© Svíčková [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
© Svíčková [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Weltrekord im Ausschlafen              

  • Redaktion Naturschutz
  • -

Obwohl ihr Name vermuten lässt, dass sie sieben Monate des Jahres schlafen, ruhen die Siebenschläfer (Glis glis) im Durchschnitt acht Monate lang. WildtierökologInnen haben nun erstmals belegt, dass der Winterschlaf bei diesen Tieren sogar noch länger dauern kann, wenn der Schlaf bereits in den Sommermonaten beginnt.

Der Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung übernommen aus:
Bildschirmfoto 2015-10-12 um 17.10.26

Winterschlaf bis zu elf Monate lang

Der Winterschlaf beim Siebenschläfer kann bis zu 11,4 Monate dauern. «Das ist weltrekordverdächtig», meint Claudia Bieber, Mitautorin der Studie. «Siebenschläfer überdauern in unseren Breiten also nicht nur die Wintermonate unter der Erde im tiefen Winterschlaf, sondern beginnen damit bereits in den Sommermonaten.» Diese extremen Winterschlaflängen treten allerdings nicht in jedem Jahr auf, sondern nur in Jahren mit geringer Buchenmast. Eine erfolgreiche Reproduktion und Jungenaufzucht ist von extrem energiereicher Nahrung in Form von Buchensamen abhängig. Sind diese nicht vorhanden, wählen die Tiere häufig den frühen Winterschlaf. Eine mögliche Erklärung für das Phänomen liegt in der höheren Überlebenswahrscheinlichkeit während des Winterschlafes. Unter der Erde im Winterschlafquartier sind die Tiere sehr sicher und entgehen ihren Räubern.

Fettreserven sind wichtig

Nicht alle Tiere einer Population beginnen so früh mit dem Winterschlaf, sondern nur jene Tiere, die genug Körperfett-Reserven angesammelt haben. Besitzen die Tiere weniger Fettreserven, bleiben sie aktiv oder zeigen kürzere Phasen von Sommerschlaf.

Winterschlaf statt Reproduktion

Claudia Bieber meint: «Unsere Ergebnisse widersprechen der gängigen Theorie, dass der Winterschlaf lediglich dazu dient, widrige Klimaverhältnisse und schlechte Futterbedingungen zu überdauern. Wir können zeigen, dass Siebenschläfer auch bei mildem Klima und ausreichend Futter in den Winterschlaf gehen können, vorausgesetzt, ihre Fettreserven sind ausreichend. Ist die Reproduktion aussichtslos, entscheiden sich die Tiere für diesen Weg. Im nächsten Jahr sind die Chancen auf eine erfolgreiche Reproduktion vielleicht höher».

Die Fähigkeit zum Winterschlaf wird demnach vielfältiger eingesetzt als bisher vermutet. Siebenschläfer scheinen durch die extreme Nutzung des Winterschlafs eine hohe Langlebigkeit zu erreichen. Einige Tiere werden bis zu zwölf Jahre alt. Zum einen erreichen sie dies, indem sie Ihren Fressfeinden ausweichen, zum anderen sind dafür auch physiologische Anpassungen nötig, wie bestimmte Zellreparaturmechanismen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in CH-WILDiNFO 5/2015. Hier gelangen Sie zu der vollständigen Ausgabe: http://www.wildtier.ch/fileadmin/user_upload/ch-wildinfo/ausgaben/chwildinfo155.pdf

Beitrag kommentieren