Lizenz: CC0 Public Domain

Windanlage tötet doppelt so viele Vögel als angenommen

  • Cécile Villiger
  • 7

Kollisionen von Vögeln mit Windenergieanlagen gehören zu den grössten Kritikpunkten bezüglich der Nutzung von Windenergie. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach hat im Auftrag vom Bundesamt für Energie eine Studie zu Schlagopfern an der Windanlage Peuchapatte im Kanton Jura veröffentlicht. Pro Windenergieanlage und Jahr wurden 20,7 tote Vögel festgestellt. Das ist das Doppelte von dem, was derzeit als oberster Schwellenwert diskutiert wird.

Besonders nach dem Nein zur Atomausstiegsinitiative rückt die Energiestrategie 2050 in den Mittelpunkt. Die Schweizer Energieversorgung setzt vermehrt auf erneuerbare Energie statt fossiler und auch atomarer. Die Windenergie ist eine davon. Doch die Windenergieanlagen gehen mit einem Risiko einher: an den Rotoren können Vögel oder Fledermäuse kollidieren und getötet werden, zudem wird naturnaher Lebensraum beeinträchtigt.

Mit der Studie der Schweizerischen Vogelwarte stehen nun für das Kollisionsrisiko erstmals klare Zahlen zur Verfügung. Die drei Windturbinen von Peuchapatte JU, an denen die Studie 2015 durchgeführt wurde, stehen auf einem Hügel in offener Landschaft, den die Vögel problemlos umfliegen können. Die eine Hälfte des Hügels ist landwirtschaftlich intensiv bewirtschaftet, der Abhang gegen Norden bewaldet.

Während bei anderen Projekten von Windanlagen auch gefährdete Brutvögel wie zum Beispiel Birk- oder Auerhühner stark betroffen sind, geht es bei Peuchapatte primär um ziehende Arten. Die Kollisionsereignisse traten aber nicht immer nur bei hoher Zugintensität im Höhenbereich der Windenergieanlagen auf. Dies zeigt, dass der Zusammenhang zwischen Zugintensität und der Anzahl Schlagopfer innerhalb der Zugzeit komplexer ist als bisher angenommen. Die Windanlagen sind auch parallel zur Zugrichtung angeordnet, was Kollisionen verhindern hilft. Dennoch ist die Zahl von 20,7 toten Vögel pro Windenergieanlage und Jahr doppelt so hoch wie der bisher diskutierte oberste Schwellenwert von 10 Schlagopfern. Eine grosse zusätzliche Rolle dürften die witterungsbedingt unterschiedlichen Sichtverhältnisse spielen. Hier müssten weiterführende Untersuchungen ansetzen.

Der Naturverband BirdLife Schweiz verlangt eine deutlich sorgfältigere Planung von Standorten für Windanlagen in der Schweiz. Nicht allein durchziehende Vögel können durch Windanlagen gefährdet werden, sondern vor allem auch bedrohte Brutvögel, die täglich in Gefahr stehen, von den Rotoren getötet zu werden. Zudem können Windanlagen, die am falschen Ort geplant werden, ganze Lebensräume zerstören und bisher naturnahe Flächen durch Störungen entwerten. Die Standortplanung der Nutzung der Windenergie ist entscheidend. Denn die Gefahren für Brutvögel und Lebensräume können nur durch Ausschluss des Baus von Windanlagen in naturnahen Gebieten abgewendet werden. Ein späteres Abschalten von Windanlagen bei starkem Vogelzug kann höchstens das Kollisionsrisiko bei Zugvögeln vermindern, und das auch nur bei solchen, die in Schwärmen ziehen, und nicht bei segelnden Arten wie Greifvögeln. Zudem müssen kumulative Effekte berücksichtigt werden: Ein Zugvogel, der von Norddeutschland nach Spanien zieht, passiert heute Tausende von Windanlagen.

Suisse Eole die Vereinigung zur Förderung der Windenergie in der Schweiz interpretiert die Studien-Ergebnisse komplett verschieden. Suisse Eole gibt «Entwarnung»: Es gäbe nur sehr wenig Vogelkollisionen. Die Vogelwarte Sempach sei von bis zu 1700 möglichen toten Vögeln ausgegangen, diese theoretische Zahl basiert auf einer Studie, die die Vogelwarte vor dem Bau des Windparks Peuchapatte gemacht hätte. Ausserdem wird der Vergleich zu Hauskatzen gezogen, sie würden ja auch gegen zwei Millionen Vögel pro Jahr töten.

Klarheit verschafft Michael Schaad von der Vogelwarte Sempach: «Die Studie vor dem Windparkbau ist mit der aktuellen Arbeit nicht vergleichbar», meldet Schaad im Tagesanzeiger. «Bei den 1700 geht es um die Zahl der kollisionsgefährdeten Vögel, nicht um mögliche tote.»

