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Wie viel Pestizid verträgt ein Apfel?

  • Judith Schärer
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Unter dem Titel „Pestizide – ein bisschen ist zu viel“ publiziert Greenpeace einen neuen Bericht zu Agrargiften auf europäischen Äpfeln. SWISSCOFEL, der Verband des Schweizer Früchte-, Gemüse und Kartoffelhandels kritisiert, dass Greenpeace mit ihrer Mitteilung bei den Konsumenten ganz bewusst Angst und Verunsicherung schüren will.

Für die Studie hat Greenpeace in elf europäischen Ländern 126 Proben von Tafeläpfeln in verschiedenen Supermarktketten eingekauft. 17 dieser Proben stammen der Produktauszeichnung zufolge aus biologischem Anbau. Die Proben hat ein unabhängiges Labor in Deutschland anhand einer Multirückstandsmethode analysiert; damit kann ein breites Spektrum an Pestiziden und ihren Abbauprodukten nachgewiesen werden.

Von den 109 Apfelproben aus konventionellem Anbau enthielten 91 (83 %) einen Wirkstoff oder mehr nachweisbare Rückstände. Bei den Äpfeln aus biologischem Anbau ließen sich bei keiner einzigen Probe nachweisbare Rückstände feststellen. Die am häufigsten nachgewiesenen Wirkstoffgruppen waren Fungizide (20) und Insektizide (16). Zwei der nachgewiesenen Pestizide (Diphenylamin und Ethirimol) sind derzeit in der EU nicht zur Anwendung zugelassen. In vielen Fällen ist eine klare und umfassende Analyse möglicher Gesundheitsfolgen nicht möglich, da die verfügbaren Daten zur Bewertung der Gesundheitsrisiken von Pestiziden erhebliche Lücken aufweisen.

Philippe Schenkel, Agrarexperte bei Greenpeace Schweiz sagt: «Der hohe Pestizideinsatz der industriellen Landwirtschaft reduziert die Biodiversität, gefährdet unsere Gesundheit und hinterlässt einen Chemie-Cocktail in unseren Lebensmitteln. Es ist höchste Zeit an einem Pestizid-Ausstiegsplan zu arbeiten und den KonsumentInnen nachhaltig produzierte, gesunde Lebensmittel anzubieten.»

Schweizer Äpfel seien völlig unbedenklich

Von Seiten des SWISSCOFEL (Verband des Schweizer Früchte-, Gemüse und Kartoffelhandels) weht ein anderer Wind. Geschäftsführer Marc Wermelinger kritisiert, dass Greenpeace mit ihrer Mitteilung bei den Konsumenten ganz bewusst Angst und Verunsicherung schüren will und dazu auch Zweifel an den staatlichen und privaten Kontrollen sowie an der Sicherheit der Früchte streut.

Fakt sei, dass der Handel in der Schweiz allein in den letzten 12 Monaten mehr als 1500 Laboranalysen auf inländischen und importierten Früchten und Gemüse durchgeführt habe. Die Ergebnisse zeigten, dass bei rund 120‘000‘000 kg Tafeläpfeln, die jährlich in der Schweiz konsumiert wurden, lediglich eine einzige Überschreitung eines gesetzlichen Grenzwertes festgestellt wurde. „Angstmacher sind schlechte Ratgeber“, findet Wermelinger. „Tafeläpfel sind sicher und gesund für Gross und Klein und für Alt und Jung“, ist er sich sicher.

Man müsse bedenken, dass moderne Analyseverfahren und Laboratorien heute immer und überall auch die allergeringsten Spuren feststellen können. Entscheidend für die Bewertung sei jedoch die Menge eines vorhandenen Wirkstoffs. Die gefundenen Rückstände seien so gering, dass sie für die Konsumenten kein Risiko darstellen. Die gesetzlichen Höchstmengen haben einen hundert- bis tausendfachen Sicherheitsfaktor. Fälle mit überhöhten Rückständen seien auch für SWISSCOFEL auf keinen Fall akzeptabel. Damit Höchstmengen seltener überschritten werden, arbeite der Früchte- und Gemüsehandel eng mit den Obstproduzenten und allen Partnern in der Lebensmittelkette zusammen.

Die Behauptung, die Schweizer Landwirtschaft sei „chemie-intensiv“ ist aus Sicht von SWISSCOFEL völlig haltlos. Noch nie wurden im Obstbau Pflanzenschutzmittel so sorgfältig und zielgenau eingesetzt wie heute, schreibt der Verband. Die Anzahl der verfügbaren Mittel sei zwar grösser geworden, dafür wirkten sie viel gezielter, seien dadurch umweltschonender geworden und würden sparsamer eingesetzt. Die Landwirte seien heute sensibilisiert für das Thema und vor allem bestens ausgebildet.

„Ein vollständiger Ausstieg aus dem Pflanzenschutz, wie das Greenpeace fordere, ist in der Schweiz allerdings unmöglich, sowohl für die Bio- als auch für die konventionelle Apfelproduktion“, schreibt SWISSCOFEL.

1 Kommentar

  • Ferdi Projer

    In der Lebensmittel-Herstellung geht es schon lange nicht mehr um die Gesundheit der Konsumenten. Es geht nur darum dass Bosse und deren Schergen riesige Profite einsacken und stehlen, die Chemie-Konzerne, die Banken und viele andere machen es vor!

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