WWF wehrt sich gegen Abschuss des Bärs „JJ3“

  • Redaktion Naturschutz
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Die Vergrämungen, die vom Kanton Graubünden ernst genommen werden, führten bisher zu keiner Umerziehung des Bündner Bären „JJ3“. Dieser findet in Siedlungen viel zu einfach Nahrung. Der Abschuss des Bären JJ3 werde nun von den Behörden systematisch herbeigeredet, kritisiert der WWF. Gleichzeitig sei eine breite Information der Bevölkerung über eine bärengerechte Abfallentsorgung vollkommen vernachlässigt worden.
„JJ3 wurde bei seinen Streifzügen nie aggressiv gegenüber Menschen. Er lässt sich bisher nicht nach den im ‚Konzept Bär Schweiz‘ festgelegten Kriterien als Risikobär einstufen. Trotzdem wird dem Bären von Bund und Kanton seit letztem Herbst der Abschuss prophezeit“, betont Kurt Eichenberger vom WWF. „Vor diesem Hintergrund fragt sich der WWF, woher die betroffene Bevölkerung die Motivation nehmen soll, ihr Verhalten bezüglich Abfallentsorgung zu verändern.“
Der WWF würdigt zwar die Vergrämungsarbeit von Kanton und Bund. Hier werde gute Arbeit geleistet und in eine Zukunft mit dem Bären investiert. Was aber fehle sei die flankierende Information der Bevölkerung, wie sie sich gegenüber Bären verhalten solle. Die Präsenz von Bären hänge eins zu eins von der Akzeptanz und Mithilfe der Bevölkerung ab. Und da die Schweiz mit Bären noch unerfahren sei, seien die Behörden besonders gefordert, intensiv und transpartent zu informieren.
Kurt Eichenberger fordert darum von den Behörden, „die Vergrämungen für mindestens einen weiteren Monat weiterzuführen und die Bevölkerung über bärengerechte Abfallentsorgung zu informieren. Der Bär darf keine Nahrung in menschlichen Siedlungen mehr finden.“ Zudem sollen die Behörden ihre Strategie für den nächsten Monat öffentlich machen.

In der Region Dreiländereck Schweiz, Österreich, Italien wird im Münstertal und im Vinschgau seit 2006 das Zusammenleben mit dem Bär erprobt. In naher Zusammenarbeit mit Behörden und Tourismus wird die Bevölkerung sensiblisiert und auf ein Zusammenleben mit dem Bären vorbereitet. So wurde in den letzten beiden Jahren auch der Schutz von Bienenhäusern und Herden verbessert. Aktuell entwickelt der WWF zusammen mit einer Schweizer Firma Prototypen für bärensichere Abfallbehälter, die in der Bärenregion getestet werden sollen. (sb)

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