Bild: Bernard Landgraf via Wikimedia Commons
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Wölfe in Siedlungsnähe sind ungefährlich

  • Sophie Ryser
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Das Wolfsrudel am Calanda zeigt sich wieder in Siedlungsnähe. Die Sorgen in der Bevölkerung nehmen zu, die Polemik der Politik gegen die Wölfe ebenso. Doch dass sich die Wölfe besonders im Winter gelegentlich Siedlungen annähern, ist weder ungewöhnlich, noch ein Indiz für die Gefährdung von Menschen oder Nutzieren. Wölfe halten sich bloss in der Nähe ihrer Beutetiere auf, welche sich in den Wintereinständen im Tal befinden.

Wölfe ernähren sich im Schweizer Alpenraum hauptsächlich von Rothirschen, Gämsen und Rehen. Alle drei Wildarten unternehmen in diesen Lebensräumen saisonale Wanderungen, besonders der Rothirsch. Im Winter halten sie sich mehrheitlich in tiefen Lagen auf, oft in unmittelbarer Nähe von Siedlungen. Wölfe ziehen ihrer Beute nach und halten sich deshalb im Winter ebenfalls in Siedlungsnähe auf. Weil nicht der Mensch die Wölfe in Siedlungsnähe lockt, sondern einzig das Wild, besteht auch keinerlei Gefahr von Wolfsangriffen. „Dies ist bereits der dritte Winter, in dem sich die Wölfe in Siedlungsnähe zeigen. Niemals kam es dabei aber zu gefährlichen Situationen für Menschen!“ sagt David Gerke dazu von der Gruppe Wolf Schweiz. „Solange es intakte Wildbestände gibt, keine Tollwut und keine gefütterten Wölfe, können Angriffe definitiv ausgeschlossen werden, auch auf Kinder und unabhängig von der Grösse des Wolfsrudels.“

Auch die Sorge um die Wildbestände ist unberechtigt. Wölfe vermögen ihre Beutetiere nicht auszurotten, sondern befinden sich in einem Gleichgewicht mit dieser. Die erneut auch am Calanda durchgeführte Sonderjagd zeigte eindrücklich, dass das Wolfsrudel den Hirschbestand nicht etwa dezimiert hat, sondern er trotz dem 10-köpfigen Rudel nach wie vor zu hoch ist. „Dass die Wölfe bald auf Nutztiere und Menschen losgehen müssen, weil ihnen die natürliche Beute fehlt, ist ein Märchen und entbehrt jeglicher Grundlage“, so Gerke. „Wildtiere wird es am Calanda auch in fünf oder zehn Jahren noch genug geben.“ Die Grösse des Wolfsrudels spielt keine Rolle für den Wildbestand: Ein Rudel mit zehn Wölfen durchstreift ein grösseres Revier als eines mit nur fünf und hat damit mehr Beutetiere zur Verfügung. Sollte die Beute knapper werden, müssen überzählige Tiere das Rudel verlassen und die Überlebensrate der Jungtiere sinkt deutlich. „Das 10-köpfige Wolfsrudel am Calanda ist ein Indiz für die grossen Wildbestände, es gibt mehr als genug Wild!“

Pressemitteilung Gruppe Wolf Schweiz

Bild: Bernard Landgraf [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

 

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