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Weihnachtsmärkte: Eine Tortur für Krippen-Tiere

  • Judith Schärer
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Von Kindern heiss geliebt, von Tierschützern kritisiert: Lebendige Krippen auf Weihnachtsmärkten werden oft zur Tortur für die ausgestellten Tiere. Deshalb wird dringend ein intensiverer Tierschutz gefordert. Eine allgemein aktuelle Thematik: In der Schweiz gab es 2014 so viele untersuchte Tierschutzdelikte wie noch nie.

Besserer Schutz der Tiere an Weihnachtsmärkten

Krippendarstellungen mit echten Schafen, Eseln und Rindern gehören auf einigen Weihnachtsmärkten noch immer zu den traditionellen Attraktionen, um damit vor allem Familien anzulocken. Die Kinder lieben sie, doch für die Tiere sind die Krippen auf den Weihnachtsmärkten Dauerstress. Die Tiere sind dem Weihnachtstrubel um sie herum ständig ausgesetzt, in den kleinen Ställen oder oft zugigen und feuchtkalten Gattern leiden sie unter notorischem Bewegungsmangel und haben kaum Möglichkeiten, sich an ein ruhiges Plätzchen zurückzuziehen. Sie werden meist auch noch von den Besuchern mit allem möglichen und unmöglichen gefüttert, was schon bei manch einem Krippentier zu Koliken oder anderen schwerwiegenden Konsequenzen führte. Für Herbert Lawo, Vorsitzender des deutschen Landestierschutzverbandes ein Unding: „Tiere haben auf dem Weihnachtsmarkt nichts verloren.“ Die Tiere leiden laut Lawo massiv unter dem Trubel, Lärm und Gedränge. Sein Fazit: „Echte Tierfreunde sprechen sich gegen lebendige Krippen aus und erklären ihren Kindern, dass dies keinesfalls ein tiergerechter Umgang mit den Tieren ist.“

In der Schweiz scheint der Tierschutz allgemein mangelhaft

Auch in der Schweiz ist artgerechte Tierhaltung ein omnipräsentes Thema. Im Jahr 2014 wurden in der Schweiz so viele Tierschutzdelikte untersucht wie noch nie. Landesweit hat sich die Fallzahl in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht, in den letzten 15 Jahren sogar verfünffacht. Dies zeigt die aktuelle Jahresanalyse der Stiftung für das Tier im Recht (TIR). Aber noch immer wird die Verfolgung von Tierquälern kantonal sehr unterschiedlich gehandhabt und vielerorts fehlt es an einem konsequenten Strafvollzug. Im Fokus der diesjährigen Untersuchung steht zudem die Strafpraxis bei an Pferden begangenen Tierschutzdelikten. Die Untersuchung zeigt, dass die tierschutzrechtlichen Vorschriften zum Umgang mit Pferden deren Bedürfnissen nicht angemessen Rechnung tragen. Auch die Vollzugsbehörden schenken Pferden noch immer viel zu wenig Beachtung. Die TIR fordert daher strenge Haltungsvorschriften für Pferde sowie griffige Vollzugsstrukturen in allen Kantonen.

Die Analyse der für Tierschutzverstösse ausgesprochenen Bussen und Geld- bzw. Freiheitsstrafen zeigt, dass die zuständigen Behörden den gesetzlichen Strafrahmen bei Weitem nicht ausschöpfen. Dadurch werden Tierschutzverstösse bagatellisiert und vielerorts besteht im Tierschutzstrafvollzug noch immer dringender Handlungsbedarf. In einem Forderungskatalog hat die TIR deshalb nun die neun wichtigsten Postulate für eine wirksame Strafpraxis im Tierschutzrecht aufgelistet. Denn: „Es ist völlig inakzeptabel, dass gewisse Kantone Tierquälereien nicht konsequent verfolgen und bestrafen.“ zeigt sich die Stiftung empört.

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