© Vnp [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
© Vnp [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Windpark Tällialp: Kein Schutz für bedrohte Vögel?

  • Nicole Wabersky
  • -

Die Windkraft leistet auch in Graubünden einen Beitrag zur Energiewende. Leider weist die Planung für den Windpark Tällialp jedoch noch wesentliche Lücken auf. Die Zeche dafür zahlen geschützte Vogelarten.

Die Umweltorganisationen WWF GR, Pro Natura GRStiftung Landschaftsschutz Schweiz SL-FP und Verband der Bündner Natur- und Vogelschutzvereine stellen das Projekt nicht grundsätzlich in Frage. Sie verlangen aber, dass die Voraussetzungen für die Planung erfüllt und die Umweltverträglichkeit ausgewiesen sind. Daher fechten sie die Rodungsbewilligung an und fordern zuerst Nachbesserungen.

Der Windpark Tällialp am San Bernardinopass ist noch nicht bewilligungsreif. Dafür fehlt der Eintrag im Richtplan und der Nachweis, dass die Anlagen umweltverträglich sind. Trotzdem beantragt die Gemeinde Hinterrhein schon jetzt die Bewilligung für die Rodungen etwa im Umfang eines Fussballplatzes für den Bau der sechs Windanlagen und die Zufahrtsstrassen. Die Umweltorganisationen erheben Einsprache gegen die Rodungen und fordern Nachbesserungen beim Projekt.

Der Piz Uccello am San Bernardinopass deutet es mit seinem Namen an, die ersten Felduntersuchungen für den Windpark bestätigen es: Das Gebiet am San Bernardino ist ein wertvoller Lebensraum für Vögel. Mindestens drei Vogelarten der Roten Liste brüten im Projektperimeter, weitere vier Arten sind potenziell gefährdet.

So auch das Birkhuhn, welches im Projektperimeter mehrere Balzplätze hat und das extrem sensibel auf Störung reagiert. Im Gebiet leben auch der Steinadler und möglicherweise der Uhu. Gerade diese geschützten Vögel gehören bekanntlich zu den Schlagopfern von Windanlagen.

Das Gebiet wird zudem im Herbst und Frühling von den Zugvögeln überflogen. Bei der Planung der bis zu 150 Meter hohen Windanlagen müssen diese Rahmenbedingungen berücksichtigt und Konflikte mit den Vögeln vermieden werden.

Bis heute konnten die Projektanten nicht nachweisen, dass die Windanlagen auf der Tällialp umweltverträglich realisiert werden können. Für diesen Nachweis fehlen umfassende Untersuchungen zu den Zug- und Brutvögeln, sowie zu den Fledermäusen im Gebiet. Im Planungsbericht sind auch keine konkreten Schutzmassnahmen vorgesehen, um die Kollisionsgefahr für Vögel und Fledermäuse zu reduzieren.

Zudem hat es der Kanton bis heute versäumt, Grundlagen für den Ausbau der Windenergie auf Ebene Richtplan zu erarbeiten. So ist unklar, ob die Tällialp aus Sicht des Natur- und Landschaftsschutzes und der Energieproduktion zu den Vorzugsgebieten für Windkraft im Kanton gehört. Ohne diesen Nachweis können die Rodungen für das Projekt nicht bewilligt werden.

Beitrag kommentieren