© keichwa [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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WWF-Studie: Kleinwasserkraft wird ungerechtfertigt vergoldet

  • Roman Vonwil
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Für seine neue Studie „Vergoldete Kleinwasserkraft“ hat der WWF Schweiz Daten aus 34 Projekten, in die er Einsicht hatte, ausgewertet. Die ermittelten Zahlen wurden auf die knapp 800 Kleinwasserkraftprojekte hochgerechnet, die sich in der Schweiz in der Pipeline befinden und bereits einen positiven Förderentscheid bekamen. Das Ergebnis erschreckt, denn bei den untersuchten Anlagen wurden bei über 60 Prozent der Anlagen Renditen von über 5 Prozent erreicht, teilweise sogar über 10 Prozent. Dies stellt den Sinn der finanziellen Förderung dieser Kraftwerke in Frage.

Renditen von mehr als 5 Prozent sind in Anbetracht des heutigen Zinsniveaus und der durch die Abnahmegarantie gesicherten Investitionssicherheit nicht gerechtfertigt, findet der WWF Schweiz. Auch der Bund visiert eine Rendite von 5% für Wasserkraftwerke an. Eine grobe Hochrechnung im Hinblick auf alle Wasserkraftanlagen mit KEV-Zusage zeigt, dass der Bund die Kleinwasserkraftwerke mit ungefähr 400 Millionen Franken überzahlt und damit den Betreibern zu ungerechtfertigt hohen Gewinnen verhilft.

Die Folge der sprudelnden Fördergelder für Kleinwasserkraft: Es werden immer teurere und ökologisch problematische Werke an kleinen, noch intakten Flüssen und Bächen gebaut.  Die meisten Kleinwasserkraftwerke sind aber für die Energiewende nicht relevant, denn sie funktionieren vor allem mit Schmelzwasser und produzieren daher hauptsächlich im Sommer, wenn sowieso ein Überangebot an Strom vorhanden ist.

Und ausgerechnet die kleinsten Anlagen bekommen die höchsten Vergütungen; sie weisen zum Teil absurd hohe Renditen von über 10 Prozent aus. Je kleiner die Anlagen sind, desto stärker ist auch die Tendenz für zu viel Fördergelder. Damit werden vollkommen falsche Anreize geschaffen und die Glaubwürdigkeit der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) leidet. „Deshalb braucht es zwingend eine Förderuntergrenze für die Kleinwasserkraft“, sagt Daniel Heusser, Wasserkraftexperte beim WWF Schweiz. „Anlagen unter 3 Megawatt sollten nicht mehr gefördert werden“.

Heute wird die Wasserkraft mit bis zu 25 Rappen pro Kilowattstunde gefördert. Damit zahlen wir für ökologisch bedenkliche Kleinwasserkraftwerke höhere Beiträge als für  sauberere Photovoltaikanlagen, die weniger als 20 Rappen bekommen. Nächste Woche hat das Parlament die Gelegenheit, diesen Missstand zu korrigieren. „Idealerweise sind die Maximalvergütungen auf 15 Rp/KWh festzulegen“ sagt WWF-Fachmann Heusser. “Würde man die zu viel bezahlten 400 Millionen in die Förderung von Solaranlagen stecken, könnte man mehr als 100‘000 typische Einfamilienhaus-Anlagen realisieren“.

Der WWF Schweiz stellt aufgrund der Befunde der Studie die Forderung, dass die Wasserkraftbeiträge in folgenden Punkten anzupassen sind:

  • Beiträge begrenzen: Die Beiträge für die Wasserkraft sollten maximal 15 Rappen pro Kilowattstunde betragen, auf keinen Fall jedoch mehr als Beiträge für Photovoltaikanlagen.
  • Keine Anlagenvergoldung: Nicht mehr Fördergelder auszahlen als die Anlagen tatsächlich kosten.
  • Klare Kriterien: Keine Förderung von Wasserkraftanlagen unter 3 MW und kein Ausbau an intakten Gewässern.
  • Keine Giesskanne: Fokus auf Kraftwerkstypen und –standorte, welche die Umwelt möglichst wenig belasten. Zuerst bestehende Werke sanieren oder ausbauen.

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