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Wasser-Oase Schweiz durstet weiter

  • Judith Schärer
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Temperaturen wie im September, strahlender Sonnenschein und keine Regenwolke in Sicht: So prächtig kommt der November daher. Doch, was des Einen Freud, ist des anderen Leid. Wasserlebewesen, die Pflanzenwelt und auch Wirtschaft und Gesellschaft leiden unter der anhaltenden Trockenheit.

Der im Volksmund genannte „Martinisommer“ zeigt sich dieses Jahr besonders ausgeprägt und langatmig. Das anhaltende sonnige und milde Wetter führt dazu, dass auf verschiedenen Ebenen das Wasser in der Schweiz zu einem raren Gut wird. Die Forschungswebseite drought.ch schreibt von einem „ausgeprägten Niederschlagsdefizit“ im ganzen Land. In vielen Gebieten fiel seit Beginn der Hitzeperiode im Juli kaum Regen, was sich nun in einem Mangel an Wasser in verschiedenen Bereichen zeigt.

Sorgen machen sich einerseits Stromproduzenten mit Flusskraftwerken. Durch den niederen Wasserpegel ist nur ein Bruchteil der normalen Stromproduktion möglich. Immerhin seien viele Stauseen in der Höhe dank den hohen Temperaturen prall gefüllt mit Schmelzwasser aus den Gebirgen. Trotzdem hoffen sie auf einen ergiebigen Niederschlag, welcher ihnen die volle Produktion wieder ermöglicht. Ebenso sehnen sich Unternehmer im Transportwesen nach höheren Wasserpegeln. Durch den Wassermangel können viele Frachtschiffe nur einen Teil ihrer Ladung transportieren, da bei vollständiger Beladung ein Vorankommen auf den dürftigen Gewässern nicht möglich wäre.

Auch kleinere Gewässer leiden unter der Trockenheit: Tausende von Fischen wurden in den letzten Wochen umgesiedelt. Leider kommen allerdings auch viele der Wasserbewohner um, wenn zu spät bemerkt wird, dass sich ein Gewässer in prekärem Zustand befindet. Neben der aquatischen Tierwelt zeigen sich auch bei Landbewohnern gewisse Konsequenzen. Viele Bauern hatten einen oder zwei Gras-Schnitte weniger als in anderen Jahren und mussten so für ihre Kühe Futter zukaufen, damit diese satt wurden. Auch die trockenen Böden machen den Landwirten zu schaffen. Die Ernten  fielen geringer als erwartet aus, Wasser muss mühsam von weit her transportiert werden und die Angst, dass die angesäten Kulturen vertrocknen werden, ist omnipräsent. Erste Sorgenfalten zeigen sich auch auf den Gesichtern von gewissen Gemeindebewohnern. In einigen Regionen zeigt sich die Wasserknappheit nun bei der Trinkwasserversorgung. In Schlatt ZH wurde beispielsweise darum gebeten, den Wasserkonsum möglichst sparsam zu gestalten und Annehmlichkeiten wie ein Vollbad oder eine Autowäsche zu unterlassen.

Voraussichtlich bringen die kommenden Tage und Wochen keine Entspannung in die Situation. Bleibt zu hoffen, dass noch vor der kommenden Winterkälte etwas Niederschlag in Form von Regen das Land erquickt. Falls das ersehnte Wasser nur in Form von Schnee fällt, ist dies für den Grundwasserspiegel nur in geringer Weise hilfreich.

Detaillierte Informationen zu der anhaltenden Trockenheit und den Konsequenzen finden Sie auf dieser Info-Seite des BAFU >>

Ein entsprechender Beitrag des SRF zum Thema finden Sie hier >>

 

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