Schneekanone

Wettrüsten um die Kunstschnee-Produktion

  • Monika Jung
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SchneekanoneIn der Schweiz geht das Wettrüsten um die Produktion von Kunstschnee weiter. Anstatt immer neue Schneekanonen zu fordern, müssen sich Wintertourismusorte in den Alpen vermehrt auf Winter mit weniger Schnee einstellen, postuliert der WWF St. Gallen. Das Minimum sei aber, den immensen Energieverbrauch durch den Einsatz von erneuerbarer Energie zu kompensieren, wie dies in der Skiregion Sattel-Hochstucki vorgesehen ist.

In den Alpen werden heute 24’000 Hektaren Skipisten mit jährlich rund 95 Millionen Kubikmeter Wasser beschneit. Dies entspricht dem Jahresverbrauch einer Stadt mit 1,5 Millionen Einwohnern. Um nur einen Quadratmeter Skipiste zu beschneien, werden mehrere hundert Liter Wasser benötigt. Um den Durst der Kanonen zu stillen, werden immer grössere Speicherbecken gebaut. Dazu kommen Wasser-, Luft- und Stromleitungen, die ebenfalls verlegt werden müssen. Nebem den empfindlichen Eingriffe in die Landschaft und dem grossen Wasserbedarf in einer trockenen Jahreszeit ist auch der Energiebedarf für die künstliche Beschneiung riesig. Martin Zimmermann, Geschäftsführer des WWF St. Gallen bedauert: „Die Schneekanonenbetreiber meinen, dass wegen der Klimaerwärmung immer mehr Schneekanonen eingesetzt werden müssen. Andererseits ist Energie nicht ohne CO2-Ausstoss zu bekommen, was wiederum zu einer weiteren Klimaerwärmung führt. Das ist ein Teufelskreis.“

Auch die Alpenflora wird beeinflusst. Die höheren Temperaturen verleiten die Betreiber dazu, Schneezusätze beizufügen. Diese haben auch Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum. Hochspezialisierte Pflanzen und Magerwiesen haben weniger Chancen zu überleben. Es gibt auf beschneiten Pisten eine Tendenz hin zu Fettwiesen. Eine Kunstschneedecke schmilzt im Frühjahr bis zu drei Wochen später als auf einer normalen Wiese. Die unnatürlich grosse Menge an Schmelzwasser führt ausserdem im Frühjahr zu verstärkter Erosion und Vernässung von Alpweiden. Hinzu kommt der Lärm von bis zu 115 Dezibel bei Hochdruckanlagen, welcher das Wild erheblich stört. Denn dieser Wert ist vergleichbar mit jenem eines Presslufthammers.

Immerhin gibt es positive Beispiele die aufzeigen, wie man wenigstens den Energieverbrauch senken könnte. Im Skigebiet Sattel-Hochstucki (SZ) steht seit Anfang Dezember eine Kleinwindanlage als Demonstrationsobjekt. Ziel ist es, mit dem Ausbau der Windenergie-Produktion, den Strom selber zu produzieren. Und im Toggenburg steht sogar eine solarbetriebene Gondelbahn, welche Wildhaus mit der Alp Gamplüt verbindet. Dennoch hält Martin Zimmermann vom WWF St. Gallen fest: „Anstatt weiter auf den Ausbau der Skigebiete zu setzen, sollten sich Skigebiete unter 1500 Meter auch in der Ostschweiz überlegen, wie sie in einen zukunftsträchtigen Tourismus investieren können, der nicht von Ressourcen verschlingenden Skianlagen abhängt.

WWF St. Gallen

1 Kommentar

  • Hans Brunold

    Interessant wäre zu erfahren, wieviel Energie schweizweit verbraucht wird für die Beschneiung der Skipisten mit Kunstschnee und für die Betreibung von Kunsteisbahnen?
    Hans Brunold

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