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Wildtier-Friedhöfe vermeiden

  • Nicole Wabersky
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Laut Jagdstatistik kommen in der Schweiz jährlich rund 2’000 Rehkitze in den Monaten Mai und Juni durch Mähmaschinen ums Leben. Die Dunkelziffer dürfte erheblich höher liegen. Neben Rehkitzen werden aber auch Junghasen, Gelege seltener bodenbrütender Vögel wie der Feldlerche oder dem Wachtelkönig, sowie Abertausende Wild- und Honigbienen Opfer der Mähmaschinen.

Mäharbeiten bedrohen in erster Linie Rehkitze, die den Tag alleine, dank ihres gefleckten Fells bestens getarnt, auf einem Lager im hohen Gras verbringen. Bei Gefahr ducken sich die Kitze tief ins Gras und verharren regungslos. Es ist eine Überlebenstaktik, die ins Unglück führt. Wie ist zu verhindern, dass Wiesen zum Wildtier-Friedhof werden?

Jedes warmblütige Lebewesen strahlt Wärmeenergie aus, die von einem Infrarot-Detektor festgestellt werden kann. Diesen Umstand macht sich der sogenannte Infrarot-Wildretter zunutze. Das Gerät wird mit Vorteil am frühen Morgen eingesetzt, wenn sich die Körperwärme der Jungtiere noch deutlich vom kalten Erdboden abhebt. Mit einer teleskopartig auf 5.5 Meter Breite ausgezogenen Stange, an der Sensoren befestigt sind, schreiten die Anwender das Feld ab. Entdeckt ein Sensor eine Wärmequelle, ertönt ein akustisches Warnsignal. Infrarot-Suchgeräte haben sich in den letzten zehn Jahren gut bewährt. Der Schweizer Tierschutz STS ruft daher dazu auf, die Jungwildsuche wo immer möglich infrarotgestützt durchzuführen.

Noch recht neu ist die Suche nach Rehkitzen mittels „Drohnen“ (ferngesteuerten Multikoptern). Die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL hat die Effizienz dieser Methode in einem kürzlich abgeschlossenen Forschungsprojekt nachweisen können und ist nun bestrebt, die Methode in die Praxis umzusetzen.

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