© Takeshi Kuboki [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
© Takeshi Kuboki [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Wie reagieren Tiere auf eine Sonnenfinsternis?

  • Mélanie Guillebeau
  • 1

Am Montag 21. August wurde es in Teilen Nordamerikas düster – und dies am helllichten Tag. Grund für dieses Phänomen war eine Sonnenfinsternis. Gemäss verschiedener Beobachtungen geht dieses Ereignis an Tieren nicht ohne (kurzfristige) Folgen vorbei. Das Spektakel in Nordamerika soll helfen, schlüssige Erkenntnisse in diesem Bereich zu gewinnen. 

Am 21. August hat manch Bewohner Nordamerikas seinen Blick für einige Minuten gen Himmel gerichtet, um mitzuverfolgen, wie sich der Mond vor die Sonne schob. In einigen Teilen der USA konnte man gar eine totale Sonnenfinsternis beobachten, bei der die Umgebung komplett in Dunkelheit gehüllt wurde und die Temperatur um einige Grad sank. Doch wie reagieren Tiere in den betroffenen Regionen, wenn für kurze Zeit plötzlich die „Nacht“ regiert?

Sonnenfinsternis beeinflusst Tagesrhythmus

Von vergangenen Sonnenfinsternissen gibt es eine begrenzte Sammlung an Anekdoten und Beobachtungen, die das Verhalten der Tiere während der plötzlich einbrechenden Dunkelheit beschreiben. Wie DIE ZEIT berichtete, hatte Klaus Reiter der Technischen Universität in München das Verhalten von Nutztieren während der totalen Sonnenfinsternis im Jahr 1999 beobachtet. Das damalige Spektakel war in grossen Teilen Europas während rund zwei Minuten sichtbar.

„Die Sonnenfinsternis signalisiert den Tieren eine beginnende Nacht und wirkt sich kurzfristig auf ihren Rhythmus aus“, sagt Klaus Reiter der Technischen Universität in München gegenüber der Zeitung DIE ZEIT.

Tagaktive Tiere verunsichert

Aufgrund seiner Untersuchungen folgerte Reiter damals, dass Tiere unterschiedliche Strategien hätten, mit der plötzlichen Dunkelheit umzugehen. Er berichtete von Pferden, die deutliche Anzeichen von Stress zeigten. Anderen Artgenossen hingegen zeigten zwar erhöhte Herzfrequenzwerte auf, die sich aber nicht in ihrem Verhalten widerspiegelten.

Bis jetzt waren vor allem Reiherenten vom Virus betroffen. | © Donald Hobern, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr
Bei der Sonnenfinsternis im Jahre 1999 versammelten sich einige Enten in der Teichmitte, andere wiederum bereiteten sich auf die anscheinend bevorstehende Nachtruhe vor. (Symbolbild) | © Donald Hobern, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr

Weiter hielt Reiter fest, dass die Enten sich in der Teichmitte versammelten – offensichtlich auf der Suche nach Schutz. Und auch hier gab es Individuen, die kaum Stress zeigten, sondern sich stattdessen auf die „bevorstehende“ Nacht einstellten: die Tiere verstummten und bewahrten Ruhe.

Anhaltende Verwirrung?

Ähnliche Beobachtungen hatte die Tierschützerin Shirley Cormack 2001 während der Sonnenfinsternis in Simbabwe gemacht. In einem Interview mit SPIEGEL ONLINE schildert Sie Ihre Erfahrungen wie folgt:

„Die Tiere reagierten, als sei urplötzlich die Dämmerung eingebrochen: Zikaden und Vögel verstummten; stattdessen schwirrten Mücken durch die Luft. Schmetterlinge falteten ihre Flügel zusammen und setzten sich zur Nachtruhe. Die Nilpferde reckten wie auf Kommando ihre Köpfe aus dem Wasser und begannen, ihre behäbigen Leiber an Land zu wuchten, um grasen zu gehen.“

Haben SIe ein tolles Vogelbild geschossen? Machen SIe mit! | © Daniel Jolivet, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr
2001 hat man in Simbabwe miterlebt, dass während der Sonnenfinsternis Vögel und Zikaden verstummten. (Symbolbild) | © Daniel Jolivet, [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Cormack bemerkte zudem, dass die Verwirrung auch am Folgetag noch anhielt. So hätten die Schmetterlinge ihre Flügel mit dem wiederkehrenden Sonnenschein nicht wieder entfaltet. Und selbst am nächsten Morgen seien die Nilpferde noch nicht ins Wasser zurückgekehrt. Diese Beobachtungen widersprechen sich mit den Erfahrungen Reiters, der darauf hinwies, dass die Tiere mit der Rückkehr des Sonnenlichts wieder ihre „normalen“ Verhaltensweisen zeigten. Erst weitere Untersuchungen werden zeigen, ob eine Sonnenfinsternis tatsächlich anhaltende Verwirrung stiftet oder dies gar je nach Art verschieden sein mag.

Nachtaktive Tiere werden aktiv

Für nachtaktive Tiere ist eine totale Sonnenfinsternis ein Anzeichen für den Start ihrer aktiven Tageszeit. So berichtete Wolfgang Fiedler, Forscher am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell, dass in Mexiko während einer Sonnenfinsternis Fledermäuse gesichtet wurden, die sich zur nächtlichen Nahrungssuche aufmachten. Ebenfalls erzählt man sich, dass Grillen, die ebenfalls mehrheitlich nachtaktive Gesellen sind, während einer totalen Sonnenfinsternis ihre Zirpkonzerte starteten.

Die Grosse Hufeisenase | © F. C. Robiller / naturlichter.de, [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons
Nachtaktive Tiere scheinen, gemäss ihrem Tagesrhythmus, während einer Sonnenfinsternis aktiv zu werden: Fledermäuse wurden beobachtet, wie sie sich flügelschlagend auf Nahrungssuche machten. (Symbolbild) | © F. C. Robiller / naturlichter.de, [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Neue Erkenntnisse dank Citizen-Science-Projekt?

Bisher bestehen viele einzelne Beobachtungen und Anekdoten zum Verhalten der Tiere während Sonnenfinsternissen, jedoch hat die Wissenschaft diesbezüglich noch keinen Konsens erlangt. In einem Citizien-Sciecen-Projekt möchte man in den USA erstmalig breit abgestützte und schlüssige Daten erheben. Nach Berichten von IFL Science konnten Anwohner mithilfe einer Handy-App das Verhalten von Tieren vor, während und nach der Sonnenfinsternis festhalten. Die Initianten des Projekts erhoffen sich mit den gesammelten Daten, bestehende Anekdoten zu untermauern oder gar neue Verhaltensmuster breit abstützen zu können.

1 Kommentar


Beitrag kommentieren