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Wie geht’s zur 2000-Watt-Gesellschaft?

  • Eliane Küpfer
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Vor fünfzehn Jahren entwickelten ForscherInnen der ETH Zürich ein energiepolitisches Modell, das eine wachsende Erdbevölkerung mit Energie versorgen und gleichzeitig die Umwelt schonen könnte. Durch effiziente Technologien und Prozesse sollten die Industrieländer ihren Energieverbrauch auf 2000 Watt pro Bewohner – den weltweiten Mittelwert – reduzieren, schreibt die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt. Die frei werdenden Ressourcen könnten dann helfen, Armut und Hunger weltweit zu bekämpfen, und zwar ohne eine Minderung des Lebensstandards für die westlichen Länder.

Die Stadt Basel dient als Pilotregion und die ZürcherInnen sprachen sich 2008 an der Urne dafür aus, die 2000-Watt-Gesellschaft anzustreben. Gleichzeitig mit dem Stromverbrauch soll auch der Ausstoss von Treibhausgasen reduziert werden, auf das Äquivalent einer Tonne CO2 pro Person und Jahr. Trotz stetig steigendem Umweltbewusstsein und effizienter gewordener Technik, liegt der aktuelle Energieverbrauch der SchweizerInnen deutlich über dem Nachhaltigkeitsziel.

Dominic Notter und Hans-Jörg Althaus von der Empa und Reto Meyer von der ETH Zürich haben deshalb eine Studie durchgeführt, die den ökologischen Fussabdruck der Schweiz „bottom-up“, also vom Individuum ausgehend betrachtet. Die Forscher hofften, Haushalte zu finden, die die Kriterien der 2000-Watt- Gesellschaft bereits erfüllen um daraus Strategien für die Nachhaltigkeit ableiten. Die Ergebnisse waren ernüchternd: Von 3369 befragten Haushalten erfüllte kein einziger die Bedingungen der 2000-Watt-Gesellschaft. Gerade mal zwei Prozent der Befragten lagen unter der 2000-Watt-Schwelle – bei einem Durchschnittswert von 4200 Watt. Wichtig ist dagegen, dass sparsame Haushalte in allen Einkommenskategorien anzutreffen sind. Verbrauchen Haushalte mit einem überdurchschnittlichen Einkommen bloss 2 kW an Energie, ist das Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft erreichbar: Denn ein geringer Energieverbrauch bei hohem Lebensstandard ist möglich.

Doch wo lässt sich Energie einsparen?
Rund ein Viertel der Energie wird als Elektrizität verbraucht, der Grossteil davon fliesst in Heizung und in Mobilität. Bei den sparsamsten Haushalte war die beheizte Fläche pro Person niedrig und die Mobilität ebenfalls sehr zurückhaltend. Mit  sparsameren Geräten allein lässt sich der Gesamtverbrauch also nicht reduzieren. Im Wohn- und Mobilitätsverhalten sehen die Forscher dann auch am meisten Verbesserungspotenzial. Gerade in Niedrigenergiehäusern sei die beheizte Fläche pro Person zu gross. Mobilität, vor allem mit Auto und Flugzeug, sorgt für beinahe die Hälfte der Treibhausgasemissionen und eine starke Umweltbelastung.

Aber auch ein Verzicht ist unumgänglich, denn ein nachhaltiger Lebensstil zeichnet sich durch Genügsamkeit aus: Zwar können wir unsere Lebensqualität beibehalten, doch auf Extravaganz muss verzichtet werden. Zudem braucht es eine gute Planung beim Atomausstieg und damit verbundenen Umstieg auf erneuerbare Energiequellen. Dazu gehören eine intelligente Stadtplanung, aber auch politische Massnahmen, die umweltfreundliches Verhalten fördern. Durch einen kleineren beheizten Wohnraum, beschränkte Mobilität und Vermeidung von übermässigem Konsum von Gütern und Dienstleistungen könne laut Notter jeder seinen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.

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