Riegelhaus, Fachwerkhaus, Verputz, Fassade

Weltraumtechnik an historischen Fassaden

  • Nora Kieselbach
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Altbauten sind zwar schön – aber auch schwer zu isolieren. Die Empa und die Fixit AG haben nun gemeinsam auf Basis von Aerogel einen neuartigen Putz entwickelt, der doppelt so gut isoliert wie heute übliche Dämmputzsorten. Er dämmt Wärme vergleichbar gut wie Polystyrolplatten. Gemäss einer Medienmitteilung soll das Produkt nächstes Jahr auf den Markt kommen.

Anderthalb Millionen Altbauten gibt es in der Schweiz. Damit müssen und wollen wir leben – doch zugleich steigt der Energieverbrauch des Landes immer weiter an: 4.5 Millionen Tonnen leichtes Heizöl und 3 Millionen Kubikmeter Erdgas werden laut Bundesamt für Energie jährlich importiert, wobei 43 Prozent fürs Heizen durch den Schornstein „verpuffen“. Wer fossile Energie sparen will, muss sein Haus also isolieren.

Doch wie dämmt man einen historischen Altbau, ohne die historische Fassade einfach mit modernen Dämmplatten zu verhängen (was ja auch der Heimatschutz kaum bewilligen würde)? Um die Optik einer alten Hauswand zu erhalten, eignet sich ein Verputz am besten. Dieser lässt sich schnell anbringen, liegt direkt auf dem Mauerwerk auf und lässt keine Lücken, in denen Feuchtigkeit kondensieren kann.

Mitarbeiter der Firma Fixit haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Dämmeigenschaften von Putz zu verbessern und einen neuartigen Putz zu entwickeln, der ebenso gut dämmt wie eine Polystyrolplatte. Mit Erfolg: das Produkt hat die Laborversuche überstanden und wird seit Anfang Juli 2012 an den ersten Gebäuden getestet. Hält der neue Dämmputz auch im Alltag, was er verspricht, wird das Material im Lauf des Jahres 2013 auf den Markt kommen.

Was aber steckt drin im neuen Wunderputz aus dem Empa-Labor? Das Fixit-Team entschied sich für den besten Dämmstoff, der derzeit industriell hergestellt werden kann: Aerogel. Wegen seiner Optik auch als „gefrorener Rauch“ bekannt, besteht das Material zu rund 5 Prozent aus Silikat – der Rest ist Luft. Aerogel wurde bereits in den Sechzigerjahren zur Isolation von Raumanzügen eingesetzt und hält 15 Einträge im Guinness-Buch der Rekorde, darunter denjenigen als „bester Isolator „und „leichtester Feststoff“. Im Baubereich wird Aerogel bereits eingesetzt, etwa als einblasbarer Isolierstoff für Mauerzwischenräume oder in Form von Dämmplatten aus Faserflies.

Warum aber hat noch niemand Aerogel in einen Putz gemischt? Aerogel-Kügelchen sind extrem leicht und lassen sich leicht zu feinem Pulver zerreiben. Und genau das war das Problem: verrührt man das Pulver sachte mit Wasser und trägt den Putz von Hand auf, sind die Ergebnisse gut. Wird der Putz jedoch mit einem Druck von 7 bis 8 bar durch den Schlauch einer professionellen Putzmaschine gepumpt, bleibt vom Aerogel nicht mehr viel übrig. Doch am Ende hatten die Forscher von Empa und Fixit eine Lösung, die demnächst patentiert werden soll.

Die Proben des Aerogel-Putzes ergaben eine Wärmeleitfähigkeit von weniger als 30 mW/(mK) – doppelt so gut isolierend wie Dämmputz, den es heute zu kaufen gibt. Wenn sich die Innovation am Markt durchsetzt, hat die Empa den Schweizer Hausbesitzern etliches an Brennstoffverbrauch erspart.

Weitere Informationen

Empa
Fixit AG

Bild: Roland zh [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

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