Die Folgen des Klimawandels sind zahlreich: Offensichtlich sind sie zum einen beim Betrachteten unserer schwindenden Gletscher (hier der Aletschgletscher). | © Melansilence, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr
Die Folgen des Klimawandels sind zahlreich: Offensichtlich sind sie zum einen beim Betrachteten unserer schwindenden Gletscher (hier der Aletschgletscher). | © Melansilence, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr

Wir müssen uns an den Klimawandel anpassen

  • Mélanie Guillebeau
  • 3

Der Klimawandel trifft die Schweiz besonders heftig. Dementsprechend ist die zukünftige Einsparung von Treibhausgasen zwingend notwendig. Nicht minder wichtig ist es, Risiken für Umwelt und Gesellschaft zu verringern, indem gezielt Massnahmen gegen die omnipräsenten Folgen des Klimawandels ergriffen werden – zu diesem Schluss kommt Marc Chardonnens, Direktor des Bundesamtes für Umwelt.

Das jüngste Beispiel für die katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels in der Schweiz ist der Murgang in Bondo (GR) vom vergangenen Mittwoch, den 23. August. Wie das SRF berichtete, haben sich rund vier Millionen Kubikmeter Geröll vom Piz Cengalo gelöst und sind talwärts gestürzt. Bisher wurde das Gestein vom Permafrost – der, entsprechend seinem Namen, in der Regel das ganze Jahr über gefroren bleibt – an Ort und Stelle gehalten. Doch die Erwärmung lässt den Permafrost schmelzen und den Boden in der Folge bröckeln. Erschwerend kommt hinzu, dass grosse Mengen an Kohlendioxid in die Atmosphäre entweichen, die in den intakten Permafrostböden gespeichert sind.

Der Klimawandel kann die Häufigkeit von Bergstürzen erhöhen. | © Hadi [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons
Der Klimawandel kann die Häufigkeit von Bergstürzen (hier am Eiger) erhöhen. | © Hadi [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Prävention und Schadensbegrenzung sind zentral

Von wegen wir Schweizer bleiben vom Klimawandel verschont – wie das Bundesamt für Umwelt (BAFU) in einer Medienmitteilung informiert, steigen in der Schweiz die Durchschnittstemperaturen doppelt so schnell wie im globalen Schnitt: Nicht nur 0.9 (weltweiter Durchschnitt) sondern ganze zwei Grad Celsius sind diese bei uns in den letzten 150 Jahren angestiegen. Die Folgen der Erwärmung sind weitreichend, verheerend und nicht mehr zu leugnen: Unsere Gletscher schmelzen, wir durchleben vermehrt Trocken- und Hitzeperioden mit lokalen Wasserknappheiten und unsere Städte verwandeln sich zu Wärmeinseln (naturschutz.ch berichtete). Und so bemerkt Marc Chardonnens, Direktor des Bundesamts für Umwelt BAFU, dass der momentane Fokus in der Klimadebatte ausgeweitet werden muss:

„Die Schweiz muss nicht nur ihre Treibhausgasemissionen senken, sondern sich auch an den Klimawandel anpassen, um die Risiken zu reduzieren“, erklärte Marc Chardonnens, Direktor des Bundesamts für Umwelt BAFU, am 28. August an einer Medienkonferenz in Bern.

„Anpassung an den Klimawandel“

Das soll nicht heissen, dass die Senkung der Treibhausgasemissionen zweitrangig ist. Im Gegenteil: Die Schweiz muss bis 2030 weiterhin auf das Reduktionsziel von 50 Prozent (gegenüber 1990) hinarbeiten. Gleichzeitig sollten Massnahmen ergriffen werden, welche die aufgrund des Klimawandels gehäuften Naturgefahren, zu verhindern oder zumindest zu vorhersagen vermögen. Zu diesem Zweck wurde unter Koordination des BAFUs im Jahr 2013 das Pilotprogramm „Anpassung an den Klimawandel“ initiiert: In 31 schweizweiten Projekten sollten mithilfe zahlreicher Institutionen Massnahmenpläne zu verschiedenen Problematiken, wie Wasserknappheit oder Ökosysteme, realisiert werden.

„Da sich die Auswirkungen von Region zu Region unterscheiden, spielen die Kantone, die Regionen und die Gemeinden eine wichtige Rolle“, sagt Marc Chardonnens.

Erste konkrete Anpassungen erarbeitet

Am 28. August präsentierte das BAFU die ersten Ergebnisse des Pilotprojekts. So hat beispielsweise der Kanton Basel-Landschaft zwanzig konkrete Massnahmen entwickelt, die der haushälterischen Nutzung von Oberflächengewässern dienen sollen. Weiter hat die Haute école du paysage, de l’ingénierie et de l’architecture de Genève (hepia) ein Warnsystem erarbeitet, das den frühzeitigen Nachweis von schädlichen Organismen, allen voran der Grünen Reiswanze, in landwirtschaftlichen Kulturen ermöglicht. Das BAFU erhofft sich mit den Massnahmen, die ihrem Pilotprojekt entspringen, die Schweiz bestmöglich an den Klimawandel anzupassen und Risiken sowie Kosten minimieren zu können.

Weitere Informationen können Sie der originalen Medienmitteilung oder der aktuellen Ausgabe des Magazins „umwelt“ des BAFU entnehmen. 

3 Kommentare

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  • Peter P. Odermatt

    Der Klimawandel ist völlig natürlich. Anpassungen der Gesellschaft wie Treibhausgase einsparen bringen gar nichts. Der Klimawandel kommt so oder so – wie er auch in der Geschichte der Welt immer passierte.

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    • Mélanie Guillebeau

      Ja, es mag in der Erdgeschichte immer wieder zu Veränderungen im Klima gekommen sein. Doch noch nie gingen diese innert solch kurzer Zeit und in solcher Geschwindigkeit vonstatten. Und ebenfalls eine Premiere: Noch nie war der Mensch – erwiesenermassen – der Hauptverursacher dieser Veränderung.


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