dies erst noch mit einer neutralen Klimabilanz, so Klaus Wallmann. Allerdings bisher nur im Labor, Forscher aus aller Welt suchen nun nach einem Weg, das Material effizient und sicher zu fördern.

Die Förderung und die Nutzung von Methanhydrat hat gemäss Beobachter Natur aber auch einige Schönheitsfehler. Methan­hydrat liegt nicht konzentriert in grossen Lagerstätten, sondern ist relativ verstreut im Boden verteilt. «Ich glaube eher nicht, dass sich ein Abbau im ganz grossen Stil lohnen würde», sagt Martin Heimann, Direktor des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena (D). «Zudem würde eine kommerzielle Förderung wohl bedeuten, dass der Meeres- oder der Permafrostboden tausendfach angebohrt und grossräumig platt gewalzt werden müsste – mit weitreichenden Folgen für die Ökosysteme.» Auch fällt bei der Verbrennung von Methan genauso viel CO2 an wie bei normalem Erdgas.

Zusätzlich zur allfälligen Förderung wird infolge des Klimawandels ein Teil des Methans in die Atmosphäre entweichen. Steigt die Wassertemperatur in den seichten Kontinentalabhängen um nur ein Grad an, beginnt nach neuen Berechnungen bodennahes Methaneis grossflächig zu schmelzen, und das Gas gelangt in die Atmosphäre. Das würde die Klimaerwärmung noch beschleunigen, denn Methan ist 23-mal klimaschädlicher als CO2. Das Methan abzufangen und zu nutzen, bevor es in die Atmosphäre entweicht, scheint gemäss Martin Heimann nicht möglich. «Das Gas entweicht sehr diffus aus dem Schelfmeer und kann daher nicht gross­flächig eingefangen werden.» Dadurch könnte ein Teufelskreis in Gang kommen: Denn je mehr Methan in die Luft entweicht, desto stärker steigt die globale Temperatur an und desto schneller schmilzt wiederum das Methanhydrat.

Beobachter Natur (Vollständiger Artikel)

Bild: Wusel007/wikipedia

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