© Staffan Widstrand / WWF
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Wintereis: Rekordtief in der Arktis betrifft auch die Schweiz

  • Kathrin Ruprecht
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Das Meereis in der Arktis hat ein Rekordtief in der Winterausdehnung erreicht. Der Rückgang des Wintereises treibt, durch verminderte Reflexion des Sonnenlichtes, zusätzlich die sommerliche Eisschmelze an. Die Auswirkungen werden irgendwann auch die Schweiz treffen – mit regenreichen Sommer und Wetterextremen.

Die Klimaerwärmung zeigt sich immer deutlicher: Das arktische Meereseis hat dieses Jahr die geringste je gemessene Winterausdehnung, wie das nationale US Zentrum für Schnee und Eis (NSIDC) meldet. Verglichen mit dem durchschnittlichen Maximum der Eisdecke bedeutet dies einen Verlust von 1,1 Millionen Quadratkilometern oder mehr als 25 Mal der Fläche der Schweiz, schreibt der WWF Schweiz. Die jahreszeitlich maximale Ausdehnung wird jeweils Ende Winter im März gemessen. Im September nach der sommerlichen Eisschmelze ist die Eisfläche dann saisonal am kleinsten.

Der jetzt gemessene Winter-Negativrekord dürfte über einen sogenannten Rückkoppelungseffekt nun auch die sommerliche Eisschmelze weiter antreiben: Weisses Eis strahlt das Sonnenlicht zurück, dunkle Wasserflächen absorbieren es. Weil es nun weniger helles Eis gibt, wird noch mehr Sonnenenergie absorbiert, was Wasser und Luft weiter erwärmt. Dünneres Eis schmilzt zudem schneller. So treibt sich die Klimaerwärmung selber an. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigte, dass das arktische Meereseis bereits um 65 Prozent ausgedünnt wurde.

70 bis 90 Prozent dieser polaren Eisschmelze geht auf den menschgemachten Klimawandel zurück. Die Arktis erwärmt sich – wie auch die Alpen – besonders schnell. „Dieser jüngst gemessene Wert ist ein Warnsignal, denn die Klimaerwärmung stoppt nicht am Polarkreis“, sagt Elmar Grosse Ruse, Klimaexperte beim WWF Schweiz. „Mit dem dramatischen Verlust des Polareises ändert sich auf der ganzen nördlichen Hemisphäre das Klima: Die Sommer werden niederschlagsreicher, die Winter strenger, und die Wetterextreme häufen sich.“

Wir sind nicht nur betroffen, wir sind vor allem auch mitverantwortlich für die Veränderungen in der Arktis, die Natur und Menschen vor Probleme stellen. Mit unseren Treibhausgas-Emissionen tragen wir zur Erwärmung bei und mit unseren Verbrauch von Erdöl und -gas erhöhen wir den Druck, dass auch in der Arktis nach fossilen Energien gebohrt wird. Das muss nicht sein, sagt Elmar Grosse Ruse: „Die Schweiz kann ihre Abhängigkeit von fossilen Energien bis 2050 beenden. Sie tut damit sich und der Welt einen Gefallen.“ Die kürzlich präsentierten Klimaziele des Bundesrats leisten dazu allerdings keinen tauglichen Beitrag: „Mit seiner Klimapolitik bewegt sich der Bundesrat auf gefährlich dünnem Eis, nicht nur für die Arktis.“ Mit einer Petition verlangen der WWF und die weiteren Organisationen der Klima-Allianz Nachbesserung.

Weitere Informationen:

Arktis-Eis 1987 bis 2014 im Video.
WWF Arktis Programm: www.panda.org/arctic

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