Palmöl in Kerzen wird oft unzureichend deklariert. © Gytha96 [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Palmöl in Kerzen wird oft unzureichend deklariert. © Gytha96 [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Weihnachtszeit ist Palmölzeit

  • Julia Hatzl
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Weihnachtszeit ist Kerzenzeit. Doch möglicherweise steckt im festlichen Lichterglanz häufig indonesischer Tropenwald. Denn bei Palmöl in Kerzen lassen Hersteller Verbraucher oft im Dunkeln tappen: In etwa jeder zweiten Kerze stecken Pflanzenöle, meist Palmöl. Genauere Angaben dazu sucht man meist vergebens.

Auch wenn man auf einen nachhaltigen, regionalen Christbaum setzt, bei den Kerzen wird oft weniger nachgedacht. Und auch wenn man nach Kerzen ohne Palmöl sucht, ist die Kennzeichnung oft ungenügend. Gibt es überhaupt gute Alternativen zu Palmöl? Wie der WWF Deutschland in einer Mitteilung berichtet, verweigerten bei einer Befragung in Deutschland acht von zehn der führenden deutschen Grossproduzenten von Kerzen die Auskunft darüber, ob sie Nachhaltigkeitskriterien beim Einkauf von Palmöl beachten und was für Palmöl sie verwenden. Darunter finden sich grosse Namen wie die Gies Kerzen GmbH oder die Gebrüder Steinhart Wachswarenfabrik. Nur ein Hersteller, die Gebrüder Müller Kerzenfabrik AG, ist im grünen Bereich und gibt nachvollziehbar an, 80 Prozent zertifizierte Ware zu verwenden.

Kaum bessere Alternativen zu Palmöl

Ilka Petersen, WWF-Expertin für Palmöl:

«Viele deutsche Hersteller wollen oder können nicht für Licht im Dunkel sorgen. Wer Palmöl in seinen Produkten nutzt, muss auch die Verantwortung übernehmen. Ein Austausch mit Paraffin aus Erdöl ist dabei nicht die Lösung. Wenn Palmöl in der Kerze steckt, sollte es am besten aus Bio-Anbau stammen, mindestens aber RSPO-zertifiziert sein. Auf die Kerzen gehören verbindliche Angaben zu den verwendeten Inhaltsstoffen.»

Kerzen aus Kokosfett sind aus Sicht des WWF nur vermeintlich bessere Alternativen zu Palmöl. «Die Pflanzen werden ebenfalls in tropischen Gebieten angebaut, verbrauchen aber für den gleichen Ertrag mehr Fläche», so Ilka Petersen. Kerzen aus Bienenwachs sind eine sinnvolle Wahl. Aber sie können den deutschen Bedarf an Kerzenschein nicht decken, die Bienenwachsreserven sind begrenzt. Umso wichtiger ist für den WWF, dass Deutschlands Kerzenhersteller auf Bio-Palmöl umschwenken, wenigstens aber auf RSPO-Ware. Rund sechs Prozent, nämlich 89.650 Tonnen, des nach Deutschland importierten Palmöls wird für Kerzen verwendet. Viele Menschen greifen zu Kerzen mit Stearin, also Pflanzenöl, weil sie der Umwelt zuliebe keinen Lichterglanz auf Erdölbasis möchten. WWF-Palmölexpertin Ilka Petersen:

«Ohne klare Angaben geraten sie möglicherweise unwissentlich vom Regen in die Traufe und kaufen Palmöl-Kerzen, die nicht zertifiziert sind.»

Die Befragung der Kerzenhersteller ist ein Vorab-Auszug aus dem nächsten WWF-Palmöl-Check. Anfang 2018 folgt der gesamte Palmöl-Check zu weiteren Branchen, wie Kosmetika, Lebensmittel, Pharmazeutika und Futtermittel. Der WWF veröffentlicht diese Ergebnisse regelmäßig seit 2009.


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Die Palmölfrucht wird vor allem auf Plantagen in den tropischen Regenwaldregionen Südost-Asiens angebaut. Insgesamt werden nach Deutschland jährlich rund 1,4 Millionen Tonnen Palm- beziehungsweise Palmkernöl importiert. Unser Konsum beeinflusst das Schicksal von Orang-Utan oder Tiger und der Menschen vor Ort.

 

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