© Sichtbarer Einfluss der Bewässerung auf die Artenvielfalt im Engadin. (Foto: Roman Graf)
© Sichtbarer Einfluss der Bewässerung auf die Artenvielfalt im Engadin. (Foto: Roman Graf)

Wasserkanäle für Wiesenbewässerung gewinnen an Bedeutung

  • Nicole Wabersky
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Wasserkanäle sind für die Landwirtschaft in den trockenen Berggebieten der Welt unabdingbar. Im Wallis sind die Suonen für die Bewässerung von Wiesen und Reben auch nach Jahrhunderten ihrer Entstehung von grosser Bedeutung.

Das 2014 abgeschlossene Forschungsprojekt „Wasserkanäle“ unter der Leitung der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL-FP) deckt interessante Biodiversitätsvorteile der Wasserkanäle auf und schlägt die Stärkung des Unterhalts- und Trägerschaftssystems vor. Das Projekt untersuchte die Auswirkungen der offenen Wasserkanäle und der Bewässerung auf die Biodiversität der Wiesen, der Vögel und des Waldes.

In den niederschlagsarmen Regionen der Schweiz (Wallis 5-600 mm, Val Müstair/Unterengadin 6- 700 mm) wird die Wiesenbewässerung mit Blick auf den Klimawandel bedeutsamer.

Diese Abhängigkeit ist im Wallis auch nach einer über 700 Jahre alten Geschichte der Hangberieselung bis heute spürbar. Im Unterengadin und im Val Müstair wurden und werden jüngst auch Wasserkanäle (Auals) wieder teilweise reaktiviert.

Die Resultate in aller Kürze

  • Das Verhältnis zwischen Wasserangebot und Wasserbedarf der Wiesen ist in Normaljahren knapp gedeckt, in Trockenperioden vermag die Bewässerung die Verdunstung nicht zu kompensieren.
  • Die Umstellung der Bewässerungsart von der traditionellen Hangberieselung auf die Beregnung mit Sprinklern bei Heuwiesen bewirkt keine Unterschiede in der Artenzahl von Pflanzen und Schnecken, sofern im gleichen Umfang und Rhythmus bewässert wird und keine Nutzungsintensivierung erfolgt. Die Beregnung führt allerdings zu einem höheren Anteil an Grasarten, was grundsätzlich für die Insekten und Vogelwelt nachteilig ist. Weiter konnte mit der Installation von Sprinklern ein Verlust von Landschaftsstrukturen und damit eine Homogenisierung der Landschaft beobachtet werden.
  • Eine Neubewässerung mit Sprinkleranlagen von ehemals nicht bewässerten Wiesen zieht eine Intensivierung der Wiesennutzung nach sich (frühere Mahd, mehr Schnitte) und führte zu einer Abnahme der Wiesenbrüter wie Feldlerche und Braunkehlchen.
  • Beim Wald zeigte sich, dass die passive Bewässerung (Versickerung) durch die offenen Wasserkanäle das Wachstum und die Vitalität der trockenheitssensitiven Waldföhre anregt und zum anderen die Eigenschaften der Waldböden verbessert.

Die Studie schlägt vor, die bestehenden Trägerschaften der Wasserkanäle (Geteilschaften u.a.) und den Unterhalt (Gemeinwerk) zu stärken. So sollten die aktiven Landwirte, aber auch Vertreter der Gemeinde, des Tourismus und des Natur- und Landschaftsschutzes besser integriert werden.

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