| © Pieter van Marion [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
| © Pieter van Marion [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Weniger Pestizide, aber gleichbleibender Ertrag

  • Mélanie Guillebeau
  • 3

Eine französische Studie zeigt auf, dass die Reduktion von Pestiziden in der Landwirtschaft nicht mit geringeren Erträgen einhergeht und in 40 Prozent der Fälle sogar eine Ertragssteigerung verzeichnet werden kann.

Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft wurde bereits von offizieller Seite, unter anderem in einem Bericht der UN (naturschutz.ch berichtete), als ökologisch nicht vertretbar angeprangert mit der Empfehlung auf vollständigen Verzicht der schädlichen Spritzmittel. Und kürzlich wurden Pestizide in, für Wasserorganismen, bedenklichen oder gar tödlichen Konzentrationen  in Schweizer Bächen nachgewiesen  (naturschutz.ch berichtete). Eine französische Studie bestätigt nun, dass dieser übermässige Einsatz von Pestiziden nicht nötig ist, um eine ertragreiche Ernte zu erhalten – somit wurde einer der wenigen und oft propagierten Gründe Pestizide zu spritzen, untergraben.

60 Prozent weniger Insektizide möglich

Gemäss ZME Science wurden im Rahmen der Studie fast 1’000 Bauernhöfe in Frankreich auf ihren Einsatz von Insektiziden, Herbiziden und Fungiziden sowie auf die Produktivität und Rentabilität überprüft. Dabei wurde ein breites Spektrum an nicht-biologischen Höfen, auf welchen Pestiziden seit jeher in geringem oder auch grösserem Stil zum Einsatz kommen, abgedeckt: Anbauflächen mit Mais, Rapsöl, Sonnenblumen, Kartoffeln und Zuckerrüben und auch Viehzuchten waren unter anderem vertreten. Die Resultate der Studie zeigen, dass rund drei Viertel der Farmen weniger Pestizide spritzen könnten, ohne Einbussen in der Produktivität oder Rentabilität zu erleiden. Insbesondere der Einsatz von Insektiziden könnte massiv gedrosselt werden: In 94 Prozent der Fälle könnte eine Reduktion von 60 Prozent realisiert werden ohne Einschränkungen im Ertrag. Somit wurde einer der wenigen und oft propagierten Gründe Pestizide zu spritzen, untermauert.

Ertragssteigerung bei zwei von fünf Höfen

Noch überraschender ist zudem, dass bei 40 Prozent der Bauernhöfe dank der Pestizidreduktion gar eine Ertragssteigerung erzielt werden konnte. Aber ganz ohne ergänzende Massnahmen ist dies nicht möglich. So muss der reduzierte Einsatz von Pestiziden durch mechanisches Jäten, die Verwendung von resistenteren Linien oder gezieltes Spritzen wettgemacht werden. Zusätzliche Arbeit, die sich aber durchaus lohnt: einerseits angesichts der steigenden Beobachtungen an Resistenzfällen und der damit verbundenen, herabgesetzten Wirksamkeit der Pestizide, welche man mit vermehrtem Spritzen auszugleichen versucht; andererseits zum Wohle einer nachhaltigen und umweltschonenden Landwirtschaft. Dass die Resultate der Studie auch in der Praxis standhalten, zeigt das Beispiel von Schweden. Die schwedische Regierung hat eine Verringerung von Pestiziden in der Landwirtschaft vorgeschrieben und umgesetzt – bisher ohne messbaren, negativen Effekt auf den Ertrag.

Landwirte müssen informiert werden

Momentan werden Bauern vor allem von Firmen beraten, die Pestizide vertreiben oder herstellen. Und man kann sich denken, dass deren Hauptanliegen nicht, die Reduktion von Pestiziden in der Landwirtschaft ist. Somit ist der wichtigste Schritt, Landwirte von unabhängiger Seite über die Möglichkeiten und nötigen Massnahmen im Falle einer Pestizidreduktion zu informieren.

Die Studie „Reducing pesticide use while preserving crop productivity and protability on arable farms“ von Lechenet et al. wurde bei Nature Plants veröffentlicht. 

3 Kommentare


Beitrag kommentieren