Windkraft, Solarenergie, Sonne, Windrad

Wind und Sonne im Abseits

  • Nora Kieselbach
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Die Schweizerische Energie-Stiftung SES hat untersucht, wo die Schweiz im Vergleich mit umliegenden Ländern bei der Produktion von neuen erneuerbaren Energien steht. Das Resultat ist klar: Die Schweiz liegt – weit abgeschlagen – auf dem letzten Platz, wie die SES mitteilt.

Schweizerinnen und Schweizer sehen sich gerne als innovatives und fortschrittliches Volk: auf unser gut ausgebautes öffentliches Verkehrssystem oder auf eine der höchsten Alu-Recyclingquoten darf man auch durchaus Stolz sein. Der Strommix ist ebenfalls positiv: Dank der Pionierleistung einiger Schweizer in der Vergangenheit besteht er heute zu 55 Prozent aus Wasserkraft. Seither hat sich jedoch wenig getan: Weniger als 1 Prozent des Stroms besteht heute aus neuen erneuerbaren Energien wie Solar- und Windkraft.

Der Pioniergeist ist längst verflogen, hat sich doch die Schweiz in den letzten Jahren immer mehr ins Abseits manövriert; bei den neuen erneuerbaren Energien wie Photovoltaik und Windkraft markiert sie gar das Schlusslicht im europäischen Vergleich. So liegt beispielsweise Belgien, ein Land, das in letzter Zeit nicht mit politischer Stabilität glänzte, nach Deutschland und Italien auf Platz drei im Gesamtranking. Sogar das einige Breitengrade nördlicher als die Schweiz gelegene Tschechien produziert pro Einwohner 10mal mehr Strom aus Sonnenenergie als die Schweiz. Und auch Luxemburg lässt uns links liegen: Trotz ähnlich hoher Bevölkerungsdichte produziert das Binnenland rund 12mal mehr Windstrom pro Kopf.

In der Schweiz stehen pro Einwohner rund 25 Quadratmeter (m2) Dachfläche zur Verfügung, die sich für eine solare Nutzung eignen. Würde auch nur knapp die Hälfte davon genutzt, so könnte ein Viertel des Schweizer Strombedarfs mit Photovoltaik gedeckt werden. Bis 2035 müssten jährlich 0,6m2 pro Einwohner auf die Dächer geschraubt werden. Wenn du herausfinden möchtest, wieviel Solar-Strom auf deinem Dach produziert werden könnte – das Online-Tool Wir Solarmacher hilft.

Um den Stromverbrauch decken zu können, muss die Produktion des Atomstroms mit erneuerbaren Energien und Stromeffizienz ersetzt werden. Der Zubau der neuen Erneuerbaren wird durch die Politik jedoch bis anhin künstlich blockiert. Würde aber die kostendeckende Einspeisevergütung KEV „entdeckelt“, so könnte die Warteliste abgebaut und in reale Stromproduktion umgewandelt werden. Mit Stand vom 27. September 2012 stehen zurzeit bereits 19’328 Photovoltaik- und 509 Windprojekte mit einem Produktionspotenzial von knapp 3 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr auf der Liste. Das entspricht der Jahresproduktion des AKW Mühleberg!

Die Schweizerische Energie-Stiftung SES fordert die Schweizer Politik und die Stromwirtschaft daher ausdrücklich auf, beim Zubau erneuerbarer Energien endlich vorwärts zu machen. Wir wollen nicht das Schlusslicht bleiben!

Weitere Informationen

Schweizerische Energie-Stiftung SES

Bild: Gunnar Ries [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

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