Wiedehopf_gross

Weniger Landwirtschaftsvögel wegen zu dichter Bodenvegetation

  • Monika Jung
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Wiedehopf_grossDichte Bodenvegetation könnte den Rückgang von Insekten fressenden Vögeln im Landwirtschaftsland erklären. Wie Forschende der Universität Bern und der Schweizerischen Vogelwarte Sempach herausgefunden haben, sind die Vögel auf offene Flächen im Kulturland angewiesen, um genügend Nahrung erbeuten zu können.

Gartenrotschwanz, Heidelerche, Wendehals, Wiedehopf: Die Bestände all dieser für das Landwirtschaftsland typischen Vogelarten zeigen in ganz Mitteleuropa seit Jahrzehnten starke Abnahmen. Auch die ökologischen Ausgleichsmassnahmen, welche die Biodiversität im Landwirtschaftsland fördern sollen, konnten den katastrophalen Rückgang nicht bremsen.

Eine Forschergruppe vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern und der Vogelwarte Sempach hat Mithilfe von winzigen Telemetriesendern das Nahrungssuchverhalten der vier Arten in verschiedenen landwirtschaftlichen Kulturen detailliert untersucht. Die Resultate waren eindeutig: Der Hauptfaktor, der bestimmt, wo die Vögel ihre Nahrung finden, war die Struktur der Bodenvegetation. In allen untersuchten Kulturen zeigten die Vögel eine starke Bevorzugung für Orte, deren Bodenvegetation lückig war, also ein Mosaik von unbewachsenen und bewachsenen Stellen aufwies. Der offene Boden ermöglicht es den Vögeln, Insekten zu erbeuten, während die nahe Vegetation sicherstellt, dass sich Insekten entwickeln können.

Zurzeit gibt es in der Schweiz und europaweit keine ökologische Ausgleichsmassnahme, die eine lückige Bodenvegetation aktiv fördert oder schafft. Die Forschenden schlagen deshalb vor, die Massnahmen entsprechend anzupassen. «Falls es gelingt, zum Beispiel in Hochstammobstgärten wieder nennenswerte Flächen mit lückiger Bodenvegetation zu schaffen, können sich die Bestände vieler Vogelarten vielleicht wieder erholen», gibt Professor Raphaël Arlettaz von der Universität Bern seiner Hoffnung Ausdruck.

Universität Bern (vollständiger Artikel)

Vogelwarte Sempach

Bild: Raphaël Arlettaz, Universität Bern

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