Das Bild zeigt eine Erfindung der ZHAW: Vor einem Maisfeld steht der sogenannte Wildschweinschreck.
Forscher der ZHAW haben mit dem Wildschweinschreck eine akustische Methode entwickelt, um Wildschweine von Feldern fernzuhalten und Schäden zu verhindern. © ZHAW

Wildschweinschäden mit akustischer Methode verhindern

  • Stefanie Wermelinger
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ZHAW-Forschende haben eine akustische Methode entwickelt, um Wildschweine von Feldern fernzuhalten und so Schäden zu verhindern. Der sogenannte Wildschweinschreck wurde getestet und mit konventionellen Präventionsmethoden verglichen. Zusammen mit diesen Erkenntnissen ist nun ein nachhaltiges Wildschweinmanagement möglich.

Der an der ZHAW entwickelte Wildschweinschreck verwendet Alarm- und Warnrufe von Wildschweinen, um sie von Feldern fernzuhalten. Zusätzliche Geräusche, die von den Tieren mit Gefahr in Verbindung gebracht werden, erhöhen die Variabilität. Da bisherige Methoden oft wenig wirksam, aufwändig und teuer sind, haben die Forschenden zudem – mit elektrischen Zäunen und jagdlichen Mitteln – zwei klassische Präventionsmethoden geprüft.

Die Wirksamkeit dieser drei Methoden wurde nicht nur über die gemessene Schadenszunahme evaluiert, sondern auch anhand des Raumverhaltens der Wildschweine. Dazu wurden in den Testgebieten Fanel – ein Naturschutzgebiet am Neuenburgersee –, Klingnauer Stausee und oberes Fricktal über hundert Wildschweine gefangen und markiert. Davon wurden 36 Wildschweine mit GPS-GSM-Senderhalsbändern ausgestattet und ihr Raumverhalten dokumentiert. Zusätzlich wurden die Schäden auf den Feldern mit Hilfe von Drohnenluftbildern ermittelt. Die damit gewonnenen Erkenntnisse dienen als Basis für ein nachhaltiges Wildschweinmanagement, wie die ZHAW berichtet.

Schäden in Millionenhöhe

Aufgrund einer aussergewöhnlich hohen Fortpflanzungsrate und eines reichhaltigen Nahrungsangebotes wächst der Wildschweinbestand in der Schweiz seit Jahrzehnten und wird auch in Zukunft zunehmen. Mit der wachsenden Population steigen auch die Schäden. «Wir wissen noch viel zu wenig über Wildschweine, aber sie sind clever, anpassungsfähig und weichen dem Jagddruck aus», sagt Stefan Suter von der Forschungsgruppe Wildtiermanagement der ZHAW. Erschwerend dazu kommt die Tatsache, dass die Wildschweinjagd in vielen Gebieten – etwa in Wasser- und Zugvogelreservaten, Naturschutz- und Jagdbanngebieten und Städten – nicht möglich oder erschwert ist. Seit 2013 sucht Suter deshalb nach neuen oder verbesserten Methoden, um die Tiere von Mais-, Kartoffeln-, Raps- und anderen Feldern fern zu halten. Der Wildschweinschreck soll nun dazu beitragen. Er besteht aus zwei batteriebetriebenen Lautsprechern, welche über eine Steuerungsbox Lautkombinationen zufällig in unterschiedlich langen Zeitintervallen abspielen. Ein integrierter Lichtsensor schaltet das Gerät bei Sonnenuntergang ein und bei Sonnenaufgang aus.

ZHAW Forscher Stefan Suter kniet in einem Maisfeld und betrachtet Schäden von Wildschweinen.
ZHAW-Forscher Stefan Suter betrachtet Wildschweinschäden, welche sich schweizweit auf mehrere Millionen Franken pro Jahr belaufen. © ZHAW

Keine Methode absolut sicher für Landwirtschaft

Der Vergleich zeigt, dass keine der untersuchten Präventionsmethoden einen absoluten Schutz vor Wildschweinschäden bietet. Auf Feldern mit Präventionsmethoden fallen die Schäden jedoch signifikant kleiner aus als auf Feldern, die nicht geschützt werden. «Mit dem akustischen Wildschweinschreck gibt es nun eine zusätzliche, flexible und intelligente Präventionsmethode», so der Forscher. Diese eignet sich vor allem für die kritischen Phasen unmittelbar nach der Aussaat sowie während der Milchreife von Mais und Weizen. Zusätzlicher Jagddruck erhöht die Wirksamkeit der Präventionsmassnahmen. Bei sogenannten Vergrämungsabschüssen wird ein Jungtier einer Wildschweingruppe geschossen, damit diese den Ort künftig meidet. So werden zwar Wildschweine von Feldern ferngehalten, auf denen die Abschüsse stattgefunden haben. Sie lassen sich damit aber nicht nachhaltig in den Wald vertreiben und von landwirtschaftlichen Kulturen fernhalten. Elektrische Zäune könnten die Tiere abhalten, dazu müssen sie aber stabil gebaut und gut unterhalten werden.

Jagdliche Mittel reichen nicht

Gemäss Stefan Suter können die Herausforderungen im Wildschweinmanagement nicht allein mit jagdlichen Mittel gemeistert werden. Für ein erfolgreiches Wildschweinmanagement sei in Zukunft ein ganzheitlicher Ansatz wichtig. Denn mit Präventionsmethoden lässt sich der einfache Zugang zu energiereicher Nahrung erschweren und damit das Populationswachstum beim Wildschwein begrenzen. «Mit den Vergütungen, welche Bauern für Wildschweinschäden von Kanton erhalten, werden sozusagen Wildschweine gezüchtet. Wenn der Schaden sowieso bezahlt wird, fehlt so die Motivation einen Mehraufwand für die Prävention zu betreiben», sagt Suter. Daran würde auch die Jagd kaum etwas ändern. In Gebieten mit hohem Wildschweindruck sollte zusätzlich auf alternative Kulturen wie Sudangras oder Durchwachsene Silphie, welche von Wildschweinen verschmäht werden, ausgewichen werden. «Innovative Landwirte haben auch schon damit begonnen diese anzupflanzen. Landwirte, die dabei ein Risiko eingehen und Neues probieren wollen, sollten dafür auch Unterstützung bekommen», ist Suter überzeugt.

Ein Video der ZHAW hat das Projekt «Wildschweinschreck» zusammengefasst. Hier hören Sie auch wie der Wildschweinschreck klingt:

Weitere Informationen über das Projekt «Wildschweinschreck» finden Sie hier.

 

1 Kommentar

  • Uwe Scheibler

    … und was hat das, bitte schön, mit Naturschutz zu tun?
    Die sogenannten „Schäden“ resultieren im Wesentlichen durch eine Zunahme der Mais-Monokulturen, wegen der immer grösseren Schläge und wegen des Verschwindens von landschaftlichen Kleinstrukturen. Im Klartext: Durch die industrielle Agrarwirtschaft. Da diese ein anti-nachhaltiges System darstellt, ist der Versuch, innerhalb ein nachhaltiges Wildschwein-Management zu etablieren, schon grundsätzlich zum Scheitern verurteilt.
    Mit nachhaltigen Landnutzungsformen würde das Problem in dieser Form gar nicht entstehen. Ändern muss sich also die Landwirtschaft, nicht die armen Schweine.

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