© colfelly [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com
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Wolfsgeheul – Das Pendant zum menschlichen Fingerabdruck

  • Mélanie Guillebeau
  • 2

Wildtier-Biologen haben aufgezeigt, dass Wolfsgeheul als eindeutiges Merkmal zum Nachweis und zur  Unterscheidung genutzt werden kann. Damit präsentiert sich eine neue Alternative zu Fotofallen und genetischen Analysen.

Wölfe legen während ihres Lebens immense Strecken zurück. Auf der Suche nach Nahrung oder Paarungspartnern durchstreifen sie ihr Territorium – welches abhängig vom Beutevorkommen 50 Quadratkilometer bis mehrere 1000 Quadratkilometer umspannen kann – oder erschliessen neue Gebiete. Dabei überwindet ein Tier rund 30 Kilometer pro Nacht – in Ausnahmefällen sogar bis zu 50 Kilometer. Die Folge ist eine erschwerte Überwachung von Wölfen, was die Voraussetzung für eine optimale Strategie zum Schutz von Wölfen in betroffenen Gegenden ist.

Fotofallen: Die klassische Methode

Bislang wurden Fotofallen – aufgestellt in bekannten Revieren – für den Nachweis von Wölfen benutzt. Fotofallen sind mit Sensoren bestückt, welche die Aufnahme eines Bildes auslösen, sobald eine Bewegung wahrgenommen wird. So mancher Wolf, aber auch viele andere Waldbewohner, sind auf diese Weise auf Bildmaterial festgehalten worden. Fotofallen stellen zwar eine nicht-invasive Methode dar, weisen dafür einige Nachteile auf: Die Identifikation einzelner Wölfe anhand von Fotos ist sehr zeitintensiv und setzt umfassende morphologische Kenntnisse voraus. Zudem können Fotofallen lediglich wenige Quadratmeter eines Gebiets erschliessen; sind also lokal sehr begrenzt. Dies ist einer der Gründe, wieso der Nachweis eines Wolfes per Fotofalle einem Sechser im Lotto nahekommt.

Bioakkustik: Eine Methode mit Zukunft?

Eine neue Methode soll diesen Problemen Abhilfe verschaffen. Wie das Radio SRF berichtet, hat die Forschungsgruppe Wildtiermanagement der ZHAW Wädenswil, rund um Stefan Suter, mit dem Einsatz von Bioakustik, der Wissenschaft von Tierstimmen, eine neue Möglichkeit für die Identifikation von Wölfen erschlossen. Die Bioakustik macht sich das Heulen der Wölfe zu Nutze, welches die Kommunikation im und zwischen Wolfsrudeln über weite Distanzen zum Zweck hat. Mit Hilfe von Mikrofonen werden Geräusche aus der Umgebung kontinuierlich aufgenommen und später am Computer nach den charakteristischen Wellenmustern und tiefen Frequenzen von Wolfsgeheule abgesucht. Erste Untersuchungen haben aufgezeigt, dass das Heulen über eine Distanz von drei Kilometern per Mikrofon erfasst werden kann. Somit wird mit jedem installiertem Mikrofon eine Fläche von 28 Quadratkilometern abgedeckt – ein klarer Vorteil zu den bisher üblichen Fotofallen.

Tonaufnahmen von Geheule erlauben aber nicht nur den Nachweis von Wölfen, sondern auch die Bestimmung auf Individuen-Level basierend auf Tonfrequenz und Amplitude – vergleichbar mit der Identifikation von Menschen anhand ihres Fingerabdruckes. An einer britischen Universität wurde zu diesem Zweck eine Software entwickelt, welche aufgenommene Tonspuren mit einer vorhandenen Datenbank abgleicht und mit hundertprozentiger Genauigkeit einem einzelnen Wolf zuordnet. Selbst wenn die Aufnahmen ein ganzes Rudel umfassen, ist die Bestimmung eines Individuums in 97% der Fälle korrekt.

Folglich stellt die Bioakustik eine innovative und effektive Methode dar, welche in Zukunft – ergänzend zu Fotofallen und genetischen Analysen – für das Monitoring und Management von Wölfen genutzt werden kann.

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