Alpensteinbock

Winterzeit ist Paarungszeit

  • Corinna von Kürthy
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Steinböcke paaren sich erst, wenn der Bergwinter richtig da ist. Weite Teile ihres Lebensraumes versinken jetzt im Schnee, es herrschen eisige Temperaturen und die verfügbare Nahrung ist knapp und energiearm. Damit fällt das Fortpflanzungsgeschehen ausgerechnet in eine Zeit, in welcher verschwenderischer Umgang mit Energie und überbordende Aktivität nicht selten mit dem Tod bezahlt wird.

Bei vielen Huftierarten stellt die Paarungszeit vor allem für die Männchen eine enorme Herausforderung dar, denn das Umwerben paarungsbereiter Weibchen und das Austragen langwieriger Rivalenkämpfe verschlingen wertvolle Energien.

Wie männliche Steinböcke den Spagat zwischen Fortpflanzung und Überleben alljährlich meistern, war lange Zeit ein Rätsel. Eine mehrjährige Forschungsstudie hat nun aber Licht ins Dunkel gebracht: Die Männchen gehen während der Brunft haushälterisch mit ihren Kräften um. Anders als etwa Hirsch und Gämse führen sie in dieser Zeit kaum Kämpfe durch – die Dominanzhierarchie wird bei den Steinböcken vor der Brunft geklärt. Als Folge davon reduziert sich die Dauer aggressiver Auseinandersetzungen merklich, von 12,5% auf 2% der verfügbaren Zeit. Ungewöhnlich ist auch, dass untergeordnete Böcke ihren dominanten Mitstreitern den Zugang zu empfängnisbereiten Weibchen nicht streitig machen. Sie verhalten sich konservativ und bedienen sich einer anderen Taktik, die – wie die Resultate zeigen – in einzelnen Fällen durchaus erfolgreich sein kann.

Weitere spannende Informationen über das aussergewöhnliche Fortpflanzungsverhalten männlicher Steinböcke und dessen Konsequenzen für das Überleben liefert der kürzlich erschienene WILDBIOLOGIE-Artikel 6/10.

Tim Verfaillie [public domain], via Wikimedia Commons

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