@ Steve Snodgrass [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
@ Steve Snodgrass [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Wird bald auf Schweizer Bergahorn gespielt?

  • Julia Hatzl
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Ebenholz zählt wie viele Tropenhölzer zu den bedrohten Arten. Trotzdem hält die Nachfrage speziell im Instrumentenbau weiterhin an. Ungeachtet strenger Handelsvorschriften nehmen die Ebenholz-Bestände weiterhin rapid ab. Jetzt liefert das Empa Spin-off «Swiss Wood Solutions» eine Alternative aus Schweizer Bergahorn: nachhaltig und vollkommen legal.

Der junge Geiger landet in Berlin am Flughafen, sein teures Meister-Instrument im Gepäck und voller Vorfreude auf seinen Auftritt am nächsten Abend. Am Zoll wird er angehalten. Eine Stunde später verlässt er den Flughafen – ohne seine Geige. Sie wurde beschlagnahmt. Wie bei vielen Geigen bestehen nämlich auch beim Instrument des jungen Künstlers Saitenhalter und Griffbrett aus Ebenholz, ein Tropenholz, das auf der CITES-Liste («Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora») der geschützten Hölzer steht. Somit darf Ebenholz nur eingeführt werden, wenn die legale Herkunft des Materials am Zoll nachgewiesen werden kann. Zahlreiche Instrumente wurden so bereits beschlagnahmt. Doch nicht nur das Reisen ist schwierig. Auch wer mit entsprechenden Instrumenten handelt, kann sich strafbar machen, wenn er die legale Herkunft des Materials nicht nachweisen kann. Bereits das Anbieten entsprechender Produkte auf einer Internetplattform kann eine Anzeige zur Folge haben. Alternativen zu Ebenholz im Instrumentenbau gab es bis vor kurzem kaum.

Ebenholz hat durch seine Struktur besondere Eigenschaften, die für den Klang von Instrumenten wichtig sind. @ OboeCrack [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons
Ebenholz hat durch seine Struktur besondere Eigenschaften, die für den Klang von Instrumenten wichtig sind. @ OboeCrack [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Neue Alternative?

Forschende der Empa und der ETH Zürich haben gemeinsam das Start-up «Swiss Wood Solutions» gegründet und einen Weg gefunden, Schweizer Hölzer so zu modifizieren, dass sie die Eigenschaften bedrohter Tropenhölzer wie Ebenholz oder Grenadill aufweisen. Letzteres wird vor allem für den Bau von Klarinetten und Oboen verwendet. Dabei wird Schweizer Bergahorn aus nachhaltiger Waldwirschaft zugeschnitten und in einer wässrigen Lösung eingelegt. Danach wird das Holz getrocknet und mittels dem Heisspressverfahren komprimiert. Dies erlaubt es, Holzeigenschaften, die für den Instrumentenbauer besonders wichtig sind, gezielt einzustellen. So benötigt man etwa für den Klarinettenbau eine etwas geringere Holzdichte als für Griffbretter für Violinen. Auch die Ansprüche an Farbe und Schallleitungsgeschwindigkeit sind unterschiedlich, wie Oliver Kläusler, CEO von «Swiss Wood Solutions» erklärt: ««Mit unserem Verfahren können wir diese Parameter selber bestimmen. Das ermöglicht beispielsweise dem Geigenbauer eine gezieltere Feinabstimmung des Instruments.»

Gleiche Eigenschaften wie das Original

Das Spin-off ist nicht das erste Unternehmen, das sich auf Alternativen zu Tropenhölzern spezialisiert. Es gibt bereits entsprechende Materialien, zum Beispiel Holz-Kunststoff-Komposite oder Carbon-Materialien. Deshalb hat Kläusler im Frühling 2017 Hörtests mit professionellen Musikern und Musikstudierenden durchgeführt, um diese Materialien direkt miteinander zu vergleichen. Erfreuliches Ergebnis: «Swiss Ebony» belegte zusammen mit echtem Ebenholz Platz 1.

Der Geigenbauer Boris Haug aus Suhr hat daraus Saitenhalter für Profiinstrumente hergestellt, die anschliessend über Wochen bespielt wurden. «Eine Musikerin wollte unseren Cello-Prototyp gar nicht mehr herausrücken und bot uns an, uns stattdessen ihren hochwertigen Ebenholz-Saitenhalter zu überlassen», so Kläusler. Ihre Begründung: Ihr Cello klinge mit Swiss Ebony «sexier» als zuvor. Auch preislich kann die Ebenholz-Alternative mit ihrem natürlichen Vorbild bereits mithalten. Trotzdem wollen Kläusler und sein Team den Preis weiter senken und legen zudem grossen Wert darauf, den gesamten Produktionsprozess umweltfreundlich und nachhaltig zu gestalten.

Mithilfe zum Tropenschutz

Sollte sich dieses Produkt im Instrumentenbau durchsetzen und auf weiteren Anklang bei Musikern stossen, könnte es einen wertvollen Beitrag zum Klima- und Topenschutz leisten. Durch die Senkung der Nachfrage an Tropenholz wird der Anreiz zur illegalen Abholzung und Regenwaldzerstörung vermindert.

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