Adulte Tauben sind uns allen wohlbekannt, doch wie sehen eigentlich die Jungvögel der zahlreichen Stadtbewohner aus? | © Mara Tr. [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Adulte Tauben sind uns allen wohlbekannt, doch wie sehen eigentlich die Jungvögel der zahlreichen Stadtbewohner aus? | © Mara Tr. [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Wo verstecken sich die Jungvögel der allgegenwärtigen Stadttauben?

  • Mélanie Guillebeau
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Tauben tragen auch den unrühmlichen Titel „Ratten der Lüfte“ – als Hinweis auf ihre enorme Verbreitung in Städten. Doch trotz ihrer grossen Anzahl bekommen wir junge Tauben kaum zu Gesicht. Dies lässt sich einerseits aufgrund ihres Ursprungs, andererseits wegen der langen Nestlingszeit, erklären.

Ob beim Picknick im Park oder beim Shopping-Bummel durch die Fussgängerzone: Tauben sind unsere ständigen Begleiter. Oft sind sie im Schwarm unterwegs und säubern die Strassen unter konstantem „Kopfnicken“ von Essensresten. Angesichts der schätzungsweise 9.3 bis 15 Millionen Tauben in Europa sollte man meinen, dass man auch regelmässig Jungvögel beobachten kann. Aber haben Sie schon ein Taubenjunges gesehen oder konnten einen soeben flügge gewordenen Jungvogel im Schwarm ausmachen? Wie IFL Science berichtet, gibt es dafür zwei Erklärungen:

Abstammung von der Felsentaube

Ein Grund für dieses Phänomen ist die Herkunft der Taube (Columba livia domestica). Unsere Stadttauben sind eine verwilderte Form der Haustaube, welche ausgehend von der Felsentaube (Columba livia) für die Briefzustellung gezüchtet wurde. Felsentauben brüten – ihrem Namen entsprechend – bevorzugt in Felsspalten oder -höhlen an Felsenküsten. Stadttauben haben diese Vorliebe beibehalten. Da in der Stadt Felsen Mangelware sind, greifen sie stattdessen auf gut geschützte Unterschlüpfe wie Kirchtürme oder verlassene Gebäude zurück, die für uns schwer zugänglich sind. In der Folge treffen wir selten auf ihre Nester und Jungvögel.

Dieser Anblick bleibt uns aufgrund der Standortswahl für den Nestbau oft verborgen. | © Philippa Willitts [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Junge Tauben zu Beginn der Nestlingszeit: Dieser Anblick bleibt uns aufgrund der Standortwahl für den Nestbau oft vorenthalten. | © Philippa Willitts [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
| © Philippa Willitts [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Junge Tauben in einem fortgeschrittenen Alter. | © Philippa Willitts [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Ausgedehnte Nestlingsdauer

Doch müsste man dann nicht wenigstens die flügge gewordenen Jünglinge auf den Strassen sehen? Dies bringt uns zum zweiten Grund: Tauben haben eine aussergwöhnlich ausgedehnte Nestlingszeit. Es dauert rund 35 Tage, – in etwa doppelt so lange wie bei vielen Gartenvögeln – bis die Jungen nach dem Schlüpfen das „Hotel Mama“ verlassen und flügge werden. Wenn sie sich dann unter ihre älteren Artgenossen mischen, sind sie kaum mehr unterscheidbar. Zu diesem Zeitpunkt haben sie die äussere Entwicklung zum erwachsenen Vogel beinahe abgeschlossen.

Wenn man sich besser mit Tauben auskennt, kann man die flugfähigen Jungvögel jedoch sehr wohl erspähen. So fehlt bei ihnen die typische schimmernde grüne und violette Färbung im Halsbereich. Ausserdem ist die Wachshaut – die unbehaarte Region am oberen Schnabelansatz – pink-grau und nicht weiss gefärbt. Mit diesen Informationen gelingt es Ihnen vielleicht beim nächsten Ausflug in die Stadt, die Jungvögel im Schwarm zu identifizieren.

Eine Taube im Jugendstadium. Die Färbung des Nackens und der Wachshaut sind unterschiedlich zum adulten Vogel. | © Ingrid Taylar [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Eine Taube im Jugendstadium. Die Färbung des Halses und der Wachshaut unterscheidet sich im Vergleich zum adulten Vogel. | © Ingrid Taylar [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Somit also die Schlussfolgerung: Junge, frisch geschlüpfte Tauben kann man aufgrund der Wahl des Neststandortes kaum beobachten und Jungvögel, die bereits flügge sind, mischen sich sehr wohl unter den städtischen Taubenschwarm. Sie sind jedoch schwer von den erwachsenen Artgenossen zu unterscheiden.

 

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