Thurgau Landschaft

WWF rekurriert: Landschaft hat Vorrang

  • Nora Kieselbach
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Der WWF Bodensee/Thurgau anerkennt die besonderen Anstrengungen der Bauern, im raschen Strukturwandel durch innovative und effiziente Konzepte bestehen zu wollen, so schreibt die Organisation in einer aktuellen Pressemitteilung. Das Projekt der Betriebsgemeinschaft Eschlikon/Hurnen widerspricht jedoch dem öffentlichen Interesse, eine weitgehend intakte Landschaft und Natur zu erhalten und verletzt in wesentlichen Punkten das geltende Raumplanungsgesetz. Der Entscheid der Gemeinde Eschlikon untergräbt den geltenden Richtplan und die Grundsätze der Raumplanung aufs Gröbste. Deshalb reicht  der WWF gegen das Bauvorhaben einen Rekurs beim Departement für Bau und Umwelt ein.

Das Projekt liegt in einem Gebiet mit Vorrang Landschaft, grenzt an einen wichtigen Vernetzungskorridor und liegt in der unmittelbaren Umgebung des geschützten Ortsteiles von Hurnen. Das bedeutet, dass Natur, Landschaft und Denkmalschutz in der Interessenabwägung ein besonderes Gewicht bekommen müssten. Dies ist beim Entscheid des Gemeinderates von Eschlikon, welcher das Projekt bewilligte, jedoch nicht erfolgt.

Das Projekt für 140 Kühe (mit Erweiterungsoption für 210 Kühe) mit 90 m Länge und 40 m Breite hat Dimensionen, die mehr an grosse Lagerhallen und Industriebauten erinnert als an Landwirtschaftsgebäude. Die Hallen haben in den letzten intakten Räumen unserer Landschaft nichts verloren. Gebiete mit Vorrang Landschaft, Vernetzungskorridore für Wildwechsel und denkmalgeschützte Ortsbilder wurden zum Schutz von übergeordneten öffentlichen Interessen von intakter Natur und Landschaft errichtet. Dies gilt es durchzusetzen. Der Fall zeigt den zunehmenden Konflikt zwischen Naturschutz und Landwirtschaft auf, welcher sich durch immer grösser werdende Gebäude in der Landwirtschaftszone akzentuiert.

Bedenken am Projekt angemeldet hat auch die schweizweit aktive und anerkannte Stiftung Landschaftsschutz Schweiz. Sie gelangte mit einem Schreiben an die zuständigen Behörden. Sie ist klar der Meinung, dass eine solch grosse Baute in der Landwirtschaftszone nicht am richtigen Ort ist.

Der WWF ist nicht grundsätzlich gegen das Projekt. Er hat den Projektanten drei Alternativstandorte in der Nähe vorgeschlagen. Der WWF setzt sich dafür ein, dass Landschaft- und Naturschutz keine Farce werden, und dass das Raumplanungsgesetz korrekt angewendet wird.

Die Zerstörung unserer Landschaft geschieht schleichend und zum Nachteil von uns allen, oft unter Missachtung der geltenden Gesetze und Grundsätze, für Partikularinteressen, jeden Tag ein bisschen, fast unmerklich. Dieser Tendenz möchte der WWF Einhalt gebieten.

WWF Bodensee/Thurgau
Stiftung Landschaftsschutz Schweiz

Bild: Roland Zumbühl, Arlesheim (Wikimedia Commons)

 

 

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