Blumenwiesenvergleich Beckenried

Wo sind unsere Blumen?

  • Dominique Haiden
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Blumenwiesenvergleich BeckenriedDer Verlust an Biodiversität in der Schweiz ist ein schleichender Prozess, der von der Bevölkerung kaum wahrgenommen wird. Ein Fotovergleich von Pro Natura macht den Biodiversitätsverlust am Beispiel der Blumenwiesen sichtbar: Wo sich früher bunte Blütenteppiche ausbreiteten, herrscht heute ödes Einerlei.

Der gravierende Biodiversitätsverlust in der Schweiz ist wissenschaftlich gut dokumentiert. In den letzten 110 Jahren sind 36% der Auen, 82% der Moore und 95% der Trockenwiesen und -weiden in der Schweiz verschwunden. Rund ein Drittel der Tier- und Pflanzenarten ist bedroht. Der Verlust an biologischer Vielfalt ist jedoch ein schleichender und somit wenig augenfälliger Prozess. So sind denn auch 70% der Schweizer Bevölkerung fälschlicherweise der Meinung, um die Biodiversität in der Schweiz stehe es gut oder gar sehr gut.

Pro Natura macht den Wandel nun sichtbar – am Beispiel von Schweizer Blumenwiesen. Dazu stellt sie Postkarten und Fotos aus den Jahren 1970-1990 aktuellen Vergleichsfotos von 2010 gegenüber. Der Fotovergleich zeigt deutlich: Wo früher bunte, artenreiche Blumenwiesen blühten, beherrschen heute ein paar wenige anpassungsfähige Generalisten den Lebensraum.

Die Ursache liegt in der intensiveren Bewirtschaftung der Futterwiesen. Stärkeres Düngen, frühere und häufigere Mahd, Silage, Bewässerung, Drainage und weitere Massnahmen zur Produktionssteigerung haben zu einer Vereinheitlichung der Wiesen geführt. Vormals typische Arten wie Bocksbart, Wiesen- Flockenblume oder Witwenblume werden zunehmend verdrängt von einer Handvoll raschwüchsiger, nährstoffliebender Arten wie dem Gewöhnlichen Rispengras, Löwenzahn oder Knäuelgras. Die Folgen reichen weit über ein verändertes Landschaftsbild hinaus. Denn mit jeder verlorenen Pflanzenart verschwindet im Durchschnitt die Lebensgrundlage für zehn Tierarten.

Biodiversität ist unsere Lebensgrundlage. Mit ihrer Kampagne „Biodiversität – jede Art zählt!“ fordert Pro Natura deshalb mehr Engagement für den Erhalt der biologischen Vielfalt. So begrüsst sie zwar den Vorschlag zur Agrarpolitik 2014-2017, der sich zurzeit in der Vernehmlassung befindet. Sie fordert aber weitere Verbesserungen, insbesondere mehr Mittel für die Biodiversitätsbeiträge, um immer noch vorgesehene Fehlanreize in der Landwirtschaft zu beseitigen und Leistungen für die Biodiversität attraktiver zu machen.

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Pro Natura

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