Ein Stieglitz im Winter. | © albularider, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr
Ein Stieglitz im Winter. | © albularider, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr

Winternahrung für Finken und Ammern

  • Redaktion Naturschutz
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Hierbleiben oder wegziehen? Finken und Ammern sind in der Lage den Winter in unseren Regionen zu verbringen. Dies bringt einige Herausforderungen mit sich. Mit gezielten Massnahmen können wir diese Arten unterstützen.

Autorin: Maria Rohrer

Mit den Wintermonaten beginnt für die Vögel eine harte und anspruchsvolle Zeit, weil das Futterangebot knapp ist. Längere Frostperioden und dichte Schneedecken können bei daheimgebliebenen Standvogelarten, insbesondere bei denjenigen, die keine Futterhäuschen in Siedlungsgebieten besuchen, zu Bestandeseinbrüchen führen. Zu diesen Vögeln zählen beispielsweise Gold- und Zaunammern, Hänflinge und Stieglitze.

In Gruppen unterwegs auf der Suche nach Sämereien

Der konisch, spitz zulaufende Schnabel der Finken und Ammern verrät ihre Hauptnahrung. Sie fressen ganzjährig Samen von Gräsern, Blumen und Stauden. Nur für die Jungenaufzucht weichen sie auf Insekten, deren Larven und Spinnen aus.

Die Goldammer ist in den Wintermonaten bei uns oft in Gruppen anzutreffen. Gelegentlich schliessen sich ihnen auch einige Zaunammern an. Zusammen ziehen sie von Landstrich zu Landstrich auf der Suche nach schnee- und eisfreien Flächen, wo sie den Boden nach Samen absuchen. Es ist das typische Verhalten der Strichvögel, zu denen auch der Distelfink gezählt wird. Im Winter sind die Trupps des Öfteren in der Nähe von Bauernhöfen oder Feldscheunen zu sehen. Dort erhaschen sie Getreidereste, liegengebliebene Körner von Hühnerfütterungen oder durchsuchen offene Misthäufen nach unvollständig verdauten Sämereien. Es kann vorkommen, dass die Kälteeinbrüche und Schneefälle zu extrem sind und sie zu wenig Nahrung finden. Dann lassen sich regionale Winterflucht-Bewegungen dieser Vögel, von den höher gelegenen Gebieten ins Tiefland und von unseren Regionen gar bis ins Mittelmeergebiet, feststellen.

Fehlende Nahrungsplätze durch die Intensivierung der Landwirtschaft

Durch effizientere Erntemethoden und mit dem Einsatz von Düngern und Pestiziden, sind wichtige Futterhabitate vieler Vögel und wertvolle Lebensraumstrukturen wie Büsche, Hecken und Ruderalfluren verloren gegangen. Mit der Umstellung vom Sommergetreideanbau und Hackfruchtkulturen, auf den rentableren Wintergetreideanbau, sind wichtige Nahrungsplätze verloren gegangen und fehlend, da diese Felder sauber und ohne Getreidereste abgeerntet werden. Besonders stark davon betroffen ist die Zaunammer. So konnten in England, parallel zum Wechsel von Sommer- auf Wintergetreideanbau, Populationsabnahmen festgestellt werden. Der Erhalt von traditionellen und extensiveren Bewirtschaftungsformen würde den Vögeln entgegenkommen.

Mosaik von Förderungsmassnahmen für mehr Futter im Winter

Die zu unterschiedlichen Zeitpunkten reifen Samen der Pflanzen von Buntbrachen, Krautsäumen und Altgrasstreifen bieten den Finken, Ammern und anderen Feldvögeln über mehrere Jahre hinweg, und besonders in den Wintermonaten, einen reich gedeckten Speisetisch.

Aber auch die im Frühherbst milchreifen Samen des Sommergetreideanbaus werden von Gold- und Zaunammern, von Stieglitzen und Hänflingen als willkommene Nahrung geschätzt. Da diese Flächen erst im darauffolgenden Frühling wieder angesät werden, bleiben die abgeernteten Felder über den Winter als Stoppelfelder bestehen. Auf den aperen Stellen können die Vögel nach den übrig gebliebenen Sämereien und Ernteresten picken. Auch Hecken und Sträuchergruppen stellen mit ihren Früchten Winterfutter bereit. Je artenreicher sie sind, umso mehr Früchte tragen sie über einen längeren Zeitraum.

Darum setzt das Trinationale Steinkauzprojekt all diese Massnahmen um. Jeder Einzelne, der im Garten samenreiche Blumen sowie dornen- und beerentragende Sträucher setzt, unterstützt die Vögel zusätzlich. Es eignen sich Pflanzenarten wie Karden, Disteln, Flockenblumen, Heckenrosen, Vogelbeerbaum und Pfaffenhütchen. Ein selbst angelegter Kompost, an einem Schattenplatz, in Ihrem Garten kann im Winter zu einer beliebten Speisekammer für Vögel werden. Nebst den Würmern, Larven und Raupen finden die Vögel auch dort Samenkörner.

Der Artikel erschien zuerst in „Obstwiesen-News“, welches regelmässig über den Zwischenstand des Trinationale Steinkauzprojekt berichtet, in der Ausgabe vom September 2016.

1 Kommentar

  • Christine Limburg

    Im Winter des letzten und vorletzten Jahres war jeweils ein grosser Schwarm Distelfinken ständig bei mir im Garten auf meinem grossen Zuckerahorn. Da ich einen relativ grossen Garten habe, stelle ich das Vogelfutterhaus nicht in die unmittelbare Nähe meines Hauses. Dadurch getrauen sich viel mehr auch scheue Vögel ans Futterhaus. Den ganzen Winter über sind vor allem die Distelfinken da und fressen mit Begeisterung die Körner in meinem Futterhaus und die vielen Samen in meinem Naturgarten. Wenn sie satt sind fliegen sie auf den grossen Baum und zwitschern und plaudern von morgens bis abends. So habe ich jeweils den ganzen Winter über wunderbares Distelfinkengezwitscher.

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