Wie gefährlich sind Nanopartikel?

  • Redaktion Naturschutz
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Auf dem Monte Verità trafen sich vor kurzem mehr als 100 Wissenschaftler aus aller Welt, um auf Einladung der Empa über die Auswirkungen synthetischer Nanopartikel auf die Umwelt zu diskutieren. So auch über eine neue Empa-Studie, die zu folgenden Schlüssen kommt: Je nach Art der Partikel und ihrer Verwendung sind vor allem kleinere Fliessgewässer mit hohem Abwassereintrag von den Nanopartikeln betroffen; in Luft und Boden werden von den in der Studie untersuchten Nanopartikeln dagegen nur geringe Mengen vorausgesagt.
«Natürlich ist es noch viel zu früh, um abschliessend zu beurteilen, ob Nanopartikel ein Umweltproblem darstellen oder nicht», sagt Bernd Nowack von der Empa. Trotzdem wurden am Treffen erste konkrete Ergebnisse präsentiert. Um den Fachleuten einen ersten Anhaltspunkt zu liefern, in welchen Umweltproben es sich «lohnen» dürfte, nach synthetischen Nanopartikeln zu suchen, haben die wissenschaftlichen Empa-Mitarbeitenden Bernd Nowack und Nicole Müller Stoffflüsse für drei Nanopartikel simuliert. Die berechneten Risiken für die verschiedenen Nanopartikel unterscheiden sich deutlich. So stellen etwa Carbon Nanotubes (CNTs) gemäss Modellrechnung derzeit kein relevantes Umweltrisiko dar. Dagegen ergaben die Simulationen, dass TiO2-Nanopartikel in kleinen, stark mit ARA-Einflüssen belasteten Fliessgewässern durchaus in grösseren Mengen auftreten könnten. Hier seien nun genauere Analysen gefordert.
Auch verschiedene toxikologische Studien an Zellen und Organismen wie Fischen, Wasserflöhen, Algen und Bakterien wurden präsentiert. «Ein gravierendes Umweltproblem mit Nanopartikeln sieht zum jetzigen Zeitpunkt keiner», fasst Bernd Nowack die Ergebnisse zusammen. Allerdings seien bislang lediglich akute Effekte untersucht worden. «Ergebnisse aus Langzeitstudien liegen noch nicht vor.» Zudem zeigte der Empa-Forscher Harald Krug eindrücklich, dass die derzeit gängigen Tests zur Bestimmung der Toxizität von Nanopartikeln nicht immer verlässliche Aussagen erlauben.
Empa- und Eawag-Forscher sind derzeit daran, gemeinsam ein «Nanopartikel-Labor» mit neuen Analysenverfahren aufzubauen. (sb)

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