© Patrick Nouhailler, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr
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Wettrüsten der Skigebiete beschleunigt auch deren Untergang

  • Cécile Villiger
  • 9

Alpenweit werden aktuell mehrere neue, teils sehr grossräumige Seilbahnprojekte geplant. Problematisch daran ist nicht nur, dass die Projekte oft im Konflikt mit Schutzgebieten stehen. Vielmehr steht eine solche Strategie des „ungebremsten Wachstums“ im Widerspruch mit grossen Herausforderungen wie dem Klimawandel und ist kein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung in Alpenregionen, meldet CIPRA.

Die Seilbahnbranche überbietet sich aktuell mit Superlativen. So wirbt die Lenzerheide durch den Zusammenschluss mit Arosa als „grösste zusammenhängende Skiregion“ in Graubünden,  mit der Verbindung der österreichischen Skigebiete im Pitztal und im Ötztal soll das „grösste Gletscherskigebiet der Welt“ entstehen. Lech – St. Anton wirbt mit dem „grössten Skigebiet Österreichs“, zwischen Tiroler und Salzburger Skigebieten existiert der „zweitgrösste Skipassverbund der Welt“, berichtet die internationale Alpenkomission CIPRA.

Doch gewichtige Gründe sprechen gegen diese stetig zunehmende Aufschaukelung. Allen voran der Klimawandel: Für den deutschen Alpenraum geht die Bundesregierung davon aus, dass künftig nur mehr eines von zehn Skigebieten natürlich schneesicher sein wird. Mit künstlicher Beschneiung trifft dies noch auf eines von drei zu. In Österreich wären bei einem mässigen Temperaturanstieg von einem Grad zwar noch zwei Drittel der Skigebiete schneesicher – allerdings gehen neueste wissenschaftliche Szenarien in den Alpen von einem Anstieg um 5,6 Grad bis 2100 aus. Auch die Tatsache, dass viele Skigebiete wirtschaftlich bereits ums Überleben kämpfen – in der Schweiz beispielsweise ist nur noch ein Drittel der Skigebiete profitabel – sowie stagnierende bis sinkende Skifahrerzahlen sprechen gegen den stetigen Ausbau der Skigebiete. Seilbahnen sind keine Garantie mehr für Wohlstand und eine gesunde Entwicklung in den Alpentälern.

Immer häufiger werden die Ausbaupläne im eigenen Land mit skitechnischen Aufrüstungen im Nachbarland politisch gerechtfertigt. Die VertreterInnen der CIPRA verlangen die Durchbrechung dieses nahezu automatisierten Wachstumskreisels. Sie fordern stattdessen: Ein alpenweites Moratorium beim Ausbau von Skigebieten und eine umfassende Neuausrichtung des alpinen Tourismus in Richtung Nachhaltigkeit. Katharina Conradin, Präsidentin der internationalen Alpenschutzkommission CIPRA meint dazu: «Zwingend notwendig für ein solches Umdenken wäre eine Fokussierung von Förderungen auf Projekten, die strengen Nachhaltigkeitskriterien entsprechen – und zwar in allen Alpenstaaten».

«Eine gemeinsame Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Herausforderungen würde allen Beteiligten mehr bringen, als blindlings darauf zu hoffen, dass sich mit immer gigantischeren Investitionen und Umweltzerstörungen der Skitourismus noch um einige Jahrzehnte verlängern lässt», betonen alle Vertreter der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA.

Dennoch passiert genau dies. Im Arbeitsgebiet der drei nationalen Vertretungen der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA in Deutschland, Südtirol, Österreich und der Schweiz befinden sich immer mehr Projekte in dieser Wettbewerbsspirale.

In der Schweiz zum Beispiel macht im Moment vor allem die Skigebietsverbindung Andermatt – Sedrun von sich reden; aber auch die Destination Engelberg hegt mit dem «Schneeparadies» zwischen Engelberg und Melchsee-Frutt Expansionspläne. Und in der Westschweiz möchten die Skigebietsbetreiber am liebsten eine Direktverbindung von Les Diablerets auf den Sex Rouge – mitten durch ein Landschaftsschutzgebiet von nationaler Bedeutung.

Aga - Trigon Film

9 Kommentare

  • Sacha

    Da hat es den Naturverbänden nach den 6 Kommentaren glatt die Sprache verschlagen… gut einverstanden, die Einwände sind haben Fleisch am Knochen!!! Ich teile überigens deren Meinung.

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  • Ch. Dobler

    Die Folgen des Klimawandels mit klimaschädigenden Massnahmen (z.B. Schneekanonen) zu bekämpfen in den Skiregionen ist wohl nicht der Weg, der aus der Sackgasse führt, vorallem wenn man daran denkt, was man den zukünftigen Generationen hinterlässt. Warum setzen diese Gebiete nicht mehr auf Sommertourismus? Auch da gäbe es allerdings einiges zu berücksichtigen, was die Nachhaltigkeit anbelangt: saubere, wasserführende Bergbäche, Alpenblumenmatten ohne Kühe und Schafe überall , kein Touristenhelilärm etc., damit die Leute gerne wandern kommen.

