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Wolfsabschuss: Der WWF hat genug!

  • Daniela Cervenka
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Das nationale Wolfskonzept gilt für die ganze Schweiz. Nur das Wallis setzt das Konzept nicht um. Acht Wölfe wurden in diesem Kanton bereits abgeschossen, sieben davon mit behördlichem Segen. Jetzt hat der WWF genug: Er reicht beim Bund eine Aufsichtsbeschwerde gegen den Kanton Wallis ein.

„Die Wolfspolitik im Wallis ist geprägt von 18 Jahren Stillstand. Da schwärmen Behördenmitglieder lieber von wolfsfreien Zonen und rufen gar zum illegalen Abschuss auf, statt tatkräftig den Herdenschutz voranzutreiben“, kritisiert Kurt Eichenberger vom WWF Schweiz. In keinem anderen Kanton wird der strenge Schutz des Wolfes derart missachtet wie im Wallis. Für den WWF ist das Fass nun voll, er reicht eine Aufsichtsbeschwerde beim Bund gegen den Kanton Wallis ein.

Versäumnisse am Laufmeter
Der jüngste Abschuss eines Wolfs im Goms am 2. September zeigt die Versäumnisse des Kantons Wallis exemplarisch auf:

• Im fraglichen Gebiet mit den Wolfrissen wurden für die Schafe keine Herdenschutzmassnahmen getroffen, obschon diese nach Ansicht von Experten machbar wären und sich seit 1998 im Goms Wölfe aufhalten.
• Schon im Juni wollte der Kanton den Abschuss verfügen, der Bund stemmte sich aber wegen dem mangelndem Herdenschutz dagegen. Beim Abschussentscheid des Kantons waren sich Bund und Kanton nicht über den Abschussperimeter einig. Trotzdem erteilte der Kanton eine Abschussgenehmigung.
• Einem allfälligen Rekurs hat das Wallis die aufschiebende Wirkung zum Voraus entzogen. In der Praxis bedeutet dies, dass der Wolf abgeschossen wurde, bevor die Rechtmässigkeit der Verfügung überprüft werden konnte.
• Im Wallis existiert noch immer kein kantonales Wolfskonzept für die langfristige Planung von Massnahmen. Dabei ist der Kanton der Hotspot der Schafhaltung und das Haupteinwanderungsgebiet von Wölfen aus Italien, Frankreich und inzwischen auch aus dem Kanton Graubünden.

Mit seiner Aufsichtsbeschwerde fordert der WWF deshalb den Bund auf, dafür zu sorgen, dass im Kanton Wallis die Schafherden ausreichend geschützt werden. Bis dahin dürfen keine weiteren Abschüsse bewilligt werden. Dass der gezielte Einsatz von Herdenschutzhunden und eine ausreichende Behirtung erfolgreich sind, zeigen viele Beispiele aus anderen Kantonen (BE, SG, UR, FR). Aber auch im Goms und im benachbarten Oberwallis funktioniert der Herdenschutz: Seit wenigen Jahren werden dort auf sechs Alpen Schafherden mit Herdenschutzhunden und Hirten geschützt. Das Resultat spricht Bände: Kein einziges Schaf aus diesen Herden wurde in diesem Jahr von einem Wolf gerissen.

WWF Schweiz

Bild: By Gary Kramer [Public domain], via Wikimedia Commons

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