© Ronnie Macdonald,  [CC-BY-SA-2.0], via Flickr
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Wolf: Akzeptanz steigt mit zunehmender Entfernung

  • Cécile Villiger
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Ein Drittel der Schweizer Landesfläche eignet sich für den Wolf als Lebensraum. Doch nur auf rund sechs Prozent davon würde er auch geduldet. Die Gebiete, die der Wolf kurz- bis mittelfristig besiedeln könnte, liegen mehrheitlich im Jura sowie in den Bündner Alpen und im Tessin.

In der Schweiz wurde der Wolf Ende des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Ab 1995 kehrte er auf natürliche Weise zurück, nachdem er gesetzlich unter Schutz gestellt worden war. Sein bevorzugtes Habitat zeichnet sich aus durch hohe Wildbestände, geringe Bevölkerungsdichte, mittlere Höhenlage und viel Wald. Etwa ein Drittel der Schweizer Landesfläche – rund 13’800 km² – eignet sich als Lebensraum für den Wolf. Doch verglichen mit anderen Regionen in Mitteleuropa hat sich hierzulande der Wolfsbestand auffallend langsam entwickelt. Da sich der Wolf in einer vom Menschen geprägten Landschaft wiederfindet, wird vermutet, dass für seine Ausbreitung nebst ökologischen Bedingungen auch die Akzeptanz der Bevölkerung relevant ist. Eine Studie des Instituts für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften der Universität Zürich nimmt genau unter die Lupe wo in der Schweiz die Bevölkerung den Wolf duldet und er gleichzeitig ein geeignetes Habitat vorfindet.

Hohe Akzeptanz im Mittelland und Jura

Ein Drittel der 10’000 zufällig ausgewählten, in der Schweiz wohnhaften, Personen nahm an der Umfrage über die Einstellung zum Wolf teil. Die Akzeptanz des Wolfes nimmt mit zunehmender Höhenlage des Wohnortes ab und verschlechtert sich zusätzlich an höher gelegenen Orten, wo viele Schafe und Ziegen gehalten werden. Mit zunehmender Entfernung zum Wolf und in dicht besiedelten Gebieten nimmt die Akzeptanz zu.

«Unser Modell prognostiziert eine hohe Akzeptanz für das Mittelland und den Jura», fasst Dominik Behr, Co-Autor der Studie, zusammen. Im Alpenraum zeigt sich ein gemischtes Bild: In den östlichen und südlichen Alpen kommen Gebiete vor, in denen der Wolf sowohl akzeptiert als auch abgelehnt wird. In den zentralen und westlichen Alpen – vor allem im Kanton Uri und Wallis – dominiert eine mehrheitlich ablehnende Haltung. Wer den Wolf ablehnt, ist überzeugt, dass er für den Menschen gefährlich ist und Schaf-, Ziegen- sowie Wildbestände schädigt. «Jüngere Personen und jene, die der Meinung sind, dass der Wolf eine wichtige Rolle im Ökosystem spielt, beurteilen ihn als positiv», so Dominik Behr.

Sechs Prozent der Landesfläche geeignet

Im letzten Teil der Studie überlagerten die Forscher die Karte der räumlichen Verteilung der Akzeptanz mit jener Karte, die die geeigneten Wolfshabitate umfasst. «Wir stellten fest, dass unter Berücksichtigung der menschlichen Akzeptanz lediglich sechs Prozent der Schweizer Landesfläche beste Lebensbedingungen für den Wolf bieten», erklärt Dominik Behr. «Es gibt nur wenige Gebiete mit geeigneten ökologischen Lebensbedingungen, welche von Menschen bewohnt sind, die den Wolf dulden». Diese Gebiete lagen mehrheitlich im Jura, in den Bündner Alpen und im Tessin.

Bessere Vorhersagen zur Ausbreitung

Die Studie liefert einen neuen Ansatz für eine bessere Vorhersage jener Gebiete, die sich für die  kurz- bis mittelfristige Ausbreitung des Wolfs in der Schweiz am besten eignen. «Unsere Ergebnisse zeigen, dass natürliche Ausbreitungsprozesse stark von menschlichen Faktoren abhängig sind. Dank der gleichzeitigen Betrachtung von sozialen und ökologischen Aspekten kann unser Ansatz helfen, potentielle Konfliktgebiete zwischen Mensch und Wolf frühzeitig zu erkennen. In diesen Gebieten kann der Dialog zwischen den unterschiedlichen Interessenvertretern aktiv gesucht werden», resümiert Studienleiter Gabriele Cozzi. «Der Wolf wird nur dann von der Bevölkerung akzeptiert, wenn es gelingt, dessen positive Auswirkung auf Ökosysteme hervorzuheben und die Ängste vor diesem Raubtier abzubauen.»

Wo der Wolf in der Schweiz ein geeignetes Habitat vorfindet und auf breite Akzeptanz stösst. © UZH
Wo der Wolf in der Schweiz ein geeignetes Habitat vorfindet und auf breite Akzeptanz stösst. © UZH

Hier geht es zur original Studie.

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