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  • Anwalt

    Fragezeichen bei rechtlichen Belangen. Umweltverbände geniessen
    in der Schweiz sehr sehr viel Macht.
    Man kann vor Gericht noch so viel beweisen, wie nachhaltig, umweltschonend und wirtschaftlich ein super Projekt sein kann, am Ende spricht sich das Gericht immer für die Umweltverbände aus. Aus meiner Sicht ist das ein Skandal, dass seines Gleichen sucht! Das hat nichts mehr mit Rechtsstaat zu tun. Verhinderungspolitik anstatt gemeinsam nach Möglichkeiten suchen! Eigensinnige Politik mit dem Ziel, die Bergbahnbranche zu schädigen!

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  • Marco

    Zufällig kenne ich das Gebiet bei les diablerets sehr gut. Es geht bei Euch gar nicht mehr um Naturschutz. Hauptsache man kann ein gutes und nachhaltiges Projekt verhindern. Ich bin auch dafür, dass man achtsam mit der Natur umgehen muss. Ich gehe bei les diablerets oft wandern. Ich kenne die geplante Linienführung welche das Dorf und das Skigebiet von Villars mit dem Gletscher verbinden soll. Ist doch ein super Projekt. Anstelle einer mühsamen und langen Busfahrt auf den Pass, fährt man direkt mit einer Gondel hoch. Es sind ja nicht mal Pisten dafür nötig, auch für die Bahn ist der Eingriff in die steinige Landschaft gleich null. Kommt auch darauf an, welche Bahn dafür ausgesucht wird. Kommen wir zu Engelberg. Warum sollte man 3 kleine Nachbarskigebiete nicht vernetzen? Bestehende Infrastruktur bündeln, fusionieren und gemeinsam Kosten sparen. Dort wo Infrastruktur vorhanden ist muss auch eine Entwicklung stattfinden.

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  • Leila

    Wettrüsten: bereits dieser Titel ist lächerlich. Les 3 Vallées in Frankreich ist das grösste Skigebiet der Welt, über 600km und 200 Bahnen. Wenn in der Schweiz zwei Skigebiete verbunden werden (ohne zusätzliche Gebiete) , was ja nur Vorteile bringt, sprecht Ihr von einem Skandal!!! Unsere Skigebiete sind doch eh schon klein, also lasst uns doch unsere Sinergien bündeln und uns im internationalen Geschäft besser zu vermarkten. Nur wenn wir unsere Skigebiete vernetzen können, werden wir längerfristig überleben.

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  • Chris

    Ihr schreibt im Jahre 2100. Eine Seilbahn hat eine Lebenserwartung von 25-30 Jahren…im 2100 gibt es keinen Schneefall mehr, das heisst man darf auch keinen Gewinn machen bis im Jahre 2100? Sagt doch lieber einfach, dass Ihr gegen Skigebiete seit! Das wäre vertrauenswürdiger

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  • Cédric R.

    Warum dürfen unsere Skigebiete nicht verbunden werden??? Es werden dabei ja nicht neue Skigebiete erschaffen! Ihr seit einfach zu mächtig, um alles zu verhindern! Da blicke ich mit viel Neid ins Ausland, da gibt es noch rationales Denken. Man sollte auf die Umwelt Sorge tragen klar, was auch alle Skigebiete wollen, aber bei uns ist das Ausmass der Umweltverbände der Untergang! Wir haben im internationalen Vergleich so viel Rückstand… von der Grösse brauchen wir gar nicht zu sprechen!

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    • Christine

      Ja, wir haben effektiv immer mehr Rückstand im internationalen Vergleich, was den Schutz der Natur und Umwelt anbelangt. Zum Skitourismus: Schon lange wird ja der fehlende Schnee mit Schneekanonen produziert – ist das umweltverträgich?Und, was ich das erste Mal gehört habe: mit dem Helikopter an die gewünschten Stellen geflogen (Lenzerheide). Ist das umweltfreundlicher Skitourismus?Ich wünsche mir mehr Nachhaltigkeit und Rücksicht, und Erhalt der Schutzgebiete, von denen es eh schon wenig hat in der Schweiz, auch wenn Sie Mühe damit haben. Das heisst, auch beim Tourismus nicht nur auf eine Karte, den Skitourismus setzen. Ist überall dasselbe Prinzip-auch in der Landswirtschaft: Vielfalt garantiert Langlebigkeit!

  • J.D.

    Warum wettert Ihr denn dagegen? Da solltet Ihr ja Freude daran haben, wenn Skigebiete verschwinden. Ihr habt ja alle Macht um alles zu verhindern!
    Kommt dazu, dass CH-Skigebiete im Vergleich zum Ausland bei der Skigebietsgrösse wie Micky Maus-Anlagen dastehen. Ihr solltet doch unsere Skigebiete unterstützen statt alles zu verbieten. Wir stehen im internationalen Vergleich schlecht da. Ich als Experte bei Skigebieten, übertreibe da nicht. In der Schweiz wurde ohnehin nie übertrieben, dabei wurde immer auf eine „gesunde“ Rücksicht auf die Umwelt genommen.
    Da habe ich echt Mühe damit!!!!!!

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