 

7 Kommentare

  • Ledergerber Josef

    Wie wär’s denn mit Strom sparen? Jeder von uns könnte mithelfen, dass auf dem St.Anton keine 200 Meter hohe Windräder zu stehen kommen. Der Schattenschlag macht Menschen krank, der Infraschall ebenfalls. Mit Windkraftanlagen leben Bodenbesitzer in Deutschland wie Könige. Sie kriegen Abgeltungen von den Grosskonzernen (Stromproduzenten wie die AXPO). Und was verdienen wohl diese? NEIN, das ist falsch, unsere Landschaft zu „demolieren“! Schaut mal, was gerade in der Nähe von Hamburg abgeht unter: https://www.facebook.com/ProBIWAG/ Da werden 200 Meter hohe Windräder gebaut, die Leute können sich am Tage nicht mehr draussen aufhalten, der Schattenschlag macht sie verrückt. Dazu kommt, dass die Windräder ein Geräusch von sich geben, wie Flugzeuge in der Luft. In der Nacht haben die Leute ständig „Blinksignale“ im Schlafzimmer – ganz zu Schweigen vom Infraschall, den die Windräder aussenden. Störche und Vögel werden durch die Windräder regelrecht „geschnetzelt“.

    Antworten
  • Fischer Andreas

    also auf den oberen kommentar , warum so viele autofahren dürfen isst ja mal mist! ohne das würde die wirtschaft zusammenkrachen.. sollen nur noch lkw und busse erlaubt sein???? zum thema zurück! ja katzen sind dann das viel schlimmere übel alds windräder.. multiplukator mal 1 million?! wegen den 17 toten vögel so ein drama! klar isses schade aber dan malbesser bei den katzenhaltern eingreiffen! entweder nur noch hauskatzen! weil katzenbesitzer gegen hundebesitzer ja eh keine steuer zahlen müssen! keiner meiner 3 hunde hat jemals in seinem leben einem anderen tier schmerzen zugefügt. katzen spielen sogar noch mit der beute lassen sie leiden und qualvol sterbend zurück! also wen tierschutz dan katzenverbot! oder auch seuern zahlen lassen diesesgeld der vogelwarte sempach gegeben oder anderen instititionen und diese mit dem geld wieder vögel zu züchten oder futterstationen zu errichten was die überlebensrate erhöht von den kleinen gefiedrten tierchen… auch würden vogelschreckanlagen und vogel abschrekungen mit licht das risiko einer kollision nicht verringern? aber die technik iss sichernoch nicht so weit.. obwohl bauern schon jahrzente jarhunderte mit geräuschen vögel von den feldern abhalten! für jedes problem gibbt es eine lösung! wen man sein gehirn einschaltet!

    Antworten
  • Cornelia Stettler

    Wir opfern Naturschutzgebiete für den Abbau von Uran in anderen Ländern und nehmen gesundheitliche Schäden im Umfeld der Minen in Kauf statt zu handeln. Wo ist da der Massstab?

    Sofort handeln. Weniger Strom konsumieren und auf erneuerbare Energie umstellen. Natürlich mit möglichst wenig toten Vögeln und so gut wie möglich integriert in die Landschaft.

    Antworten
  • Ferdi Projer

    Windanlagen am rechten Ort eingesetzt und Solarstrom sind ein Teil der Energiepolitik. Die Standorte der Windräder müssen sorgfältig ausgewählt werden. Atomkraftwerke sollten abgestellt werden, wir sind nicht imstande die Abfälle in der Schweiz einzulagern, ins Ausland schieben ist keine Lösung.

    Antworten
  • Corinne

    Guten Tag
    Ich denke wirklich sehr grün und links aber ich frage mich, warum millionen Schweizer ungestört Auto fahren und Katzen halten dürfen (beides sehr hohe Todesfallzahlen für Vögel) währenddem Windenergieanlagen mit allen möglichen Mitteln bekämpft werden. Geht es nicht auch um die Förderung von alternativen Energiemöglichkeiten für die nächsten paar hundert Jahre? Ist Atomstrom wirklich das Beste? Muss man nicht irgendwo mal beginnen mit Neuem (bsp Windenergie) evtl mit Abstrichen? Auch da kann es ja wieder Innovationen geben & Ideen, um die Vögel besser zu schützen…
    Gruss

    Antworten
  • Andreas Appenzeller

    Mathematik ist eine Sache für sich. Wie kann man nur Zahlen so verdrehen!
    Vor dem Bau der Anlagen in Le Peuchapatte ging die Vogelwarte Sempach von bis zu 1’700 toten Vögeln pro Anlage aus, nun wird nachgewiesen, dass es „nur“ 20 sind. Das ist ein Faktor von 85 weniger als angenommen!

    Antworten
    • Cécile Villiger

      Sehr Geehrter Andreas Appenzeller,

      Vielen Dank für den Hinweis.
      Die Anzahl 1700 basiert auf einer nicht relevanten Studie. Die Vogelwarte Sempach ist nie davon ausgegangen, dass 1700 sterben würden, sondern dass so viele kollisionsgefährdet sein könnten. Ich habe die Information dem Artikel angefügt.


Beitrag kommentieren